Ein guter Schiedsmann braucht eine Menge Stehvermögen

Von: Anna Petra Thomas
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Streitschlichter: Schiedsmann Gerd Radermacher, Ordnungsamtsleiter Wolfgang Paulus, der ausgeschiedene Schiedsmann Hans-Joachim Heller, der neue Schiedsmann Thomas Back, Bürgermeister Wolfgang Dieder, Bezirksvereinigungsvorsitzender Hermann-Josef Schmitz und Dezernent Hans-Walter Schönleber (von links). Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. „Man lernt viele nette Leute kennen, aber auch so manche Chaoten.“ So lautet das Resümee von Gerd Radermacher, der in der vergangenen fünfjährigen Wahlperiode Schiedsmann im Bezirk II von Heinsberg war, also für die Orte Heinsberg, Karken, Kempen, Kirchhoven, Lieck, Aphoven, Laffeld und Waldenrath.

In diesem Bezirk wird er nach der Bestätigung durch den Stadtrat auch für weitere fünf Jahre tätig sein. Sein Kollege Hans-Joachim Heller aus Oberbruch jedoch, der bisher im Bezirk I (Ober- und Unterbruch, Dremmen, Porselen, Horst, Randerath, Schafhausen, Schleiden) zuständig war, hat sein Amt aufgegeben. Übernommen hat dieses Thomas Back aus Dremmen, ebenfalls für fünf Jahre bis 2020.

Grund genug für die Stadt Heinsberg, Heller im Rathaus offiziell zu verabschieden und Back offiziell als neuen Schiedsmann vorzustellen. Heller wolle mehr Zeit für Privates haben, jetzt jederzeit seinen Wohnwagen anspannen und losfahren können, sagte er zu seinem Ausstieg aus dem Amt. Zwei Fälle seien ihm besonders in Erinnerung geblieben, erzählte er.

Bei dem einen hätte ein Bruder seine Schwester als hässlich bezeichnet und von seiner Meinung auch in der Schiedsverhandlung nicht abweichen wollen. Um einen Nachbarschaftsstreit sei es in dem anderen Fall gegangen. „Die hatten sich 15 Jahre gefetzt, und die habe ich mit einer Einigung auseinandergekriegt“, sagt Heller. „Aber über eine Quote von 50 Prozent bin ich nicht hinausgekommen.“ Viele Streitigkeiten habe er eben auch nicht schlichten können.

Wie jetzt Thomas Back hatte sich vor rund sechs Jahren auch Radermacher selbst bei der Stadt gemeldet mit dem Wunsch, ein Ehrenamt zu übernehmen. „Man braucht Stehvermögen“, sagte er. „Es ist nicht immer ganz einfach, aber ich habe dadurch viel gelernt.“

Rund 80 Verhandlungen seien es in seiner bisherigen Amtszeit gewesen, hatte er ausgerechnet. „Im vorigen Jahr war ich fast jede Woche hier.“ Und es sei ja nicht die Verhandlung alleine, er müsse sich ja zunächst einmal in die Unterlagen der streitenden Parteien einarbeiten. Und oftmals sei das Verfahren noch mit Ortsterminen verbunden.

Back hat sich aus seiner beruflichen Erfahrung heraus für das Ehrenamt beworben. Er habe seit Anfang 2000 bei einer Bank das sogenannte Beschwerdewesen aufgebaut und dieses auch in den vergangenen zwölf Jahren betreut, berichtete er. Sein dort gewonnenes Know-how will er nutzen.

Bei der kleinen Feierstunde im Rathaus zugegen war neben den für das Schiedswesen zuständigen Mitarbeitern der Verwaltung auch Hermann-Josef Schmitz, Vorsitzender der Bezirksvereinigung Aachen im Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen. Er erläuterte es gebe rund 110 Schiedspersonen, davon etwa ein Viertel Frauen, im Bereich des Aachener Landgerichts und seiner acht Amtsgerichte. Die Stadt Heinsberg sei in diesem großen Zuständigkeitsbereich die einzige Kommune, zu der die Bezirksvereinigung eine regelmäßige Beziehung pflege, würdigte er die guten Kontakte zur Stadt. „Und die Stadt Heinsberg ist ein kleines gallisches Dörfchen“, schmunzelte er mit Blick auf die Fallzahlen. Heinsberg habe beinahe die meisten Fallzahlen im Zuständigkeitsbereich der Bezirksvereinigung.

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