Hückelhoven - Eine besondere Bank von besonderen Schülern

Eine besondere Bank von besonderen Schülern

Von: Ingo Kalauz
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Patrick-Daniel, Stephan, Mike, Dennis, Karim und Diego aus der Jugendwerkstatt in Hilfarth haben die Friedensbank rund um den Friedensbaum am Hartlepooler Platz in zweimonatiger Arbeit unter Anleitung von Peter Kleinen (hinten, 2.v.r.) fertiggestellt. Foto: Ingo Kalauz

Hückelhoven. Daran gibt es keinen Zweifel: Peter Kleinen ist der Boss. Der Werkleiter der Metallwerkstatt der von der Caritas getragenen Jugendwerkstatt in Hilfarth steht vor dem Friedensbaum am Hartlepooler Platz zwischen Gymnasium und Rathaus und betrachtet sichtbar zufrieden und wohl auch stolz das, was seine Schützlinge da zustande gebracht haben.

Rund um den Baum schmiegt sich eine schmiedeeiserne Rundbank, deren Holzelemente zum Sitzen und sich anlehnen einladen. „Ja, diese Friedensbank um den Friedensbaum haben meine Jungs in der Werkstatt in Hilfarth hergestellt“, sagt Kleinen.

„Seine Jungs“, das sind der 17-jährige Patrick-Daniel, Stephan, der 21 Jahre alt ist, Dennis (16), der 18 Jahre alte Karim sowie die beiden 17-Jährigen Mike und Diego. Sie haben in rund zwei Monaten täglicher Arbeit die Bank „gebaut“, die nun zu einem zentralen Anlaufpunkt rund um den schon seit Jahren dort stehenden Friedenspfahl geworden ist.

Was die sechs jungen Erwachsenen gemeinsam haben: Sie sind alle Problemschüler gewesen, haben während ihrer Regelschulzeit aus welchen Gründen auch immer Mist gebaut, den an sie gestellten Anforderungen nicht entsprochen oder ihnen nicht genügen können – und wollen jetzt in der Jugendwerkstatt das nachholen, was sie im normalen schulischen Alltag versäumt haben. „Wir versuchen, diese Jungs wieder aufzuwecken“, bringt Peter Kleinen seine und die Bemühungen der Leiterin der Jugendwerkstatt, Simone Peters, auf einen knappen Nenner.

Die Jugendwerkstatt in Hilfarth wurde 1978 gegründet. Bis zum Jahr 2000 wurde dort in städtischer Regie versucht, jungen Schulabbrechern oder Problemschülern über die Betonung auf die praktische Arbeit einen vernünftigen Start in das Berufsleben möglich zu machen.

„Unter Bürgermeister Werner Schmitz wurde die Einrichtung dann aus städtischer Hand in die Trägerschaft des Caritasverband es übergeben“, sagt Heinz-Josef Schmitz, der damals Leiter des Sozialamtes der Stadt Hückelhoven war und heute zusammen mit Franz-Josef Greven einer der Sponsoren der Friedensbank auf dem Hartlepooler Platz ist.

„Warum die Stadt die Einrichtung aus der Hand gegeben hat, weiß bis heute kein Mensch“, fügt Schmitz vielsagend hinzu. Die Einrichtung in Hilfarth wird übrigens nach dem Landesjugendplan NRW als sozialpädagogische Hilfe für junge Menschen im Übergang von Schule zum Beruf gefördert.

Auch „die Friedensbänker“ Patrick-Daniel, Stephan, Mike, Dennis, Karim und Diego nutzen in der Jugendwerkstatt im Rahmen der offenen und freiwilligen Maßnahme die Möglichkeit, in Theorie und Praxis allgemeine, berufs- und arbeitsbezogene Fertigkeiten und Kenntnisse zu erwerben.

Sie trainieren dort handwerkliche, lebenspraktische und schulische Fertigkeiten im Ausbildungsabschnitt als Grundlage für einen späteren Beruf. Sie werden an einen geregelten Arbeitsalltag, also an geregelte Arbeitszeiten, gewöhnt; Praktika in Betrieben werden vermittelt; sie besuchen das Berufskolleg in Erkelenz; sie erhalten bei Bedarf Stützunterricht in Kleingruppen, um schulische Defizite aufzuarbeiten und Schulabschlüsse nachzuholen, möglicherweise sogar das Fachabitur zu packen, um dann sogar die Voraussetzungen für ein Studium in der Tasche zu haben.

16 Jugendliche besuchen zurzeit die Jugendwerkstatt in Hilfarth, acht von ihnen haben der Metallbereich als Schwerpunkt gewählt. „Wir machen die fit für Jobs“, sagt Peter Kleinen. Er liebt kurze Sätze, die eine klare Ansage in sich tragen. Das hat viel auch mit seinen Probanden zu tun, die für das gemeinsame Projekt Hand in Hand exakt, filigran und sorgfältig zu Werke gehen mussten. „Bei uns sind Teamplayer angesagt. Da achte ich drauf“, sagt Kleinen.

Er ist so was wie eine Vaterfigur für die Jugendlichen in der Einrichtung – ohne dass er seine Rolle besonders hervorkehrt. „Ich versuche, Vertrauen aufzubauen. Und ich zeige den Jungs gegenüber Wertschätzung. Das isses.“

Es ist diese Selbstverständlichkeit, mit der er das sagt, die keinen Zweifel aufkommen lässt: Bei Peter Kleinen sind diese ehemaligen Problemschüler in guten Händen. Auf die Friedensbank um den Friedensbaum am Friedenspfahl am Hartlepooler Platz in Hückelhoven kann man sich getrost setzen.

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