Eine Expertenführung durch Jäger-Ausstellung

Von: hl
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Angeregt unterhielten sich der Canthe-Vorsitzende Helmut Neußer (r.) und der Kunsthistoriker Dr. Dirk Tölke (M.) mit dem Künstler Gert Jäger (l.) über dessen Werk „Gezeiten“. Foto: Dettmar Fischer

Hückelhoven-Ratheim. Helmut Neußer, Vorsitzender des Kunstvereins Canthe, konnte eine beachtliche Anzahl Kunstinteressierter im Alten Ratheimer Rathaus zur Eröffnung der Ausstellung „Boote und mehr“ von Gert Jäger begrüßen. Die Einführung zu den 25 gezeigten Werken hielt der Kunsthistoriker Dr. Dirk Tölke aus Aachen.

Er hat schon bei mehreren Ausstellungen in Ratheim mit seinem Sachverstand zum besseren Verstehen von Kunststücken beigetragen.

Nach einer Einführung in den künstlerischen Werdegang von Gert Jäger, 1956 in Ratheim geboren, skizzierte Dr. Tölke die Wichtigkeit des Materials in seinen Arbeiten, seinen Umgang damit und die ihm zugrunde liegenden Ideen. Dabei spiele die Sparsamkeit eine wichtige Rolle – als intellektuelle Verdichtung und Vorüberlegung zugleich. Als Künstler der Nachkriegszeit greife er nicht auf archaische Formulierungen und unhinterfragte Traditionen zurück, sondern bringe in seinen Arbeiten stets den Geist der Freiheit und der Individualität zum Ausdruck.

Dabei würden reduzierte und zeichenhafte Formwelten der Natur, die durchaus auf lange kulturelle Traditionen verwiesen, zu ästhetischen Sinnbildern geformt. Das Ausloten von Grenzen durch Experimente mit dem Material, mit Fundstücken oder mit dem Zufall bediene nie eine Schublade, sondern sei optischer und geistiger Anreiz zugleich.

In seinem mit großem Interesse und Aufmerksamkeit verfolgten Referat ging Dr. Tölke des Weiteren auf Charakteristika in den Werken von Jäger ein. So spielten in seinen Hausmodellen vielfache Assoziationen eine wichtige Rolle. Auch das Meer als Inspirationsraum, Sehnsuchtsort, Wahrnehmungsstätte und als Ahnungsraum, was alles keine Eindeutigkeit zulasse, drücke sich in Jägers Werken aus. „Zwiesprache der Formenwelten oder der in Teilen zerlegten Arbeiten untereinander lassen den Betrachter zum Teilhaber an gegensätzlichen Positionen oder Materialwirkungen werden und fordern als Vermittler zu eigenen Stellungnahmen heraus.“

Mit Hinweis auf Landmarken im öffentlichen Raum und deren Wirkung auf den Betrachter sagte Tölke weiter: „In der Erfindung, im Stiften von Assoziationen und Synapsenspuren, im kombinatorischen Ansatz entsteht der Funke, der zu neuen Sichtweisen anstiftet und weniger zu neuen Themen. Durch Erschaffung eines Ruhepols erlauben die unaufdringlichen Werke eine geistige Drift, die durch optische Lichteinwirkung reizvoll stimuliert wird.“

Nach der mit viel Beifall bedachten Einführung von Dr. Tölke stellte der Künstler selber eines seiner jüngsten Werke vor: ein Buch mit dem Titel „Vom Strich zur Form“ und dem Untertitel „… und zehn Gedanken zur Kunst“. Bei Letzteren haben zehn Kunstsachverständige mitgewirkt.

In dem Buch präsentiert Gert Jäger 85 Arbeiten der letzten 25 Jahre und Gedanken zur Kunst im Allgemeinen. Als Leseprobe las er „Impulsgeber für innovative Ideen“ und dankte dabei auch seiner Frau Petra, der dieses Buch gewidmet ist. In vielen Gesprächen mit dem Künstler und dem Referenten konnten sich die Besucher ein weiteres und vertieftes Verständnis der ausgestellten Werke machen.

Die Ausstellung im Alten Rathaus in Ratheim ist noch bis Sonntag, 26. März, von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

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