Eine „hässliche Ecke“ soll zur runden Sache werden

Von: Rainer Herwartz
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Die Animation zeigt das fertiggestellte Gebäude aus Sicht der Begegnungsstätte. Foto: Architekten Döring, Dahmen und Joerissen
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Der Durchgang zur Patersgasse, wie er derzeit verläuft, bleibt bestehen. Foto: Rainer Herwartz
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Das alte Gebäude an der Ecke zum Rathausplatz, in dem viele Jahre ein Geschäft für Modellbau beheimatet war...
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...wird nach seinem Umbau in den neuen Komplex integriert (das weiße Gebäude in der Animation).

Heinsberg. Die zwölf Luxuswohnungen an der Franz-Eifler-Straße in Heinsberg sollten sein „ultimativ letztes“ Bauprojekt sein. So hatte Paul Josef Schmitz noch im Januar letzten Jahres erklärt. Schlusspunkt eines bewegten und spannenden Lebens als Heinsberger „Bau-Löwe“, der quasi aus dem Dickicht heraus, ohne großes Aufsehen unzählige Immobilien aus dem Boden wachsen ließ.

Besonders der Gewerbebau hatte es ihm angetan. Auf diesem Weg holte er nach eigenem Bekunden Reifen Lennartz nach Heinsberg, ebenso wie Reifen Casteel, Schuh Siemes, das Schaffrath Wohnkaufhaus und das Schaffrath Küchenzentrum, Carglass, Würth-Baubedarf, die Easy-Apotheke und den TÜV – rund 15 Firmen als Erstgründung. Sollte der alte „Löwe“ etwa müde geworden sein? So schien es.

Aber nicht lange. Denn der mittlerweile 74-Jährige kann das „Mausen“ – pardon Bauen – einfach nicht lassen. Sein neuestes Projekt, das er gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Jochen Versin realisiert, umfasst nicht nur eine Zwei-Millionen-Euro-Investition, sondern lässt auch noch Geld in die Kasse der Stadt sprudeln. Denn der neue Wohn-, Büro- und Geschäftskomplex entsteht auf einem Teil des Rathausvorplatzes.

Die geplante Baumaßnahme solle eine dauerhafte städtebauliche Verbesserung im Stadtkern von Heinsberg darstellen, erläutert Versin. „Um den Rathausplatz nach Süden hin zu fassen, ist ein viergeschossiger Neubau geplant. Der Baukörper hat eine Tiefe von 9,5 Metern im Obergeschoss und steht dem Rathaus nahezu orthogonal gegenüber. Es entsteht damit ein rechteckiger Platz, der von annähernd gleich großen Gebäuden begrenzt und vom Rathaus überragt wird.“ Das Bestandsgebäude Apfelstraße 76 werde an die Höhe des Nachbargebäudes 78 angepasst. Die Stadt hat sich zu diesem Zweck von einer 235 Quadratmeter großen Fläche des Rathausplatzes getrennt.

„Bei den Überlegungen zur Neunutzung entstand in Gesprächen mit der Stadt die Idee, durch die Beseitigung der hässlichen Ecke hin zur Apfelstraße eine städtebauliche Aufwertung zu erzielen,“ sagt Versin. „Als ich meinen Schwiegervater fragte, ob er bei dem Projekt mitmachen wolle, hat es keine drei Sekunden gedauert . . .“ Ja, ja. Da widerspricht Paul Josef Schmitz denn auch nicht. „Ich hatte stets nur zwei Leidenschaften“, meint er fast schon entschuldigend, „die Homöopathie und das Bauen. Mich hat gereizt, das Stiefkind Apfelstraße aufzuwerten, weil ich hier schließlich im elterlichen Haus meine Kindheit und Jugend verbracht habe.“

Heinsbergs Bürgermeister Wolfgang Dieder ist froh über diese Initiative, obgleich er sich zunächst ein wenig gewundert habe, wie er gegenüber unserer Zeitung erklärt. „Für mich war es überraschend, dass jemand kommt, und eine Ecke vom Rathausplatz haben wollte.“ Doch ihm sei schnell klar geworden, dass dies eine runde Sache und Gewinn für die Innenstadt sein würde. Auch der Rat schloss sich dieser Sicht in nicht-öffentlicher Sitzung an, denn die Mitglieder votierten laut Dieder einstimmig für den Verkauf. Wie viel Geld ins Stadtsäckel geflossen ist, wollte Dieder nicht verraten, nur so viel: „Es ist für beide Seiten ein fairer Preis erzielt worden.“

Aus einem kleinen Architektenwettbewerb zur Umsetzung des Gebäudes ging das Düsseldorfer Büro Döring, Dahmen und Joerissen als Sieger hervor. „Professor Döring hatte früher einen Lehrstuhl an der RWTH Aachen, wo viele international bekannte Architekten studierten“, sagt Schmitz.

Das Erdgeschoss soll nun auf 145 Quadratmetern Raum für ein bis drei Einzelhandelsgeschäfte bieten. Interessenten seien schon vorhanden. In der ersten und zweiten Etage, über die ein 160 Quadratmeter großes Penthouse zur privaten Nutzung thront, „werden wir modernste Büroflächen schaffen mit Hohlraumboden und variablen Zwischenwänden“. Von den 600 Quadratmetern Bürofläche sei bereits die Hälfte reserviert.

So wie es derzeit aussieht, werde sich wohl in Heinsberg eine völlig neue Branche ansiedeln, sagt Schmitz. Welche, will er noch nicht verraten bis die Verträge unterzeichnet sind.

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