Eine neue Straße, die vieles verändert

Von: Daniel Gerhards
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Wassenberg. Es ist eine Frage, mit der sich derzeit viele kleine und mittlere Städte herumplagen: Wie lässt sich die Innenstadt vor dem Veröden bewahren? Immer mehr Geschäfte schließen, immer mehr Ladenlokale stehen leer, immer weiter schwindet die Hoffnung, dass sich diese Entwicklung noch einmal umkehren lässt.

Der Plan, der helfen soll, Wassenbergs Zentrum zu beleben, sieht so aus: Wenn die B221n als Ortsumgehung für Wassenberg im Jahr 2018 fertig ist, dann soll die Graf-Gerhard-Straße zu neuer Blüte gewachsen sein. Ein Umbau soll die Straße, die direkt durch den Ortskern führt, attraktiver machen, die Aufenthaltsqualität steigern. In die leerstehenden Ladenlokale sollen Künstler einziehen.

Dieses Konzept steht im Raum, weil Bürgermeister Manfred Winkens nicht daran glaubt, dass dort noch einmal neue Geschäft öffnen. Zu nah ist Hückelhoven mit seinen vielen großen Fachmärkten. Zu nah ist auch das Factory-Outlet-Center in Roermond, wo es Markenartikel zu reduzierten Preisen gibt. Und zu stark ist die Konkurrenz aus dem Internet.

Wichtig in Sachen Straßenbau ist, dass die Prozesse parallel verlaufen. Die Verwaltung wolle nicht abwarten, bis die B221n fertig ist, um dann erst mit der Umgestaltung der Innenstadt zu beginnen. Deshalb solle die Graf-Gerhard-Straße schon im kommenden Jahr umgebaut werden. „Die Leute haben 40 Jahre lang auf die neue Straße gewartet. Wenn die B221n fertig ist, darf das nicht bedeuten, dass alle Autos an Wassenberg vorbeifahren“, sagt Winkens. Dann wäre die Innenstadt mausetot.

Deshalb argumentiert Winkens wie folgt: Der Kanal unter der Straße müsse ohnehin saniert werden. Dann könne man die Straße auch gleich komplett umbauen. Die Fahrbahn zweimal aufzureißen, sei ja wohl vollkommen unvernünftig.

Die Pläne sehen vor, die Fahrbahn schmaler und nur noch in Richtung Restaurant Alt Wassenberg befahrbar zu machen. Auch breitere Bürgersteige mit ausreichend Platz für Tische, Stühle und Grünflächen sind vorgesehen. Die Pläne basieren auf einem integrierten Handlungskonzept des Aachener Büros MWM, das derzeit überarbeitet wird. Winkens habe bereits Termine bei der Bezirksregierung und beim Landesbetrieb Straßenbau NRW vereinbart, um letzte Details abzustimmen. Denn eigentlich darf die Stadt erst an die Graf-Gerhard-Straße ran, wenn die Ortsumgehung fertig ist. Winkens ist aber optimistisch, dass die übergeordneten Behörden seinen Plänen nicht im Wege stehen werden.

 

So oder so: In der Bauphase erwarte die verbliebenen Einzelhändler und Gastronomen noch einmal eine Durststrecke, sagt Winkens. Aber da müsse man eben durch, wenn man eine attraktive Innenstadt haben möchte.

Nun füllt eine schöne Straße die leerstehenden Ladenlokale nicht im Alleingang auf. Deshalb hat die Verwaltung die Initiative ergriffen: „Wir haben alle Eigentümer von Leerständen in der Innenstadt angeschrieben und dann noch einmal persönlich Kontakt aufgenommen“, sagt Winkens. Das hat bereits für Bewegung gesorgt. Von den etwa zehn Leerständen könnten bald nur noch fünf übrig sein. In einem Fall hat die Stadt die Räume angemietet, bei zwei weiteren Objekten verhandele man über ein Mietverhältnis. Ein weiteres Gebäude sei an eine Privatperson verkauft worden. Und ein Haus hat die Stadt Wassenberg gleich selbst gekauft. Es handelt sich um das „älteste Haus Wassenbergs“, ein weißes Gebäude an der Graf-Gerhard-Straße (Hausnummer 12).

An das schmucke, alte Gemäuer könnte sich zum Beispiel ein Skulpturenpark anschließen. Auch in die anderen leerstehenden Gebäude könnten Künstler einziehen. Die ehemaligen Geschäfte könnten für sie Atelier oder Ausstellungsraum sein. Dieser Vorschlag geht auf eine Idee des „Initiativkreises Innenstadtbelebung durch Kunst in Wassenberg“ zurück. Demnach könnte die Stadt die Räume mieten und sie den Künstlern für einen symbolischen Betrag zur Verfügung stellen. Die Idee scheint bei Verwaltung und Kunstschaffenden auf Gegenliebe zu stoßen: „Wir haben Künstler satt, die interessiert sind und die auch attraktive Ausstellungsstücke haben“, sagt Winkens.

Das passt zur neuen Ausrichtung der Stadt auf Gastronomie und Tourismus. Wenn die Leute schon nicht zum Einkaufen nach Wassenberg kommen, dann doch bitte zum Vergnügen. Gutes Essen, Erholungswert und Kultur – darauf will die Stadt in Zukunft setzen.

Treffpunkt Abendmarkt

Bürgermeister Winkens möchte deshalb auch mit zusätzlichen Veranstaltungen in die Stadt locken. Er möchte zum Beispiel einen Abendmarkt etablieren. Dort soll es besonders ums Essen und Trinken gehen. Natürlich könne es dabei auch Händler geben, die ihre Waren anbieten, aber er solle eben kein Wochenmarkt werden. Eher ein Treffpunkt. Auch größere Antikmärkte in der Innenstadt kann Winkens sich vorstellen.

Die Chance, die der Bau der B221n bietet, hat in Wassenberg offensichtlich schon einiges bewegt: Es gibt eine große Offenheit für Neues, die Verantwortlichen schauen sich andere Städte an, um von ihnen zu lernen, und sie nehmen Ideen aus ihrer eigenen Stadt auf. Auch ein Papier zweier Marketingstudentinnen soll neue Denkanstöße geben.

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