Heinsberg - Eltern planen jetzt auch einen Protestzug

Eltern planen jetzt auch einen Protestzug

Von: Anna Petra Thomas und Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:
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Die Kempener haben für die Demo schon ein großes Transparent gemalt, das Natascha Scherrers (li.) und Heike Domsel vorstellten.
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Das Unterbrucher Banner, das an den Ortseingängen hängt, präsentieren Ramona Heffels, André Esser, Jutta Formella und Elke van Hengel (von links).

Heinsberg. Beide Schulkonferenzen, die der Grundschulstandorte Kempen und Unterbruch, haben sich einstimmig gegen die von der Stadt im Rahmen der Agenda 2025 geplante Schließung ihrer Grundschulstandorte entschieden. Mehr noch, Eltefrn von möglicherweise betroffenen Kindern formulieren jetzt lautstark ihren Protest gegen die Pläne der Stadt.

Die Unterbrucher haben Plakate entwickelt. „Kurze Beine – lange Wege. Agenda 2025 auf dem Rücken unserer Kinder?“ steht darauf. Sie sollen jetzt überall, wo möglich, befestigt werden, „in Fenstern, auf Autoscheiben und an Zäunen“, sagt Elke van Hengel. Großformatige Banner mit dem gleichen Motiv haben Eltern an den drei Eingängen ihres Dorfes bereits angebracht. Für den ihnen mitgeteilten Termin der nächsten Sitzung des Schul- und Kulturausschusses am Donnerstag, 3. Dezember, haben sie bei der Polizei eine Demonstration angemeldet.

Zu Fuß wollen sie mit ihren Kindern von Unterbruch nach Heinsberg gehen und an der Sitzung als Zuhörer teilnehmen. Kempener Eltern planen derzeit ebenfalls eine Demonstration und wollen nach einem Treffen mit den Unterbruchern gemeinsam gen Rathaus ziehen. „Stirbt die Schule, stirbt das Dorf“, heißt es auf einem Protest-Banner.

Die Unterbrucher Eltern, die zur jüngsten Versammlung in die Bürgerhalle gekommen waren, bemängeln auch nach Gesprächen mit Vertretern der Parteien vor allem die fehlende Transparenz in Bezug auf belastbare Zahlen für alle Grundschulen in der Stadt. Diese würden ihnen von der Stadt verweigert. Zudem habe man in Gesprächen mit Politikern unterschiedlicher Fraktionen festgestellt, dass allen unterschiedliche Zahlen in Bezug auf die Heinsberger Grundschulen vorlägen, erklärte van Hengel.

„Wenn die Stadt uns wirklich anhand von Zahlen nachweisen könnte, dass die Schließung von Unterbruch wirtschaftlich der sinnvollste Weg wäre, würden wir nicht mehr schreien“, betonte André Esser. Wenn er alle Zahlen, über die er derzeit für Unterbruch verfüge, zusammenfüge, ergebe eine Schließung des Standorts unter finanziellen Gesichtspunkten keinen Sinn. Bemängelt wurde von den Versammlungsteilnehmern auch ein fehlendes Konzept für die Entwicklung der Schulen.

„Eigentlich waren wir viel zu lange ruhig“, erklärte Esser bei einem zweiten Treffen gemeinsam mit Kempener Eltern. „Aber wir sind doch immer davon ausgegangen, dass es ein schlüssiges Konzept gibt“, sagte Heike Domsel aus Kempener Sicht. Erst die Informationsveranstaltung mit dem Bürgermeister habe auch ihr die Augen geöffnet. Sie sei mit mehr Fragen als Antworten nach Hause gegangen.

Was den immer wieder als Argument angeführten sogenannten Flächenüberhang betreffe, so sei darin der Flächenbedarf für die Offene Ganztagsschule (OGS) gar nicht berücksichtigt. Daher würden die Räume in Karken inklusive OGS gar nicht ausreichen. Dort müssten dann für die OGS Container aufgestellt werden. Alleine deren Aufbau würde 180.000 Euro kosten.

Umfangreiche Prüfung

Auch die Kosten für den Abriss des Gebäudes in Kempen würden höher sein als der Preis, der danach für einen Grundstücksverkauf erzielt werden könne. „Auch die Buskosten werden höher ausfallen als die Kosten für den Unterhalt der Schule“, betonte Domsel. Die Schließung von Schulstandorten aufgrund wirtschaftlicher Interessen bedürfe zunächst einer alle Schule vergleichenden, umfangreichen Prüfung. Genau diese vermissen die Eltern in Kempen.

Allein bis Ende kommenden Jahres würden in Nordrhein-Westfalen rund 90.000 schulpflichtige Flüchtlingskinder erwartet. Die Zahl für Heinsberg lasse sich sicherlich noch nicht absehen, doch sei es sicher fatal, in dieser Situation Kinder mit geringen Sprachkenntnissen auf wenige Schulen zu verteilen.

In diesem Zusammenhang machten die Unterbrucher Elternvertreter deutlich, dass bei einem Umzug der Unterbrucher zusammen mit der Heinsberger Sonnenscheinschule in das ehemalige Hauptschulgebäude Raumnot denkbar sei. Schon jetzt sei klar, dass für eine geplante zweite internationale Vorbereitungsklasse dann in der fusionierten Schule gar kein Platz mehr sei.

Offen sprechen die Kempener auch den pädagogischen Vorteil ihrer Schule an. Derzeit seien 19 von 82 Kindern und deren Familien dem Jugendamt bekannt. Kinder mit „Problemen“ bräuchten keine wöchentliche Therapiesitzung, sondern intakte, soziale Strukturen und einen Ort, an dem diese im täglichen Miteinander gelebt würden. „Kempen ist ein solcher Ort“, so Domsel. „Und unsere Kinder sind es wert, dass Geld in sie investiert wird!“

Einen Rückschlag müssen die Unterbrucher allerdings schon jetzt verkraften. Es wird wohl keine Wiederholung des Anmeldeverfahrens für Grundschulen geben, wie Dr. Frank Schafranek, Vorsitzender Richter am Verwaltungsgericht Aachen, Dienstag mitteilte. Zu dieser Einschätzung ist die 9. Kammer in ihrem Beschluss vom 23. November gekommen und hat den Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung abgelehnt. Unterbrucher Eltern hatten für ihre fünfjährige Tochter diesen Weg beschritten.

Eine Wiederholung des Anmeldeverfahrens ohne Hinweis auf die beabsichtigte Schließung des Schulstandortes Unterbruch dürfte nicht erforderlich sein, hieß es. Spätestens seit der Berichterstattung der Heinsberger Zeitung vom 29. September („Eltern wehren sich gegen Schulschließung“) dürfe allgemein bekannt sein, dass die Fortführung des Schulstandortes überprüft werde. Es fehle für eine einstweilige Anordnung an einem Anordnungsgrund, „weil nicht ersichtlich sei, dass der Antragstellerin ohne sofortige Entscheidung des Gerichts unzumutbare Nachteile drohen würden“.

Der Schulweg zum Grundschulstandort an der Westpromenade sei bei Ausnutzung der günstigsten Verkehrsverbindungen zumutbar. Die Stadt habe dargelegt, dass der Schulweg bei Ausnutzung der günstigsten Verkehrsverbindungen jedenfalls ab Beginn des kommenden Schuljahres für die Hin- und Rückfahrt insgesamt nicht mehr als eine Stunde in Anspruch nehme. Darüber hinaus seien auch die Wartezeiten zumutbar.

Gegen den Beschluss kann Beschwerde eingelegt werden, über die das Oberverwaltungsgericht in Münster entscheidet.

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