Erkelenz erinnert sich an Opfer aus Auschwitz

Von: Helmut Wichlatz
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Haben sich stark gemacht für das aktive Erinnern an die Opfer des Holocausts in Erkelenz: Christoph Stolzenberger und Hubert Rütten vom Arbeitskreis „Route gegen das Vergessen“. Foto: Helmut Wichlatz

Erkelenz. Der 27. Januar ist ein besonderes Datum. Denn es ist der Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Sowjetarmee vor 68 Jahren. Der 27. Januar ist deshalb auch seit 1996 der internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts.

Dabei sei die Zahl der Opfer weitaus größer, weiß der Kulturmanager der Stadt Erkelenz. Auch die Stadt Erkelenz erinnert sich aktiv seit fünf Jahren an die Bürger jüdischen Glaubens, die in den Massenvernichtungslagern der Nazis umkamen. Das Wachrufen der Erinnerungen ist das Verdienst des Heimatvereins und seines Arbeitskreises „Route gegen das Vergessen“.

Mit den 23 Stolpersteinen des Künstlers Gunter Demnig wird seit Jahren im Stadtbild auf die Gebäude aufmerksam gemacht, die von jüdischen Mitbürgern bewohnt wurden. Einen akustischen Stolperstein hörten die Erkelenzer jetzt zudem von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang aus den Arkaden des Alten Rathauses. In einer Endlosschleife wurden die Namen von rund einhundert Erkelenzern verlesen, die dem Rassewahn der Nazis zum Opfer fielen. Die Aufnahmen stammen von Mitgliedern des Arbeitskreises und enthalten das Geburtsdatum, den Namen sowie den mutmaßlichen Todeszeitpunkt und –ort der Menschen.

„Die Leute sind oftmals erstaunt, wie viele Menschen aus Erkelenz deportiert wurden“, sagt Christoph Stolzenberger vom Arbeitskreis, der gemeinsam mit Hubert Rütten den akustischen Stolperstein begleitete, Broschüren verteilte und auch Fragen der Passanten beantwortete.Durch ständige Forschung kämen immer neue Namen längst vergessener Mitbürger dazu. „Wir werden die Aufnahme wohl wiederholen müssen“, sagt auch Rütten. Er hat das Thema der Deportationen und der Zerschlagung des jüdischen Lebens im ehemaligen Landkreis Erkelenz ausgiebig erforscht und ihm einen Band der Schriftenreihe des Heimatvereins gewidmet.

Die Reaktionen der Passanten seien zumeist positiv und waren es schon in den letzten Jahren, betonte er. Nur wenige beschweren sich, zum Beispiel über den „Lärm“ der Aktion oder darüber, dass das Thema schon wieder aufgewärmt wird. Dabei würde man es doch so gerne vergessen und einen Schlussstrich ziehen. „Deshalb ist es ja auch ein Stolperstein“, erklärt Stolzenberger. Die Menschen sollen für einen Moment aus ihrem Alltagstrott gebracht werden.

Die Verdrängung der Taten und der eigenen Schuld, die schon 1945 begann, bezeichnet er als „die zweite Schuld der Deutschen“. Der heutige Antisemitismus werde gerne als Antizionismus und Kritik an der Politik des Staates Israel getarnt. Doch seien es die ewigen alten Ideen in den Köpfen einiger Menschen, die Aktionen wie den akustischen Stolperstein notwendig machten.Vor allem das Engagement der Erkelenzer Schulen stimme zuversichtlich, meint auch Wilfried Mercks, der ebenfalls aktiv an der Route gegen das Vergessen mitgearbeitet hat.

So hat die Gemeinschaftshauptschule sich stark für die Stolpersteine in den Straßen der Stadt eingesetzt und pflegt den jüdischen Friedhof an der neusser Straße.Schüler der Europaschule haben zudem mit einem Geschichtsprojekt das Schicksal einer Jüdin aufgedeckt, die in Terheeg Zuflucht vor den Verfolgern gefunden hatte, bis auch sie festgenommen und deportiert wurde. Im Laufe des Tages kamen auch Schulklassen, um akustisch zu stolpern und sich zu informieren.

Wo Opfer sind, da sind auch Täter. Die Täter hätten noch jahrelang unbehelligt unter uns gelebt, Karneval gefeiert und seien Schützenkönig geworden, betonen die Verantwortlichen des Heimatvereins.Dabei hätten sicher auch die rund einhundert Erkelenzer, deren Namen man noch kenne und die wegen ihrer Abstammung verfolgt und getötet worden seien, gerne Karneval, Kirmes oder Schützenfest gefeiert. Zumindest gedenkt man ihrer in Erkelenz.

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