Einblicke in die Welt untertage

Von: Johannes Bindels
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Franz Janke (li.) und Matthias Schmitz stehen an der Spitze des Vereins. Foto: J. Bindels

Hückelhoven. Ein Museum ist oft genug ein Ort, an dem ein Blick zurück in eine andere Zeit geworfen wird. Das Leben von Menschen und ihre Lebensumwelt wird nach- und ausgestellt, vermittelt den heute Lebenden einen Einblick und lässt einen Vergleich zu. Hückelhoven hat seit 1997 ein besonderes Museum.

Die Betreiber haben es nach ihrem Vereinsnamen benannt: Museum der Mineralien- und Bergbaufreunde in der Stadt Hückelhoven e.V.

120 Mitglieder hat der Verein; über jüngeren Nachwuchs würde sich die Mitglieder freuen. „Am 23. Januar 1997 war die Gründerversammlung von 13 Interessierten, die als Mineralien- und Bergbaufreunde den Verein gründeten, um das Interesse an der Bergbautradition aufrecht zu erhalten“, berichtet Franz Janke, einer der Gründungsmitglieder und 2. Vorsitzender des Vereins.

„Mit Unterstützung der Stadt Hückelhoven, die uns die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt, konnten wir in den letzten 15 Jahren ein kleines, aber feines und reichhaltig ausgestattetes Museum mit wertvollen Exponaten aus den Bereichen Mineralien und Bergbau aufbauen“, ergänzt Matthias Schmitz, der 1. Vorsitzende.

Beide sind ehemalige Bergleute, die auf der Zeche Sophia-Jacoba gearbeitet haben und zu allen Exponaten aus dem Bereich Bergbau sachkundig die Besucher informieren können. So ist sowohl ein Grubenfahrrad für den Schienenbetrieb zu sehen, auf dem ein stilecht gekleideter und vorschriftsmäßig ausgestatteter Bergmann zu sehen ist. Vorgesehen war der Einsatz für den Elektriker oder Schlosser unter Tage, damit dieser zu den wechselnden weit entfernten Einsatzorten schnell genug hinkam. Ebenso ist eine lebensgroße Figur mit Schutzkleidung und Atemgerät der ehemaligen Grubenwehr zu sehen, deren gefährlicher Einsatz unter Tage oft genug notwendig wurde.

So ist gleich im Eingangsbereich auch eine Nische mit der Schutzpatronin, der heiligen Barbara, aufgebaut als Gedenkstelle an die mehr als 600 Toten im Laufe der Jahre auf der Zeche. Nicht zuletzt besitzt das Museum in der Abteilung Bergbau eine Sammlung farblich unterschiedlicher Helme – vom einfachen Lederhelm bis zum heute noch gebräuchlichen Helm – wie auch eine Sammlung an Grubenlampen, von den ersten mit Brennstoff betriebenen bis zu den heutigen Akku betriebenen. Sie lassen ahnen, dass der Arbeitsplatz ein sehr beschwerlicher war.

„Wenn auch viele Exponate von den aktiven Vereinsmitgliedern stammen, sind wir stolz darauf, dass wir ganze private Sammlungen aus Nachlässen bekommen haben. So wie beispielsweise die Grubenlampensammlung von Udo Sarkowski aus Myhl, die Mineraliensammlung von Walter Weiß, ehemals Professor der Bergkunde aus Marburg, oder die Fossiliensammlung aus dem Tertiär (Erdzeitalter mit Beginn vor 65 Millionen Jahren) von Günter Liebau aus Hückelhoven-Doverern mit Fossilien aus der Zeche Sophia-Jacoba, an Schacht 8 bei Matzerath“, erzählt Schmitz und die Begeisterung für den mit dem Museum gelungenen Brückenschlag zwischen Kohleabbau-Arbeitsplatz damals und der heutigen Präsentation der Fossilien aus dem Bergwerk und den Mineralien aus der Umgebung sowie von Fundorten aus anderen Teilen Deutschlands und der ganzen Welt ist ihm anzumerken.

„Achtzig Prozent der Mineralien und Fossilien sind selbst gesucht, die restlichen sind im Tausch oder käuflich erworben“, beschreibt Janke das geleistete Engagement. Er verweist nicht ohne Berechtigung auf eine der größten gefundenen Herzmuschel-Fossilie, die er auf Schacht 8 der Zeche Sophia-Jacoba gefunden hat und die nun in einer Vitrine ausgestellt ist. Auf einige Raritäten verweisen mit Berechtigung die beiden Vorstandsmitglieder und benennen diese fachkundig als Millerite, Pyrite, Dolomite, Zinkblende und Bergkristalle.

Ein Exponat ragt besonders heraus und wird von Frank Janke mit einer Vergrößerungslinse sichtbar gemacht: auf der Spitze einer Bergkristallansammlung ist ein Kreuz zu sehen. „Andere haben ihre Kreuze auf den Gipfeln angebracht, wir haben unser Kreuz untertage gefunden“, formuliert Matthias Schmitz treffend.

In beleuchteten Vitrinen sind die Mineralien ausgestellt und glitzern im Licht der Strahler oder fluoreszieren im Schwarzlicht und unter UV-Licht gelblich, rötlich und bläulich. „Das begeistert auch die Kinder, die in Gruppen von der Vorschule bis zum zehnten Schuljahr unser Museum aufsuchen“, fügt Schmitz an und berichtet, dass etwa 15 bis 20 Gruppen im Jahr auch an einigen Mikroskopplätzen unter Anleitung in die kristallinen Strukturen der Kleinstmineralien betrachten können.

Der Arbeitsplatz des Bergmanns ist in unserer Region nicht mehr zu sehen, aber im nächsten Jahr sind es gerade hundert Jahre her, dass die erste Kohle auf Sophia-Jacoba gefördert wurde; die letzte Lore wurde am am 17. März 1997 aus der Tiefe nach oben befördert. Mit dem Ende der Zeche vor 16 Jahren ist der Beruf des Bergmanns hier nicht mehr wahrnehmbar – aber zumindest einen Einblick in die Welt untertage ermöglicht das kleine, feine Museum in Hückelhoven.

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