Ein Verein steht vor einem Trümmerhaufen

Von: Daniel Gerhards
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Eigentlich soll sich der Verein Bürger gegen Bergschäden um Risse in Gebäuden kümmern. Aktuell scheint es aber eher um einen tiefen Graben im Vorstand zu gehen. Foto: stock/Steffen Schellhorn

Wassenberg. Im Verein Bürger gegen Bergschäden (BgB) geht es längst nicht mehr nur um Risse in Gebäuden. Es zieht sich ein tiefer Graben durch den Verein. Am Mittwoch gibt es eine Versammlung, bei der endlich geklärt werden soll, wie es mit dem Verein weitergeht.

Die Zeichen stehen auf Kampfkandidatur: Die Vorstandsmitglieder Hans-Gerd Linneweber und Heinz Spelthahn wollen nur weitermachen, wenn die Mitglieder den aktuellen Vorsitzenden Wolfgang Meurer abwählen. Der wiederum teilt mit, dass er und der Rest des Vorstands nur ohne Linneweber und Spelthahn weitermachen wollen.

Linneweber und Spelthahn greifen Meurer in einem offenen Brief an die Mitglieder des Vereins, der unserer Zeitung vorliegt, scharf an. Sie schreiben: „Die Gruppe um Dr. Meurer hat die Interessen des Vereins nicht gefördert, sondern geschädigt.“ Meurer hat für den Inhalt dieses Schriftstücks kein Verständnis: „Von einer Krise des Vereins kann keine Rede sein. Der Verein hat den höchsten Mitgliederstand und den höchsten Kassenstand seit Bestehen.“ Er bezeichnet Linneweber und Spelthahn als „Quertreiber“ und Verursacher von „Stress im Vorstand“.

Verlagerung nach Jülich?

Es muss einiges passieren, um einen Verein so zu spalten. Jetzt scheint es, als stünden die Bergbaugeschädigten vor einem Trümmerhaufen. Abzocke, klammheimlicher Rauswurf und eine Versammlung, die von Sicherheitspersonal abgeschirmt werden musste, stehen auf der Liste der Vorwürfe, die Spelthahn und Linneweber gegen Meurer erheben. Meurer bezeichnet die Vorwürfe als „absurd“ und wirft Spelthahn und Linneweber vor, dass sie sich nicht um die Belange der Geschädigten Wassenberger kümmerten, sich nur in politischen Gremien aufspielen wollten und dass sie planten, den Verein nach Jülich zu verlegen. Linneweber und Spelthahn kommen von dort.

Die Geschichte der Reihe nach – aus der Sicht von Spelthahn und Linneweber: Heinz Spelthahn war schon einmal Vorsitzender des BgB. Irgendwann legte er sein Amt nieder, weil der Rechtsanwalt beruflich zu eingespannt gewesen sei. Meurer übernahm. Und dieser Wechsel an der Spitze habe auch einen Wechsel in der Ausrichtung des Vereins nach sich gezogen, sagt Linneweber. Der ehemalige Vorstand um Spelthahn habe versucht, möglichst viel für die Betroffenen von Bergschäden herauszuholen. Man habe eine Schlichtungsstelle eingerichtet. Man habe enge Kontakte zum Landtag, zum Landesverband der Bergbaugeschädigten und zum Netzwerk Bergbaugeschädigter unterhalten.

All das tue Meurer nicht. Im Gegenteil, das Netzwerk Bergbaugeschädigter habe ihm wegen „seines passiven Verhaltens“ den Posten des Regionalsprechers entzogen. Auch für die Geschädigten setze er sich nicht energisch genug ein, sagt Linneweber. Daraus folgt Vorwurf Nummer eins: Meurer tue zu wenig für Mitglieder des Vereins.

Vorwurf Nummer zwei ist noch schwerwiegender: Die Gruppe um Meurer wolle sich selbst bereichern. Rechtsanwalt Meurer und einige Gutachter kassierten für ihre Dienstleistungen „tausende“ Euro von Geschädigten. Und danach geschehe in vielen Fällen erst einmal nichts, sagt Linneweber. „Abzocke“ nennt er das.

