Eine Ergotherapeutin für die Realschule Erkelenz

Von: nosch
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Der Ergotherapeutin Kerstin Kallup hilft seit kurzem den Kindern, ihren schulischen Alltag zu strukturieren. Foto: Schuldei

Erkelenz. „Wenn Sie ein Haus bauen“, sagt Willi Schmitz, „ dann haben Sie mit vielen Handwerkern zu tun. Ein Kind ist ein noch viel komplizierteres Bauwerk als ein Haus.“ Der Leiter der Europaschule Erkelenz erklärt damit, warum an seiner Schule neben ganz normalen Lehrern zwei Sozialarbeiter im Kollegium integriert sind. Und seit Beginn des Schuljahres auch die Ergotherapeutin Kerstin Kallup.

„Ich stelle hier keine Diagnosen“, sagt Kerstin Kallup. „Ich arbeite mit den Schülern an eigentlich banalen Dingen, die im Schulalltag zum Problem werden können.“ Prüfungsangst ist zum Beispiel so etwas. „Oder das Halten des Stiftes.“ Das Halten des Stiftes? „Ja“, sagt Kerstin Kallup. „Viele Kinder halten den Stift nicht richtig, die Dreipunkthaltung. Sie drücken zu stark auf das Papier. Die Folge: Die Schrift ist schlecht, das Kind wird als Schmierfink abgestempelt.“ Daran arbeitet sie gemeinsam mit den Kindern in dem separaten Raum, der ihr in der Schule eingerichtet wurde.

„Die Kinder, die zu mir kommen, sind  nicht etwa erkrankt. Es sind Kleinigkeiten, die zu bestimmtem, in Anführungszeichen, Fehlverhalten führen, die man relativ schnell abstellen kann“, sagt die Ergotherapeutin. „Und wir Lehrer haben nicht gelernt, wie man das macht“, ergänzt Bettina Peiffer, Konrektorin der Schule ihre neue Kollegin. Die Ergotherapie wird an der Europaschule nicht als „additives Angebot“ gesehen. „Sie ist ein integraler Bestandteil unserer schulischen Arbeit“, sagt Willi Schmitz.

Seit einiger Zeit schon geht man an der Erkelenzer Realschule, die offiziell den Namen Europaschule trägt, neue Wege: „Mit der Einführung des gebundenen Ganztags haben wir ein neues Zeitraster zur besseren Rhythmisierung des Schulalltags eingeführt“, sagt Schmitz, Die Schulstunde ist seither nicht mehr 45 Minuten lang, die Stunde ist eine richtige Stunde mit 60 Minuten. Rektor Schmitz und sein Kollegium („Wir haben das Konzept gemeinsam entworfen, und wir setzen das gemeinsam um“) sehen auch die Einbindung der beiden Sozialarbeiter und der Ergotherapeutin Kerstin Kallup  als einen Schritt auf dem Weg zu einer neuen Schulkultur. „Wir entschleunigen den Schulalltag“, sagt Schmitz.

Kerstin Kallup, die als examinierte  Kinderkrankenschwester in den Niederlanden das Studium der Ergotherapie absolviert hat, sieht ein breites Handlungsfeld vor sich: „Das reicht von Hilfen zur Strukturierung des Schulalltags über die Förderung der Fein- und Grobmotorik bis hin zur unterstützenden Arbeit mit besonders stillen Kindern.“

Bettina Peiffer bringt das Konzept der Europaschule Erkelenz auf den Punkt: „Wir arbeiten hier nicht mit Spezialisten für Problemkinder. Wir arbeiten gemeinsam daran, dass Kinder gar nicht erst zum Problem werden.“  Ziel ist es, in ganzheitlicher Sicht zu psychischer und physischer Gesundheit, zum Lernerfolg und damit zu verbesserten Lebenschancen der Kinder beizutragen.


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