Wassenberg - Eine Burg ist insolvent: Rettende Idee benötigt

Eine Burg ist insolvent: Rettende Idee benötigt

Von: Anna Petra Thomas
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Von den einst schmucken weiß-roten Fensterläden blättert die Farbe ab. Die Burg Wassenberg GmbH hat beim Amtsgericht in Aachen am 8. Januar einen Insolvenzantrag gestellt. Foto: Anna Petra Thomas
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Von den einst schmucken weiß-roten Fensterläden blättert die Farbe ab. Die Burg Wassenberg GmbH hat beim Amtsgericht in Aachen am 8. Januar einen Insolvenzantrag gestellt. Foto: Anna Petra Thomas

Wassenberg. Von den einst schmucken weiß-roten Fensterläden blättert die Farbe ab, so langsam erobert sich die Natur mit Brennnesseln und anderem Grün den Innenhof der Burg Wassenberg zurück. „ … bis 16. Januar 2016 geschlossen“ steht auf den Eingangstüren von Hotel und Restaurant, doch alle Türen sind auch jetzt noch fest verschlossen. Unter der Fußmatte zum Hoteleingang stapelt sich die Post.

 Im Innern verwaisen Betten und Tische derzeit ungenutzt. Bei einem Telefonanruf meldet sich nicht einmal der Anrufbeantworter. Die Internetseite ist abgeschaltet. Der Grund: Die Burg Wassenberg GmbH hat beim Amtsgericht in Aachen am 8. Januar einen Insolvenzantrag gestellt. Dies hat Robert Soltyszeck unserer Zeitung auf Anfrage bestätigt. Im Justizportal ist derzeit jedoch noch kein Eintrag zur Burg veröffentlicht, die sich seit 1985 im Besitz der Familie Soltyszeck befindet.

Eine Wiedereröffnung in der in Wassenberg bekannten Form werde nicht mehr möglich sein, erklärte Robert Soltyszeck in einem Gespräch mit unserer Zeitung. „Der Markt hat sich verändert. In der bekannten Form hat sich dieses Geschäftsmodell überlebt“, betonte er. So sei zum Beispiel das Firmengeschäft auf Burg Wassenberg rapide zurückgegangen. Feste zu Messen, die früher auf der Burg gefeiert worden seien, gebe es ebenso nicht mehr wie zum Beispiel Weihnachtsfeiern von Unternehmen.

„Auch das Seminargeschäft war fast vollständig eingebrochen“, blickt er auf die guten Zeiten der Burg zurück, in denen seine Eltern Rüdiger und Helga Soltyszeck das Geschäft gemeinsam geführt hatten. Heute übernachte bei einer Messe kaum noch jemand im Hotel. Bei den niedrigen Flugpreisen werde da eher hin- und hergeflogen. Hinzu kämen dann auch noch die hohen Kosten, mit denen der Erhalt der denkmalgeschützten Burganlage verbunden gewesen sei.

Nach seinem Studium war Sohn Robert zunächst auf die Burg zurückgekehrt, um seinen erkrankten Vater zu unterstützen, der 2010 im Alter von 66 Jahren starb. Heute arbeitet er bei einem Automobilzulieferer in Bergisch-Gladbach, sein Bruder als Jurist in Köln. Beide suchen jetzt gemeinsam mit der Stadt Wassenberg nach einer Lösung für das insolvente Unternehmen Burg Wassenberg. Wie der Bergfried ist auch die Burg ein Wahrzeichen der Stadt, und so sorgt sich natürlich auch Bürgermeister Manfred Winkens um deren Fortbestand.

Nach einem ersten Gespräch mit Robert Soltyszeck in dieser Woche blickt er positiv in die Zukunft. „Wir wollen gemeinsam ein Konzept entwickeln“, so Winkens. Er habe dabei den Soltyszecks „jede Hilfe“ angeboten. „Ich bin sicher, dass wir in einen guten Dialog kommen“, erklärte auch Soltyszeck nach dem Gespräch. „Wir haben ein, zwei interessante Ideen entwickelt, die jedoch noch nicht spruchreif sind“, verriet er, hielt sich aber bei der Frage nach weiteren Details ebenfalls sehr bedeckt.

Eine Idee von Soltyszeck ist jedoch mittlerweile vom Tisch. Im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigte er, dass er die Burg tatsächlich dem Land Nordrhein-Westfalen als Flüchtlingsunterkunft angeboten hatte. Allerdings sollte diese allein für unbegleitete Kinder als eine Art Heim eingerichtet werden, wie er erklärte. „Die Burg hätte so ein bundesweit anerkannter, wirklicher Integrationsstandort werden können“, sagte er.

Bei der Entwicklung neuer Ideen müsse man auch über die Auflage im Grundbuch nachdenken, nach der die Burg ausschließlich als Hotel und Restaurant betrieben werden darf, so Soltyszeck weiter. „Da muss man aus der Box herausdenken.“

Das heiße nicht, dass die Auflage grundsätzlich aus dem Grundbuch herausgenommen werden müsse. „Aber man muss zukunftsorientierte Überlegungen über die Grundbuch-Auflagen stellen“, erklärte er, „nicht nur für meine Familie und mich, sondern auch für die Stadt.“ Er sei jedoch sicher, dass man den Weg gemeinsam gehen könne für eine weitere, positive Entwicklung der Burg. „Wir sind weiter verabredet, ohne konkrete Termine“, sagte Soltyszeck.

Auch zu einem möglichen Verkauf wollte er sich noch nicht äußern. Die Stadt habe auf jeden Fall ein Vorkaufsrecht, hatte Winkens im Gespräch mit unserer Zeitung gesagt. Davon wisse er nichts, hieß es von Soltyszeck. Auf Nachfrage erklärte der Bürgermeister jedoch am Donnerstag, dass die Stadt für jedes Denkmal in ihrer Kommune ein Vorkaufsrecht besitze, auch wenn dies nicht explizit vertraglich vereinbart sei. Bleibt zu hoffen, dass sich bald eine Lösung für die Burg findet, denn im Jahre 2020 kann sie ihr 1000-Jähriges feiern. „Bis dahin haben wir bestimmt einen richtig tollen neuen Nutzer gefunden“, ist sich Soltyszeck sicher.

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