Eltern sollen erwachsene Tochter gefangen gehalten haben

Von: Markus Peters, ddp
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Mönchengladbach/Hückelhoven. Ein Jahr lang hat Jomana F. ihre Liebe vor den Eltern geheim halten können, dann wurde die junge Frau schwanger. Was danach geschah, beschäftigt ab Dienstag (13. Juli, 9.15 Uhr) das Landgericht in Mönchengladbach.

Dort müssen sich die Eltern von Jomana F. vor der 1. Großen Strafkammer verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft den Eheleuten aus Hückelhoven Nötigung, Freiheitsberaubung und gefährliche Körperverletzung vor. Das Opfer war laut Anklageschrift die eigene Tochter.

Hamdine und Mariam F. sind deutsche Staatsbürger, stammen aber aus dem libanesischen Beirut. Gemeinsam haben sie neun Kinder. Im Oktober 2008 sollen sie von der geheimen Liebe ihrer heute 26 Jahre alten Tochter und von deren Schwangerschaft erfahren haben. Laut Staatsanwaltschaft sahen die Eheleute die Familienehre verletzt, auch hatten sie für ihre Tochter bereits einen Ehemann im Libanon ausgesucht.

Zunächst wurde dem arabischen Freund der Tochter Geld für das Ende der Beziehung geboten. Als dieser sich weigerte, sei er mit dem Tod bedroht worden. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Eltern ihre Tochter dann ab Mitte Oktober 2008 in der elterlichen Wohnung einsperrten. Bei ihrem Arbeitgeber war die junge Frau als krank oder in Urlaub befindlich gemeldet worden. Pass, EC-Karte und das Mobiltelefon der Tochter hatten die Eltern an sich genommen. Auch sei die junge Frau wiederholt geschlagen worden. Im gleichen Monat sei sie zu einem Schwangerschaftsabbruch in den Niederlanden gezwungen worden.

Erst November 2008 konnte sich Jomana F. mit Hilfe ihres Freundes befreien, der die Polizei eingeschaltet hatte. Bald darauf erreichte sie der Anruf ihres Vaters, der behauptete, die Mutter läge im Koma. Jomana F. kehrte daraufhin in ihr Elternhaus zurück, wo sie erneut wochenlang festgehalten und wiederholt misshandelt worden sein soll. Erst Anfang März 2009 ließen die Angeklagten ihre Tochter wieder aus der Wohnung und ihrer Arbeit nachgehen.

Schließlich setzte sich die junge Frau mit ihrem Freund nach Süddeutschland ab. Dort erschienen die Eltern im April vergangenen Jahres, um ihre Tochter erneut zum Mitkommen zu zwingen. Diesmal konnte die junge Frau zuvor die Polizei verständigen.

Das Verfahren war im März zunächst vor dem Schöffengericht eröffnet worden. Nach Angaben eines Gerichtssprechers hatte sich dort nach den ersten Zeugenvernehmungen herausgestellt, dass den Eltern auch eine Verurteilung wegen Geiselnahme drohen könnte. Dafür reicht der Strafrahmen des Schöffengerichts nicht mehr aus, deshalb wurde das Verfahren an das Landgericht abgegeben.

Schon vor dem Schöffengericht hatte die Tochter die Aussage verweigert, weil es sich bei den Angeklagten um ihre Eltern handelt. Die junge Frau ist schwanger und lebt an einem geheimen Ort. Sie wurde nicht als Zeugin geladen. „Wir gehen von einer nach wie vor bestehenden Gefährdungslage aus”, betonte der Gerichtssprecher.

In der Hauptverhandlung werden also vor allem die ermittelnden Polizeibeamten und der Freund des Opfers zu Wort kommen. Er hatte vor dem Schöffengericht die Darstellung der Anklageschrift im Wesentlichen bestätigt. Ihm gegenüber, aber auch gegenüber der Polizei hatte die Frau die Angst vor ihren Eltern gestanden. So hätten diese bereits einen Arzt gesucht, um die Jungfräulichkeit ihrer Tochter chirurgisch wieder herstellen zu lassen.

Auch vor dem Schöffengericht hatten die Eltern bestätigt, dass sie vehement gegen die Beziehung ihrer Tochter waren. Gleichzeitig betonten sie, dass sie sich zur Unrecht angeklagt fühlten.
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