Erkelenz-Lövenich - „electronic Tiefengrund“ sorgt für weltweites Aufsehen

„electronic Tiefengrund“ sorgt für weltweites Aufsehen

Von: Helmut Wichlatz
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„Electronic Tiefengrund“ heißt das Projekt, mit dem Michael und Silvia Kempe derzeit in Fachkreisen für Aufsehen sorgen.

Erkelenz-Lövenich. Endlose sphärische Klänge zwischen Fahrstuhlmusik, Klangreise und Miami Vice entstehen derzeit im Erkelenzer Ortsteil Lövenich und finden weltweit Zuhörer.

„electronic Tiefengrund“ heißt das Projekt, mit dem Silvia und Michael Kempe derzeit in Fachkreisen für Aufsehen sorgen. Denn sie produzieren analog hergestellte elektronische Musik und treten damit in die Fußstapfen bekannter Musiker wie „Tangerine Dream“, Klaus Schulze oder den frühen „Kraftwerk“.

Weltweite Fangemeinde

Bislang haben sie Videos ihrer Stücke im Internet veröffentlicht, die weltweit in der Fangemeinde dieses Musikstils großen Anklang fanden. Nun ist ihr erstes, viel beachtetes Album „Voltage Sessions“ auf dem Label „SynGate Records“ erschienen.

Die Musik der sogenannten Berliner Schule kam aus der Mode, als die ersten Computer in den Studios Einzug hielten und die alte analoge Technik verdrängten. Doch noch heute hat sie weltweit ihre Fans. Dabei liegt ein Teil der Faszination in der analogen Technik selbst, denn bevor Musik gemacht werden kann, müssen Kabel gezogen und wie bei einem Setzkasten gestöpselt werden.

„Die Technik ist alt, doch die Geräte sind neu“, erklärt Michael Kempe. „Durch Verkabelung der einzelnen Module entstehen die Instrumente.“ Was der Soundtüftler als Instrument bezeichnet, ist für den Laien auf den ersten Blick nur eine Schaltwand mit vielen Kabeln daran. Doch selbst wenn er die Funktionsweise erklärt, gelangt man schnell an die Grenzen der Auffassungsgabe – außer man ist ein technikaffiner Nerd und weiß, was mit „Sequenzer“, „Rompler“ oder „LFO-Filter“ gemeint ist.

Die Töne werden dabei letztendlich durch die Veränderung der Spannung zwischen den Geräten produziert. Das ergibt den typischen sphärischen Klang, den man dann als „Patch“ bezeichnet. Was sehr technisch und kalt klingt, hat für geübte Ohren aber im Gegensatz zu digital erzeugter elektronischer Musik eine besondere Wärme.

Bei analogen Synthesizern ist der Sound nicht speicherbar. Gemixt wird der Sound deshalb, während er entsteht. Bei der Speicherung kommt dann doch der Computer zum Einsatz, um das Ergebnis der wochenlangen Tüftelei für die Hörer zu konservieren. „Konsequenterweise müsste man den Sound mit einem Tonbandgerät aufnehmen und dann auf Vinyl zu pressen“, erklärt Silvia Kempe, die bei „e-Tiefengrund“ für den Rhythmus zuständig ist. Dazu „triggert“ sie mit ihrem Drumset einen analogen Drumsynthesizer, was in der Szene nach ihrer Aussage bislang einzigartig ist.

So schwer wie sich die Entstehung der Musik beschreiben und in verständliche Worte fassen lässt, so eingängig sind die Klangteppiche und Melodien, die dabei entstehen. Die Stücke dauern bis zu 20 Minuten und können so, wie sie einmal aufgenommen wurden, nicht mehr reproduziert werden.

„Wenn wir anfangen, wissen wir nicht, wohin die Reise geht“, erklärt Michael Kempe das kreative Prinzip der Arbeit. „Die Entstehung eines Sounds lässt sich am besten mit der Vorbereitung auf eine Reise in ferne Länder vergleichen. Da weiß man auch nicht, was auf der Reise alles passiert.“ Das ist es wohl auch, was die Faszination der analogen elektronischen Musik ausmacht. Eine Musik, zu der man herrlich Fenster putzen oder staubsaugen kann, weil sie einen mitnimmt und trägt, ohne dabei aufdringlich zu sein.

Auch wenn das Album „Voltage Sessions“ weltweit vertrieben wird, rechnen die beiden Musiker nicht mit sehr hohen Verkaufszahlen. „Dazu ist die Szene der Technikenthusiasten einfach zu klein“, betont Silvia Kempe.

Probleme würde es auch bei Liveauftritten geben, denn die benötigten Geräte und ihre Taktung müsste aufwändig eingestellt werden. Auf der Bühne sind „Tiefengrund“ zusammen mit den beiden Künstlern Norbert Kostka und Antje Vonderheide und einem anderen musikalischen Repertoire regelmäßig zu sehen - unter anderem beim nächsten Kunstlabor-Event Ende Juli auf der Erkelenzer Burg.

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