Eine Liebeserklärung für die neue Heimat

Von: hewi
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Der Chor Rjabinuschka hat auch nach 20 Jahren nichts von seiner Begeisterung und Ausstrahlung verloren. Beim Jubiläumskonzert des Chores, der im Übergangsheim Bauxhof gegründet wurde, feierten vielen mit in der proppenvollen Erkelenzer Stadthalle. Foto: Passage

Erkelenz. Vor 20 Jahren gründeten die frisch aus Russland angekommenen Aussiedlerinnen den Chor Rjabinuschka. Anfangs sang man sicher noch gegen das Heimweh an, doch im Laufe der Jahre ist der Chor zu einem festen Bestandteil des musikalischen Lebens in Erkelenz geworden.

Dementsprechend kamen die Zuhörer in Scharen, als der Chor der Russlanddeutschen am Samstag in der Stadthalle unter dem Motto „Freundschaft und Musik kennen keine Grenzen“ mit einem großen Konzert seinen 20. Geburtstag feierte. Acht weitere Chöre waren gekommen, um mit den Sängerinnen ihr Jubiläum zu feiern.

Dass die Aussiedler auch in den Herzen in Erkelenz angekommen sind, zeigten sie in einem eigens für ihre Heimatstadt geschriebenen Lied nach einer Walzermelodie des russischen Komponisten Dimitri Schostakowski.

In russischer und deutscher Sprache sangen sie die Liebeserklärung an „Mein Erkelenz“, in der es heißt „Ich gehe gerne durch die Straßen, du bist mein Zuhause, ich genieße deine Blumen und Felder, meine Stadt ist und bleibt wunderschön“.

Zum Beginn des Konzertes erklärte Bürgermeister Peter Jansen, dass anfangs auf beiden Seiten viel Unsicherheit bestanden hatte, als 1992 rund 2700 Spätaussiedler in Erkelenz ankamen.

Die Sängerinnen von Rjabinuschka hätten mit Musik Brücken gebaut und schnell Freunde gefunden. Mit Einsatz und Tatendrang seien sie vorangegangen und hätten sich ihren Platz in Erkelenz erobert.

Auch im Stadtmusikbund sind zwei der Sängerinnen im Vorstand aktiv. Die Vorsitzende Karin Heinze sprach von einer wertvollen Bereicherung der musikalischen Landschaft in Erkelenz und wünschte den Sängerin „stets ein schönes Lied auf den Lippen“. Wie sich die schönen Lieder auf Russisch anhören, zeigten die 18 Sängerinnen gleich im Anschluss. Die Musik, der Gesang und auch die Texte waren Belege einer großen Lebensfreude, sangen sie doch Zeilen wie „Liebe das Leben und das Leben liebt dich“.

Der Name Rjabinuschka bedeutet Eberesche, die in Russland als Symbol für Liebe und Treue steht. Die Frauen entstammen alle den deutschstämmigen Familien, die schon seit Jahrhunderten an der Wolga gesiedelt hatten und dort kurz nach der Revolution auch eine eigene Wolgarepublik hatten. Unter Stalin wurden die Deutschen dann jedoch umgesiedelt und durften ihre angestammte Heimat nicht mehr betreten. Der Chor probt dienstags unter der Leitung von Nadeshda Reder im evangelischen Gemeindezentrum.

Margarete Fügener betreute die Aussiedler am Bauxhof rund 16 Jahre lang. Rückblickend ist sie sich sicher, dass der Chor sehr zur Integration und zum gegenseitigen Verständnis beigetragen hat. „Die Frauen lernten schnell deutsch und knüpften Kontakte zu den Einheimischen“, erinnert sie sich.

Von einem „Ghetto“, das anfangs befürchtet wurde, will Fügener nichts wissen. „Die Ballung an Aussiedlern war vor allem am Anfang wichtig“, betont sie. „Die Menschen hatten gleiche Erfahrungen und auch Ängste und konnten sich gegenseitig helfen.“ Mittlerweile sind die Aussiedler längst in Erkelenz angekommen und betrachten die Stadt als ihre neue Heimat.

Auch nach der Auflösung des Bauxhofes im Jahre 2008 blieben die meisten ehemaligen Bewohner in Erkelenz. „Der Zusammenhalt ist immer noch gegeben“, weiß sie. Bei regelmäßigen Treffen und Ausflügen kommt man zusammen, um zu feiern und sich an die Anfangszeit zu erinnern. „Die Integration ist auch dank der Offenheit gelungen, mit der die Erkelenzer den Aussiedlern begegnet sind." Die Ansiedlung der zu Spitzenzeiten rund 1100 Aussiedler am Bauxhof bezeichnet sie als mutigen Schritt der Stadt.

Im Foyer der Aula präsentierte die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland eine Ausstellung über die wechselhafte Geschichte und die Aussiedlung der deutschstämmigen Bewohner der Region entlang der Wolga. Gesungen und gefeiert wurde bis in den späten Abend.

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