Ein Marienaltar soll vom Dachboden zurück in die Kirche

Von: Anna Petra Thomas
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Nach dem Bombenangriff von 1944 blieben nur die 14 Figuren des Altars übrig, die seitdem ihr Dasein auf dem Dachboden der Propstei fristeten. Foto: Anna Petra Thomas
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Architekt Gregor Dewey zeigt, wo die Figuren in Zukunft ihren Platz finden sollen.

Heinsberg. „Nur die alten Heinsberger haben ihn noch in Erinnerung, den prächtigen Marienaltar im nördlichen Seitenschiff der Pfarrkirche, geschaffen von dem Heinsberger Bildhauer Heinrich Koulen.“ So schreibt es der inzwischen verstorbene Heinsberger Historiker Wilhelm Frenken 2012 in seiner Chronik der Propsteikirche St. Gangolf Heinsberg.

Bis zum Bundesfest des Bundes der Historischen Schützenbruderschaften im September dieses Jahres soll dieser Altar nun jedoch wieder aufgestellt werden oder besser gesagt all das, was noch von ihm übrig ist.

Am 16. November 1944 zerstört

Am 16. November 1944, während des Zweiten Weltkriegs fiel der Altar wie so Vieles in Heinsberg einem Bombenangriff zum Opfer. 42 Jahre zuvor, am 14. September 1902, war er geweiht worden. „Die Kosten für diesen Altar betrugen 20.000 Mark, die von den Frauen und Jungfrauen der Pfarrgemeinde aus Spendengeldern aufgebracht wurden“, schreibt Frenken.

Übrig blieben nach dem Bombenangriff genau 14 Figuren, die seitdem ihr Dasein auf dem Dachboden der Propstei fristeten. Engagierte Mitglieder des Kirchenvorstands wie Jakob Zeitzen hätten jedoch immer wieder an diese Figuren erinnert, erklärte Propst Markus Bruns bei einem Treffen mit dem Architekten Gregor Dewey aus Viersen, dem Künstler Jürgen Drewer aus Nettetal-Hinsbeck und dem Metallbauer Willi Jansen aus Heinsberg, die sich jetzt gemeinsam bei der Installation dieser 14 Figuren in der Kirche engagieren.

Man habe lange nachgedacht und viel ausprobiert, erklärte Dewey, auch in Kooperation mit Marc Peez, dem Leiter der Restaurationswerkstatt für organische Materialien im Amt für Denkmalpflege des Landschaftsverbands Rheinland.

Schließlich sei man übereingekommen, dass die Größe des ehemaligen Altars mit einer Höhe von mehr als zehn Metern am besten deutlich werde, wenn die noch vorhandenen Figuren auf der Wand mit den „Mitteln unserer Zeit“ wieder genau dort platziert würden, wo sie auch im Altar ihren Platz hatten. „So entsteht in der Vorstellung des Betrachters wieder der Ort, der hier einmal war“, erklärte der Architekt.

Geplant sind Konsolen aus unbehandeltem Stahl in verschiedenen Tiefen, mit deren Hilfe die Figuren jetzt vor der weiß getünchten Wand wieder ihren Platz finden sollen. Auch soll der Betrachter durch entsprechende Konsolen wieder erkennen können, wo einst die Altarmensa und die Predella, der Sockel auf der Altarmensa, ihren Platz hatten.

Die Funktion eines Zelebrationsaltars soll diese Rekonstruktion des Marienaltars jedoch nicht mehr haben, betonte Bruns. „Das hier ist vielmehr als Hommage an den alten Hochaltar gedacht.“ Um daran zu erinnern, dass der Altar Flügel hatte, die während der Fastenzeit verschlossen waren, soll in dieser Zeit künftig eine violette Stoffbahn vor der Mitte des „neuen“ Altars hängen. Für die Konsolen werde er zehn Millimeter starke Stahlbleche verwenden, erklärte Jansen. Mit Spezialankern sollen diese dann für den Betrachter unsichtbar im Mauerwerk befestigt werden.

„Ich glaube, dass diese figürliche Darstellung in unsere Zeit passt“, lautete das Fazit von Bruns. „Wo das christliche Fluidum weniger wird, braucht es diese alten Schätze, die uns unseren Glauben wieder bildlich vor Augen führen.“

Sieben der 14 Figuren sind schon restauriert. Bei ihnen wurden die noch vorhandenen Farbreste gänzlich entfernt. Bei der Restauration der übrigen sieben Figuren, für die von der Kirchengemeinde St. Gangolf noch Sponsoren gesucht werden, sollen die noch vorhandenen Farben auf dem Holz erhalten bleiben.

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