Elmar Theveßen: Wie der IS-Terror zu stoppen ist

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Kampf der Kulturen oder tödliche Strategie der Islamisten? Elmar Theveßen referierte zum Thema in der Buchhandlung Wild in Erkelenz. Foto: Mengel-Driefert

Erkelenz. Islamistischer Terror, IS und Rechtspopulismus. Steht uns ein Kampf der Kulturen bevor? Elmar Theveßen, Autor und stellvertretender Chefredakteur des ZDF, referierte in der Buchhandlung Wild in Erkelenz zum Thema „Die tödliche Strategie der Islamisten oder ein Kampf der Kulturen?“.

Islamisten und Islamhasser sprechen von einem Kampf der Kulturen, startete Theveßen seinen Vortrag. Denn: Beide Gruppen profitierten davon. Sie sind extremistisch und gewaltbereit, gewinnen mit dem prophezeiten Kampf Anhänger. In der Realität erleben wir aber Terror und Fluchtbewegungen, deren Ursachen Theveßen in den Nebenwirkungen der Globalisierung sieht.

Theveßen, der im ZDF als Terrorexperte auftritt, zeigt drastische Bilder von menschlichem Leid in Aleppo und anderswo, sagt, die Zustände seien apokalyptisch und die größte Triebfeder der Geflüchteten. Auch wirtschaftliche Gründe bewegten die Menschen aufzubrechen. Die Ursachen habe der Westen mit verursacht.

Die Täter der Terroranschläge des Islamischen Staates sind zum großen Teil im Westen aufgewachsen, in der Gesellschaft, die sie in Angst und Schrecken versetzen und damit zwei Signale transportieren: Der Krieg gegen Westeuropa ist eröffnet. Und: Es kann jeden treffen. Sie radikalisierten sich in Europa, hatten wenig mit dem Islam zu tun, waren Verlierer der Gesellschaft. „Sie haben gekifft, gesoffen, geklaut, Körperverletzungen begangen, waren Verbrecher, nichts anderes“, betonte Theveßen und stellte die rhetorische Frage: „Warum sind gerade sie für den IS anfällig?“

Der Autor erklärte die Zusammenhänge von Wahabismus und Salafismus, sprach über den weltweiten Einfluss der saudischen Staatsreligion, dem Wahabismus, einer extrem konservativen Richtung des sunnitischen Islams und meint: „Es hat mit dem Original-Islam nicht mehr viel zu tun.“ Die Lehre beziehe sich auf Fußnoten der Koranauslegung im 12./13. Jahrhundert und besage, wo Muslime ihre Ehre, ihre Macht und ihr Land verlieren, müsse gekämpft werden.

Dieser Auslegung bedienen sich auch die Salafisten. Die Saudis investierten Millionen Dollar in die Ausbreitung, finanzieren arabische Kultureinrichtungen in Europa. „Erst wenn wir diese Gruppe in‘s Visier nehmen und wirtschaftlich sanktionieren, erst dann wird der Nährboden entzogen.“

Wann verlieren Muslime ihre Ehre, Macht und Land? Eine Rolle spiele die persönliche Wahrnehmung der eigenen Benachteiligung in der Gesellschaft und die Doppelmoral des Westens, deren Ideale nur vermeintlich Freiheit und Gerechtigkeit seien, sagt Theveßen. Die Täter sind meist Loser der eigenen Gesellschaft, die Orientierung und Stabilität suchten, daher empfänglich für die Ideologie des IS seien, unterstützt von der Präsenz in den sozialen Medien und der Möglichkeit, Kontakt zu den Helden auf den Schlachtfeldern aufzunehmen.

Der IS habe das Ziel, die muslimische Minderheit von der Mehrheitsgesellschaft zu entfremden. Auch die Rechtextremisten fänden das gut. Je stärker die Islamisten werden, desto größer wird der Zulauf der Rechten und umgekehrt.

Der Kampf der Kulturen falle jedoch aus, wenn Prävention betrieben werde, so Theveßens These. „Wenn wir billigen Wohnraum bieten, Abstand von Ghettos nehmen, Perspektiven schaffen, Begegnungsplätze, Schulen in Brennpunkten besonders gut ausstatten“.

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