Erkelenz will sein Nummernschild zurück

Von: Udo Kals und Christoph Velten
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Erkelenz. So verschieden Monschau, Geilenkirchen, Jülich oder Erkelenz auch sein mögen, eins eint diese Städte dann doch: Anfang der 70er Jahre sind sie im Rahmen der kommunalen Gebietsreform als MON, GK, JÜL oder ERK aus dem Straßenbild verschwunden.

Auch die Autos, Lastwagen, Zweiräder und Traktoren wurden eingemeindet: Beim Straßenverkehrsamt gab’s amtliche Nummernschilder fortan nur noch versehen mit AC, DN und HS. Was viele Mitbürger bis heute wurmt. Nur noch ganz wenige Fahrzeuge fahren mit den alten Kennzeichen. Doch das soll sich ändern, zumindest im Norden des Kreises Heinsberg.

Die Erkelenzer Politik befasst sich heute und in den nächsten Tagen mit einem ziemlich lokalpatriotischen Thema. Und der Beschlussvorschlag für die Politik gibt eine klare Richtung vor: Erkelenzer Bürger sollen künftig wieder Schwarz auf Weiß zeigen dürfen, woher sie kommen: Die Verwaltung will das ERK zurück. Doch nicht nur die.

73 Prozent bundesweit dafür

Neben dem Erkelenzer Initiativkreis Marketing wollen wohl auch die meisten Einwohner nicht mehr mit einem HS an ihrem Auto durch die Gegend fahren, sondern mit ERK, um so auch bundesweit für das Heimatstädtchen auf Landstraßen und Autobahnen Werbung zu fahren. Und so könnte das Thema in den kommenden Monaten noch zu einem Politikum werden. Nicht nur, weil der Haussegen im Heinsberger Kreishaus bald schiefhängen könnte. Sondern auch, weil das NRW-Verkehrsministerium und der Bund einem positiven Votum der Erkelenzer Politiker zustimmen müssten.

Für Peter Jansen (CDU) ist die Sache trotzdem mehr als ein bloßes Hirngespinst. „Natürlich verfolgen wir das ernsthaft”, sagt der Bürgermeister von Erkelenz. Für ihn steht im Besonderen der Aspekt des Stadtmarketings im Vordergrund. Das Ziel: Seine Stadt soll über das Autokennzeichen für Touristen und Investoren bekannter werden. Dass dies nicht im Alleingang geht, ist Jansen bewusst. Natürlich müsse man das mit dem Kreis abstimmen. Schließlich könnten dies einige als Affront gegen die Identifikation des Landkreises Heinsberg empfinden. Mit einem Brief an Landrat Stephan Pusch (CDU) hat er bereits vor ein paar Monaten der Stimmung vorgefühlt. Und: „Bislang hat er sich noch nicht negativ zurückgemeldet”, sagt Jansen. „Das ist ja schon mal ein erster Ansatz für Gespräche.”

Wie genau und vor allem wann die neuen alten Kennzeichen in Kraft treten könnten, dazu will sich Jansen konkret nicht äußern. „Das kann natürlich noch dauern”, sagt er. Frühestens Anfang nächsten Jahres werde der Weg durch Politik und Verwaltung beschritten.

Grundlage der Initiative ist eine Studie des Heilbronner Wirtschaftswissenschaftlers Ralf Bochert, der im Frühjahr dieses Jahres mehr als 11.000 Menschen in 51 deutschen Städten befragt hatte, ob sie nicht wieder ihr altes Kennzeichen zurückhaben wollten, darunter auch Menschen in Erkelenz. Das Ergebnis: „Die bundesweit große Mehrheit von gut 73 Prozent befürwortet eine Rückkehr”, sagt Bochert und: „Ich bin mir sehr sicher, dass dies auch die Erkelenzer Bürger wollen, da sich hier das Stimmungsbild mit den bundesweit erhobenen Daten deckt. Auch wenn die Stichprobe nur rund 225 Menschen umfasst.”

Bei der Befragung sprachen sich insgesamt 74 Prozent der Erkelenzer Bürger für die Wiedereinführung des Altkennzeichens aus. 16 Prozent lehnen das Vorhaben ab. Für den Wissenschaftler ist klar: „Die in NRW vor rund 40 Jahren geschaffenen Kreise nehmen die Menschen nicht mit, sie fühlen sich darin nicht verortet. Zumal wir den Sonderfall haben, dass Erkelenz größer ist als die Kreisstadt Heinsberg.” Und er beschwichtigt gleich: „Das ist ja nichts gegen Heinsberg. Aber vor einigen Jahrzehnten hätten sich Politiker und Verwaltunsgleute etwas Schlaueres einfallen lassen sollen.”

Wie beim „Hanauer Modell”

„Naja, schön wär’s schon”, gibt Margareta Ritter (CDU) zu. Auch die Bürgermeisterin von Monschau sähe die Wiedereinführung des MON als Kennzeichen für ihre Stadt in der Eifel als identitätsstiftenden Mehrwert. Doch Ritter ist Realistin, und als solche weiß sie die Chancen für diesen Schritt in die Vergangenheit einzuschätzen: „Simmerath und Roetgen würden da wohl nicht mitmachen. Und alleine sind wir zu klein”, sagt sie. Ihr Blick richtet sich lieber in Richtung Zukunft. „Auch wenn es manchmal schön ist, in alten Erinnerungen zu schwelgen.”

Übertragen auf Städte wie Monschau oder Jülich lässt sich die Erkelenzer Entwicklung also nicht so leicht. „Es spielen immer lokale Gegebenheiten eine Rolle”, sagt Bochert. Doch für ihn ist auch klar, dass es in Zeiten der Globalisierung einen klaren Trend zur lokalen Verortung gebe. „Dabei ist das übrigens kein Nostalgie-Ding”, meint er: „Denn auch viele jüngere Befragte befürworten die Rückkehr zu den alten Kennzeichen.”

Und das ist umsetzbar, sagt der Experte und verweist auf das „Hanauer Modell”, das „nach einer einmaligen Umstellung ohne zusätzliche Verwaltungskosten funktioniert”. Im hessischen Main-Kinzig-Kreis (MKK) wurde so für die kreisangehörige Stadt Hanau ein eigenes HU-Kennzeichen gesichert. Zugleich bremst er findige Politiker und Marketingexperten: Nur solche Städte kommen für die Initiative infrage, die früher ein eigenes Kennzeichen hatten.
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