Ein Weltstar als Ersatzmann bei „Jazz im Rondell“

Von: Anna Petra Thomas
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Dieses Mal war es richtig voll beim „Jazz im Rondell“. Kein Wunder, gehörten die Gäste Darryl Jones (Bass), Bill Evans (Saxofon), Dean Brown (Gitarre) und der Schlagzeuger Dennis Chambers doch allesamt in die Kategorie „Weltklasse“. Foto: Anna Petra Thomas
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Als Sahnehäubchen setzte Darryl Jones sein Solo am Bass auf das Konzert. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. „Eine ganz edle Besetzung“ hatte Musikschulleiter Theo Krings für das jüngste Konzert in der Reihe „Jazz im Rondell“ angekündigt. Doch sie kam nicht zustande, denn einen Tag vor dem Start der Tournee des neuen Musikprojekts „The Stern/Evans Band Feat. Dennis Chambers & Darryl Jones“ brach sich Weltklasse-Gitarrist Mike Stern beide Oberarme.

So stand nun leider nicht Mike Stern vor dem Publikum, den eingefleischte Fans der Jazz-Szene bereits von seinem Auftritt im Rahmen des internationalen Heinsberger Gitarrenfestivals im Wegberger Forum ein Begriff. Das hatte allerdings dem „Run“ auf die Karten aus ganz Deutschland keinen Abbruch getan, wurde doch innerhalb von 24 Stunden „Ersatz“ gefunden, der wohl kaum nur als solcher zu bezeichnen ist.

Dean Brown, studierter Jazz-Komponist, zählt wie Stern zur Weltklasse der Fusionszene und soll neben Jimi Hendrix oder Sly Stone auch Ludwig van Beethoven als Künstler bezeichnen, die ihn beeinflusst haben. Ergebnis: Brown lässt sich gar nicht auf einen bestimmten Stil festlegen, was er auch in Heinsberg eindrucksvoll bewies.

Brown spielt, als sei die Gitarre an seinem Körper festgewachsen – oder umgekehrt. Beide sind eins, wenn er sich in sein Spiel vertieft. Nach dem Ende dieser Tour wird Brown in diesem Jahr mit seiner Band noch in Taiwan und Japan unterwegs sein.

Überhaupt: Die aktuelle Band kam aus Wien und hat unter anderem noch Paris und London in ihrem Tourkalender. Wie kam sie dann nach Heinsberg? Dafür steht Musikschulleiter Theo Krings, der als Leiter des mittlerweile renommierten Heinsberger Gitarrenfestivals in der Szene weltweit vernetzt ist und der nicht mehr nur dabei ist, dem Heinsberger Rondell über das Festival hinaus in der internationalen Szene einen Namen zu machen. Auch für ihn war Brown natürlich kein Ersatz für Stern, sondern „ein echter Kracher“. Und auch er fand nach dem Konzert in der deutschen Sprache irgendwie gar kein Attribut mehr für das, was auch er gerade erlebt hatte.

Man müsse schon ein bisschen verrückt sein, um wie Brown innerhalb von 24 Stunden alles stehen und liegen zu lassen und auf Tournee zu gehen, schmunzelte Star-Saxofonist Bill Evans zu Beginn des Konzerts als Moderator der Band ins Publikum. Er stellte auch die beiden übrigen Band-Mitglieder vor: Darryl Jones am Bass, der schon mit Sting, Madonna und den Rolling Stones gespielt habe, und Dennis Chambers am Schlagzeug, der schon als Drummer mit Santana unterwegs gewesen sei.

Und natürlich habe man durch den „Ausfall“ von Stern in nur einem Tag auch ein komplett neues Repertoire zusammenstellen müssen. Dass dies aber dann doch eigentlich gar kein Problem gewesen sei, formulierte er so: „Wir sprechen die Sprache der Improvisation, und wir sprechen sie fließend.“

Evans selbst „sprach“ sie sogar auf unterschiedlichen Instrumenten, nicht nur mit seinem Saxofon und seinem Sopransaxofon, sondern auch auf dem elektrischen Fender-Rhodes-Piano. Zudem bewies er sich auch als Singer-Songwriter. Vor allem das Stück „Love is working over time“ von seiner neuen CD „Rise Above“, in dem es um die Biografie des Rockmusikers Gregg Allman geht, klingt sicherlich in den Ohren der rundherum begeisterten Konzertbesucher noch nach.

Nicht vergessen wird das Publikum auch die ganz besonderen Momente, in denen Evans mit seinem Saxofon Brown und seine Gitarre aus ihrer Interpretation, in die sich die beiden eindrucksvoll vertieft hatten, im wahrsten Sinne der Worte wieder herausfordern musste. Sahnehäubchen des Ganzen war ein ausgedehntes Solo von Bassist Jones, bei dem es auch die Bassisten unter den Gästen nicht mehr auf ihren Stühlen hielt und sie noch ein wenig näher an den Musiker heranrückten, um sein Spiel aus nächster Nähe beobachten zu können.

Nähe ist überhaupt das Stichwort, das die Konzerte von Weltklasse-Musikern im Heinsberger Rondell ausmacht. Es gibt keine Bühne, die Publikum und Künstler voneinander trennt. So ist es auch in den Pausen leicht, mit den Musikern ins Gespräch zu kommen oder ein Autogramm von ihnen zu ergattern, wie es Jones seinen Fans draußen vor dem Rondell in der Pause ermöglichte. Fans und Band waren sich am Ende einig, einen einzigartigen Abend erlebt zu haben. „Ich spiele gerne in kleinen Orten“, resümierte Evans für sich. „Die Menschen sind immer so freundlich.“

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