„Ein Wunder, dass noch nichts passiert ist“

Von: Helmut Wichlatz
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Sie setzen sich für Sicherheit am ZOB ein: Annegret Steingießer (Kinderschutzbund), Udo Winkens (West), Martina Storms, Swantje Day (beide Pflegschaft Cornelius-Burgh), Michael Kutz (Kinderschutzbund) und Nicole Stumpf (Pflegschaft Cusanus) (v.l.). Foto: Wichlatz

Erkelenz. Der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) an der Krefelder Straße bereitet Schülern, Schulen und Eltern gleichermaßen Sorgen. Denn mehr als 3000 der rund 4000 Schüler kommen morgens am ZOB an und wollen mittags auch zumeist von dort wieder nach Hause fahren. Dann kann es eng werden, und gefährlich. Denn vom Platz her ist die Anlage nicht für eine solche Masse an Schülern ausgelegt.

„An sich ist es ein Wunder, dass bisher noch nichts passiert ist“, sagt Michael Kutz vom Kinderschutzbund. Seit rund fünf Jahren bemühen er und seine Mitstreiter sich darum, das Thema mit Hilfe der Schulen in den Griff zu bekommen. Damals wurde ein Runder Tisch gegründet, an den neben dem Kinderschutzbund auch Polizei, West Energie und Verkehr und Stadt Erkelenz eingeladen worden waren.

Nun zog Kutz eine ernüchternde Bilanz. Denn gebessert habe sich nichts, betonte er. Mit einem neuen Projekt namens „Schulbusbegleiter“ wollten die Akteure nun wieder Bewegung in das Thema bringen. Die Idee ist einfach: An den Zentralen Bushaltestellen sorgen Schüler als Schulbusbegleiter dafür, dass das ein- und Aussteigen reibungslos und für die kleineren Schüler ungefährlich vonstattengeht. „Die Idee geisterte schon lange bei uns umher“, erklärte Kutz. Doch sei die Umsetzung bislang schwieriger als gedacht.

Mit einem Flyer warb der Runde Tisch dafür, dass sich Schüler der achten und neunten Klassen für den Job melden. Nach den Sommerferien sollte mit der fachlichen Ausbildung begonnen werden, was nur wenige Stunden gedauert hätte. Jedoch: Bislang fand sich kein Schüler, der dazu bereit wäre, sich als Schulbusbegleiter zu engagieren.

Bis Ende Mai konnte man sich melden, zehn Freiwillige hätten ausgereicht, gefunden wurde keiner. Dabei sollte es im Interesse der Schulen sein, die Sicherheit am ZOB zu gewährleisten. „An allen Schulen muss es einen Beauftragten für die Verkehrssicherheit geben“, sagte Martina Storms, deren vier Kinder auch täglich mit dem Bus zur Schule unterwegs waren und sind. An den Schulen sei die Definition dieser Aufgabe jedoch eine „Grauzone“. Denn die Aufsichtspflicht der Schulen ende beim Verlassen des Schulgeländes.

„Wenn die Schüler die Schule verlassen haben, ist die nicht mehr verantwortlich“, erklärte Storms. „Und im Bus ist der Busfahrer und damit die West verantwortlich. Dazwischen fühlt sich niemand verantwortlich.“ Sie wirbt gemeinsam mit der Pflegschaftsvorsitzenden Swantje Day am Cornelius-Burgh für den Einsatz von Schulbusbegleitern. Denn das „dazwischen“ zwischen Schule und Bus stellt sich in Form des ZOB gerade für jüngere Schüler oft verängstigend dar, wie Kutz betonte.

Dies ändere sich, sobald die Schüler 15 oder 16 Jahre alt sindund nicht mehr zu „den Kleinen“ gehören.

In Wassenberg hat man am ZOB an der Betty-Reis-Gesamtschule gute Erfahrungen gemacht mit den Schulbusbegleitern. Daher hofften die Initiatoren, dass sich auch in Erkelenz ausreichend Schüler fänden. Fehlanzeige!

Nun wird über die Ursachen nachgedacht. Vielleicht, so vermutete Annegret Steingießer vom Kinderschutzbund, sei der Flyer nicht ansprechend gestaltet oder habe inhaltlich auf die falschen Argumente gesetzt. Oder an den Schulen werde das Thema nicht ausreichend unterstützt. „Wir müssen die Eltern der jüngeren Schüler für das Thema sensibilisieren, wenn wir Erfolg haben wollen“, sagte sie.

Eine Belastung für die Kleinen

Udo Winkens vertritt die West am Runden Tisch. Er betonte, dass das Unternehmen an Grundschulen ausführliche Informationen für Schüler und Eltern bereithalte, um die Kinder auf den Schulbus vorzubereiten. Die Mitarbeit der Eltern sei „ein wichtiger Baustein“ für mehr Sicherheit im Bus und an der Bushaltestelle. Darüber hinaus würden die Fahrer regelmäßig geschult und die Besetzung der Busse geprüft. „Gerade überfüllte Busse werden für kleinere Schüler zur Belastung“, sagte er.

Der Weisheit letzter Schluss ist also noch nicht gefunden. Trotzdem wollen die Ehrenamtler vom Kinderschutzbund und Runden Tisch nach den Sommerferien einen neuen Versuch starten, um die zehn Schüler zu finden, die sich als Schulbusbegleiter für die Sicherheit ihrer Mitschüler engagieren wollen. Auch Eltern sind gerne willkommen. Ob Eltern oder Schüler, ganz auf sich selbst gestellt werden sie nicht sein. „Und wir erwarten auch keine Aufgaben eines Bus-Sheriffs“, sagte Kutz.

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