Eine 15-Jährige, die sich den Dominos verschrieben hat

Von: Helmut Wichlatz
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Eine Domino-Rallye mit rund 8500 Steinen: Da ist nicht nur jede Menge Fingerspitzengefühl gefragt, sondern auch Kreativität. Und am Ende wird doch alles nur wunderschön aufgebaut, damit es ebenso schön zusammenstürzt. Foto: Wichlatz

Erkelenz. Wer in Alexandras Zimmer will, der muss sich an der Wand entlang quetschen und hoffen, dass er sich keinen Fehltritt erlaubt. Denn mitten im Zimmer ist eine Domino-Rallye aufgebaut. Gemeint ist damit eine Strecke von aufgestellten Dominosteinen, wie man sie aus dem Fernsehen und der Show „Domino Day“ kennt.

Das Zimmer staubsaugen zu wollen hat Mutter Andrea längst aufgegeben. Zu groß ist die Furcht, aus Versehen das Ergebnis mehrerer Tage zum Umfallen zu bringen. Wenn dann aber der hausinterne „Domino Day“ ist, fiebert sie auch mit, dass alles läuft wie geplant. Oder man plant kurzerhand einen einwöchigen Urlaub in Österreich, damit die dominobegeisterte Tochter an einem Weltrekordversuch teilnehmen kann.

Alexandra Benz kam vor sechs Jahren durch das Fernsehen zu ihrem Hobby. Seitdem reiht sie Dominosteine aneinander und erfreut sich daran, wenn sie nachher wie geplant umfallen und sich gegenseitig umreißen. Die Rallye in ihrem Zimmer besteht aus rund 8500 Steinen, die nicht nur in Bahnen aufgestellt sind. Auch mehrstöckige Häuser, Figuren und eine „Fall Wall“ mit Smiley hat sie in den letzten Tagen aufgebaut.

Vater Andreas wundert sich heute nicht mehr über seine Tochter und ihre Ideen. Auch dass sie sich zu Weihnachten einige Quadratmeter Parkett für ihr Zimmer gewünscht hat, stößt angesichts der Tatsache, dass das Haus größtenteils mit Teppichboden ausgelegt ist, durchaus auf sein Verständnis. Natürlich auch, dass das in Frage kommende Parkett erst auf seinen Klang getestet werden musste. Denn es zählt der unverwechselbare „Sound of Domino“. Im Urlaub ist natürlich auch immer eine Kiste mit Dominosteinen dabei. Sogar auf der Aussichtsplattform des Eiffelturms baute Alexandra schon eine kleine Strecke auf und schaffte es damit auf den dritten Platz eines weltweiten Wettbewerbs unter Dominofreunden.

Anfangs habe sie schon über das Hobby ihrer Tochter gelächelt, räumt Sabine Benz ein. Mittlerweile hat Alexandra ihre Eltern durchaus auf den Geschmack gebracht. Bei der Dominostrecke zum Thema „Navy CIS“ waren sie auch mit Feuereifer dabei. Problematisch bei dem Projekt war, dass es keine hautfarbenen Dominosteine gibt. Also mussten ausreichend Steine kurzerhand per Hand angemalt werden, damit Gibbs und Co auch eine gesunde Gesichtsfarbe hatten.

Worin liegt der Reiz? Ist es der Moment, wenn das Ergebnis langer Arbeit planmäßig in sich zusammenfällt oder sind es die Planung und das Probieren, bis alles für den großen Moment steht? „Natürlich macht es Spaß, wenn man mit vielen Gleichgesinnten in einer Halle eine Strecke aufbaut“, betont die Schülerin. Das erlebte sie kürzlich im österreichischen Tulln an der Donau, wo sie auf Einladung des Teams „Austrian Domino Art“ an einem Rekordversuch für das Guiness Buch teilnahm und die Eltern oben erwähnten ungeplanten Urlaub verbringen durften.

Statt einer Domino Rallye stand diesmal eine sogenannte Stick Bomb auf dem Programm – und zwar mit 30.000 Holzsparteln die größte der Welt. Die Spartel werden ineinander gesteckt und dann durch einen Auslöser zum „Explodieren“ gebracht. Dazu braucht man vor allem Fingerspitzengefühl. Das bewiesen Alexandra und ihre 20 Mitstreiter, weshalb ihnen am Ende der Weltrekord und ein Eintrag ins Guiness Buch gewiss waren.

In den Sommerferien ist Alexandra wieder zu einem Projekt eingeladen, diesmal nach Hessen. Ihre Freunde in Erkelenz finden das Hobby zwar „cool“, aber mitbasteln möchte keiner so recht. Ihre einzige Mitstreiterin sei leider weggezogen, berichtet die 15-Jährige.

Das Planen und Entwerfen der Figuren findet zumeist am PC statt. Die jeweiligen Würfe werden mit mehreren Kameras gleichzeitig festgehalten und auf einem eigenen Youtube-Kanal vorgestellt. Alexandra hat mit dem Kanal „DominoErdmann“ schon hunderte Abonnenten, die ihr Treiben durchaus interessant finden. Am besten, meint sie, wäre es, einen Dominostein-Produzenten als Sponsor zu gewinnen. Doch davon ist sie noch weit entfernt.

Denn in Deutschland ist die Freizeitbeschäftigung „Dominosteine umkippen“ noch nicht so weit verbreitet wie zum Beispiel in den benachbarten Niederlanden oder im Mutterland Amerika. Dort finden die sogenannten Domino Days schon seit den 80er-Jahren statt und erfreuen sich großer Beliebtheit. Alexandras Traum ist es, in Erkelenz einen Domino Day zu veranstalten und damit vielleicht sogar ins Guiness Buch zu gelangen.

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