Erkelenzer Heimatforscher durchleuchten Ersten Weltkrieg

Von: Stefan Klassen
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„Den gefallenen Kriegern der Stadtgemeinde Erkelenz 1914-1918“ gewidmet: das Anfang der 1920er Jahre errichtete Kriegerdenkmal auf dem alten Friedhof an der Brückstraße. Foto: Stefan Klassen

Erkelenz. Diese Bilder haben sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt: Soldaten winken fröhlich aus einem Zug heraus, mit augenscheinlicher Begeisterung machen sie sich auf in Richtung Paris. Frankreich, dem Feind im Westen, wird es an den Kragen gehen.

Das suggerieren die Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus den ersten Kriegstagen 1914. Und das für Kaiser, Volk und Vaterland. Solche Züge rollten auch durch das Erkelenzer Land.

„Das Rheinland war Aufmarschgebiet, und viele Züge fuhren in Richtung Aachen“, weiß Hubert Rütten, der Leiter des Arbeitskreises „Erforschung und Darstellung der Geschichte“ beim Heimatverein der Erkelenzer Lande. Auf dem Weg an die Westfront stiegen Truppenteile auch in Erkelenz aus, um dann auf anderem Wege ins Feld zu ziehen. „Viele deutsche Soldaten haben im Erkelenzer Land in Sälen oder bei Privatleuten geschlafen“, sagt Rütten. Herrschte vor 100 Jahren auch in hiesigen Gefilden die so oft zitierte Hurra-Stimmung, mit der die deutschen Verbände in den Krieg zogen? „Schwer zu sagen“, meint Rütten, „die Quellen geben da nicht so viel her.“

Rütten überlegt, das Thema Erster Weltkrieg und dessen Auswirkungen auf das Erkelenzer Land demnächst genauer zu erforschen und die Ergebnisse in der Schriftenreihe des Heimatvereins zu publizieren. Was ein ebenso ambitioniertes wie schwieriges Unterfangen ist, denn während zahlreiche Veröffentlichungen über den Zweiten Weltkrieg bereits existieren, „ist der Erste Weltkrieg eigentlich ziemlich vergessen worden. Der Zweite Weltkrieg hat alles überschattet.“

Der Heimatverein hat im Frühjahr damit begonnen, das fast brachliegende Themenfeld Erster Weltkrieg zu beackern: Prof. Dr. Gertrude Cepl-Kaufmann aus Düsseldorf hatte im Alten Rathaus bei einem Vortrag den Ersten Weltkrieg aus literaturwissenschaftlicher Perspektive erörtert. Hubert Rütten will nun im Stadtarchiv Verwaltungsberichte des Erkelenzer Bürgermeisters von 1922/23 auswerten, in denen die damalige Administration Informationen über die Kriegsjahre 1914 bis 1918 zusammengestellt hatte.

Weitere Quellen für seine heimatgeschichtlichen Recherchen sind das damalige „Erkelenzer Kreisblatt“ oder Feldpost von Privatleuten, die im Stadtarchiv hinterlegt ist. Rütten ist klar, dass die von offiziellen Stellen stammenden Informationen aus der Kriegszeit nur einen Teil der damaligen Wirklichkeit abbilden: „Damals war Kaisertreue angesagt, deshalb ist schwer zu sagen, ob und mit welcher Begeisterung die Menschen in Erkelenz das Kriegstreiben Wilhelms II. sahen.“

Aussagekräftiger als offizielle Parolen sind indes Fakten, die Rütten bereits herausgefunden hat: So waren bis zum Jahr 1916 bereits 700 Männer aus dem Bereich der damaligen Bürgermeisterei Erkelenz – die etwa 5500 Einwohner zählte – eingezogen worden. Und 1916 war es, als die heutige Kölnerstraße, die damals teilweise Bahnstraße hieß, in Hindenburgstraße umbenannt wurde. Paul von Hindenburg war Generalfeldmarschall und Politiker. Im Ersten Weltkrieg übte die von ihm geführte Oberste Heeresleitung von 1916 bis 1918 quasi die Regierungsgewalt aus. Bis zum Kriegsende 1918 kehrten 150 bis 160 der Erkelenzer Männer, die für den Kaiser und seine Generäle in den Krieg ziehen mussten, nicht mehr zurück...

Trauer, Tod und Not

Kaum etwas erinnert im heutigen Erkelenzer Stadtbild noch an diese Menschen, die im blutigen Gemetzel zwischen 1914 und 1918 ihr Leben lassen mussten oder die körperlich und seelisch schwer verwundet zurückkamen; an die Hinterbliebenen, die furchtbaren Trauerschmerz bewältigen mussten, an die „Normalbürger“, die unter großen Versorgungsnöten litten. Lediglich das Anfang der 1920er Jahre auf dem alten Friedhof an der Brückstraße errichtete offizielle städtische Denkmal sowie einige Kriegsgräber davor halten das Andenken wach. Zudem gibt es ein Kriegsdenkmal an der Westpromenade sowie eines vor dem Hauptgebäude der Firma Aker, der ehemaligen „Bohr“. „Dort war im Ersten Weltkrieg ein Lazarett eingerichtet“, weiß Heimatforscher Hubert Rütten.

Im Stadtarchiv wartet noch viel Arbeit auf ihn.

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