Aus der Sicht von Wolfgang Meurer liest sich die Geschichte ganz anders: Für ihn blockieren Linneweber und Spelthahn durch „Quertreiberei“ die Vorstandsarbeit. Erster Gegenvorwurf von Meurer: Linneweber und Spelthahn geht es nicht darum, etwas für die Betroffenen in Wassenberg herauszuholen. „Beide haben es nicht geschafft, über einen Zeitraum von etwa vier bis fünf Jahren Vorstandstätigkeit auch nur einen einzigen Geschädigten in Wassenberg oder Umgebung vor Ort zu besuchen“, schreibt Meurer in einer Stellungnahme. Das zeige, dass Linneweber und Spelthahn die Geschädigten in Wassenberg „völlig gleichgültig sind“. Meurer: „Den Herren Spelthahn und Linneweber geht es nicht um die Geschädigten.“ Ihnen gehe es ausschließlich darum, „sich selbst als Politiker gerieren zu dürfen, um im Landesverband und im Unterausschuss des Landtages an Sitzungen teilnehmen zu dürfen“. Und dafür müssen sie Vorstandsmitglied eines Bergschadensvereins sein. Meurer wirft ihnen vor, deshalb mit aller Gewalt im Vorstand des Wassenberger Vereins bleiben zu wollen.

„Bodyguards“ bei Versammlung

Der zweite Gegenvorwurf: Wenn Linneweber und Spelthahn den Vorsitz übernehmen, ist der Wassenberger Bergschadensverein Geschichte. Denn die beiden planten, seiner Darstellung nach, den Verein nach Jülich zu verlegen.

Und dass er sich bereichern wolle, das weist Meurer ebenfalls zurück. Die Gegenrede folgt sogleich: 70 Prozent des Geldes, das der Verein für Prozesskosten zahle, landeten „in der Tasche von Herrn Spelthahn“.

All das zeigt, dass der Graben durch den Verein kaum tiefer sein könnte. Schlimm genug, könnte man meinen. Aber die Auseinandersetzung im BgB wurde Ende des vergangenen Jahres immer absurder. Der Vorstand um Meurer schloss Linneweber und Spelthahn bei einer Vorstandssitzung aus dem Verein aus. Kurz vor einer für den 18. November terminierten Mitgliederversammlung erfuhren Linneweber und Spelthahn davon – die beiden sind immerhin noch stimmberechtigter Beisitzer und stellvertretender Vorsitzender. Linneweber und Spelthahn erwirkten bei Gericht eine einstweilige Verfügung gegen den Ausschluss – und erschienen bei der Versammlung in der Wassenberger Rennbahn.

Der Zutritt sei ihnen aber von drei Türstehern verweigert worden – „Bodyguards“ nennt Linneweber die wohl resolut auftretenden Männer. „Als ich rein wollte, sind die mir an den Kragen gegangen“, sagt er. Mit Hilfe der Polizei gelangten Linneweber und Spelthahn dann doch in den Saal. Meurer brach die Versammlung daraufhin ab.

Bei der Versammlung am Mittwoch haben nun die Mitglieder das Wort darüber, wie es mit dem Verein weitergeht. Sie müssen darüber entscheiden, welcher Version der Geschichte sie glauben. Da derzeit nicht bekannt ist, ob es noch weitere Mitglieder gibt, die Ambitionen auf den Vorsitz haben, ist von einer Kampfkandidatur um den Vorsitz zwischen Meurer und Spelthahn auszugehen. Wie die Abstimmung ausfällt, ist offen. Allerdings habe die Gruppe seit dem 18. November 39 neue Mitglieder „akquiriert“ und sie bei einer Versammlung, von der laut Linneweber und Spelthahn kein Protokoll existiert, aufgenommen. Sie sind wohl stimmberechtigt.

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