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Erfolg beim Husky-Rennen beginnt im Zwinger

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:
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Die quirlige Rasselband strotzt nur so vor Energie. Sechs der elf Siberian Huskys, die Iris Mauderer hält, bilden am Ende das Renngespann. Foto: Rainer Herwartz
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Das ist wahre Liebe: Iris Mauderer und ihr Leitrüde verstehen sich auch im Rennen auf bloßen Zuruf sofort.

Waldfeucht. Sie hat es doch tatsächlich schon wieder getan. In Unterjoch im Allgäu war Iris Mauderer erneut nicht zu schlagen und holte sich mit ihren Siberian Huskys den Deutschen Meistertitel im Schlittenhunderennen auf der Sprintstrecke. Der wievielte es ist? Kein Witz, sie weiß es nicht mehr. Nach dem achten habe sie aufgehört zu zählen, sagt die 42-Jährige, die mittlerweile in Waldfeucht lebt.

Die Leidenschaft für den Schlittenhunde-Sport hat sich bei Iris Mauderer schon als Kind entwickelt. Per Zufall. „Die Eltern hatten, als ich acht war, einen Husky gekauft als Familienhund.“ Wie so oft gerade bei dieser Hunderasse, hatten die Hundefreunde die Wesenszüge und Bedürfnisse der Huskys wohl ein wenig anders eingeschätzt. „Der hat randaliert, wenn er im Haus war. Dann wurde ein Zwinger gebaut – und da hat er dann geheult. Ein Züchter riet uns daraufhin, kauft euch doch noch einen zweiten, dann habt ihr Ruhe.“ Heute ist Iris Mauderer die Chefin von elf ausgewachsenen Huskys.

Der Züchter sei es auch gewesen, so Mauderer, der sie an den Schlitten-Rennsport herangeführt habe, weil er ihn selbst betrieb. Zunächst sei es jedoch ihre Mutter gewesen, die damals bei Aschaffenburg auf einen Trainingswagen gestiegen sei. „Wir haben den Sport sehr lange parallel ausgeübt, sie bei den Erwachsenen, ich bei den Kindern. Wie rasant die Entwicklung war, die die gebürtige Krefelderin allerdings nahm, kann wohl am besten ihr heutiger Lebensgefährte Wolfgang Petz beschreiben.

Unauslöschlich hat sich in die Erinnerung des 62-Jährigen gebrannt, wie er im Jahr 1990 von der damals 16-jährigen Göre wenige Meter vor dem Ziel noch um den Vize-Europameister-Titel gebracht wurde. Seit 29 Jahren gehört die sympathische 42-Jährige nun schon zur Weltspitze im Schlittenhundesport. Und 3000 Sportler gebe es allein in Deutschland, sagt Petz. Unzählige Titel hat sie errungen. Auch Vize-Weltmeisterin war sie schon.

„Der Aufwand ist professionell, aber man kann nicht davon leben“, sagt Iris Mauderer. Deshalb arbeitet sie auch heute noch als Fitnessfachwirtin in Krefeld. Fast jedes Wochenende fährt sie mit ihren Hunden zum Training bis in die Alpen und zurück. Zuhause im schneearmen Waldfeucht werden sechs der lauffreudigen Vierbeiner zum Training vor ein 400 Kilo schweres Quad gespannt.

Für die rund 25 Kilo schweren Hunde, die problemlos das Sieben- bis Zehnfache ihres Körpergewichts ziehen können, kein großes Ding. Im Wettkampf selbst fliegen die Huskys mit dem nur elf Kilo schweren Schlitten und der zierlichen Fahrerin dann geradezu über die Piste. 24 Kilometer seien im Sprint zu absolvieren. In etwa 20 Minuten sei das Spektakel schon vorüber, erläutert Iris Mauderer.

Doch warum ist die frisch gebackene Deutsche Meisterin, die sich schon auf die WM in Thüringen und die EM in Norwegen freut, nur so erfolgreich? Wie schafft sie es bloß, über all die Jahre eine so konstant hohe Leistung zu erbringen? Wolfgang Petz versucht eine Antwort: „Iris hat ein unglaubliches Gespür für Tiere, daraus resultiert ein erstklassiges Handling mit den Tieren. Sie führt schon die Welpen spielerisch an die spätere Aufgabe heran. 50 Prozent eines erfolgreichen Hundes werden in den ersten sechs Monaten angelegt. Ein Rennen wird zu 50 Prozent im Zwinger gewonnen“, glaubt er.

Ihr gutes Händchen hat die gelernte Tierarzthelferin auch schon bei kleineren Vierbeinern bewiesen, denn viele Jahre betrieb sie nebenher mit Begeisterung eine Auswilderungsstation für Eichhörnchen in Wassenberg. Die „guten Gene“ im Umgang mit den Hunden scheinen sich vererbt zu haben, denn der 18-jährige Sohn Philip ist bereits in die Fußstapfen seiner Mutter gestiegen, hat schon mehrere Deutsche Meistertitel, eine Jugendweltmeisterschaft und eine Europameisterschaft bei den Erwachsenen gewonnen.

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