Erkelenz - „Erkelenzer Appell“: Braunkohlegegner lassen nicht locker

„Erkelenzer Appell“: Braunkohlegegner lassen nicht locker

Von: Helmut Wichlatz
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Aus der Lausitz hatten Braunkohlegegner eine „Gubener Warraschke“ mitgebracht, die in Kuckum als Symbol der Zuversicht gepflanzt wurde. Dirk Jansen (links, BUND) und der Bürgermeister von Taubendorf, Jürgen Handreck (rechts), legten selbst Hand an, um den Baum in die Erde zu bekommen. Fotos (3): Helmut Wichlatz Foto: Helmut Wichlatz
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Positionen bezogen: (v.l.) Bürgermeister Peter Jansen, Gewerkschafter Manfred Maresch und Professor Peter Hennicke in der Stadthalle.
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Innovation statt verkrusteter Strukturen gefordert: Umweltminister Johannes Remmel.

Erkelenz. Sein zehnjähriges Bestehen nahm das Aktionsbündnis „Zukunft statt Braunkohle“ zum Anlass, in die Erkelenzer Stadthalle einzuladen. Eingeladen hatten die Braunkohlegegner unter dem Motto „Wie geht´s weiter ohne Braunkohle?“ Der Einladung waren Gruppen, Fachleute und Initiativen aus ganz Deutschland gefolgt, ebenso NRW-Umweltminister Johannes Remmel und der Vorsitzende des Alsdorfer IGBCE-Bezirks, Manfred Maresch.

Sie waren gekommen, um gemeinsam und durchaus kontrovers über das Thema zu diskutieren. Bürgermeister Peter Jansen erklärte, dass die „betonierte Unantastbarkeit der Braunkohle bröckelt“. Die Erkelenzer protestierten seit Jahren gegen die Verkohlung ihrer Heimat. Und das teilweise mit Erfolg, denn der Tagebau Garzweiler II fällt tatsächlich kleiner aus als zuerst geplant. Angesichts der bevorstehenden Umsiedlung von rund 1600 Menschen in fünf Orten ist das nach Ansicht der Menschen vor Ort kein wirklicher Erfolg.

Rund 200 Teilnehmer

Vor zehn Jahren ging die Gründung des Aktionsbündnisses mit dem „Pulheimer Manifest“ einher, dem nun der „Erkelenzer Appell“ folgt. Darin fordern die Unterzeichner eine Energieversorgung ohne Braunkohle, einen geordneten und raschen Ausstieg aus der Kohlenutzung sowie den Stopp der Planung neuer Tagebaue. Bestehende Reviere müssten „deutlich verkleinert“ werden. „Der überwiegende Teil der fossilen Energiereserven muss unter der Erde bleiben“, heißt es in dem Text, der am Ende des Forums vorgestellt wurde. Zu den Unterzeichnern gehören lokale und bundesweite Initiativen und Verbände sowie die Evangelische Kirche im Rheinland und der Kirchenkreis Jülich und der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Aachen.

„Zukunft und Braunkohle, das passt nicht zusammen“, erklärte Dirk Jansen vom BUND zu Beginn des Forums, zu dem rund 200 Teilnehmer gekommen waren. Manfred Maresch (IGBCE) vertrat die Position der Tagebaubefürworter. Ebenfalls angetreten war Professor Dr. Peter Hennicke, der für die „Entknüpfung“ von Energieverbrauch und Wachstum warb. Der ehemalige Präsident des Wuppertal-Instituts und Mitglied des Club of Rome warb für das „Generationenprojekt Energiewende“ und eine Dekarbonisierung der Weltmärkte. In Deutschland könne dies seiner Meinung nach auch durch eine Bundesagentur für Energieeffizienz gefördert werden.

Gewerkschafter Maresch erntete mit seiner These „Zukunft mit Braunkohle“ wenig Applaus. Die Gewerkschaft, so betonte er, sei nicht gegen die Energiewende, „aber für eine bessere“. Die Braunkohle werde benötigt für die Balance zwischen Klimazielen und Versorgungssicherheit. Ein „leichtfertiges ideologisches Wettrennen“ um den Kohleausstieg hätte für die Wirtschaft in NRW katastrophale Folgen, betonte er. Gleichzeitig forderte er den Ausbau der Speicherkapazitäten regenerativer Energie. „Die Energiewende in Deutschland ist nicht das Gelbe vom Ei“, erklärte er.

Diesen Ball nahm NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) nur zu gerne auf. Er warb für die „Boom-Region“ Rheinisches Revier, in der der Strukturwandel bereits begonnen habe. „Wer an Strukturen festhält, verschläft Innovation“, erklärte Remmel. „Der Ausstieg aus der Braunkohle muss nicht erkämpft werden, er findet bereits statt.“

In der anschließenden Diskussionsrunde formulierte Dirk Jansen vom BUND ein klares Ziel für das Rheinische Revier: Garzweiler II an der A 61 stoppen, Hambach an der A4. „Dreiviertel der Kohle muss im Boden bleiben, um die Klimaziele zu erreichen“, folgerte er. „Wir brauchen ein Kohleausstiegsgesetz und die Abschaffung des Bergrechts.“ Für die Folgeschäden des Tagebaus müsste der Konzern haften. Ob für die Folgeschäden jedoch noch genug Geld da sein wird, wurde mehrheitlich bezweifelt. Gewerkschafter Maresch legte den Fokus auf die Schaffung wettbewerbsfähiger Arbeitsplätze für eine Zukunft ohne Braunkohle, während Remmel sich nicht auf die Schließung des Tagebaus fokussieren und das Thema umfassender betrachten wollte. Ein einen gemeinsamen Nenner kamen sie nicht.

Fachvorträge und Baumpflanzung

Anschließend ging es in Fachvorträgen um die Rolle der Zivilgesellschaft, die Situation in den Tagebaurevieren und die Frage „Wie geht es weiter mit dem Widerstand gegen Braunkohle?“ Mit der Vorstellung des Erkelenzer Appells endete das Forum. Als „Zeichen der Hoffnung und Symbol der Solidarität“ pflanzten die Bündnismitglieder aus dem Osten Deutschlands im Tagebauort Kuckum ein Apfelbäumchen. Die „Gubener Warraschke“ stammt aus dem Lausitzer Braunkohlenrevier. Im Tausch dafür gab es eine „Rheinische Schafsnase“ von der BUND-Obstwiese im Tagebau Garzweiler.

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