„Ein Flügel für Heinsberg“: Schon mit einer Taste Teil der Kultur

Von: red
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Da war die Freude groß bei Theo Krings (re.): Auch Manfred Rulands und Renate Beumers-Rulands haben jetzt eine eigene Steinway-Taste.

Heinsberg. Für die Jugendmusikschule Heinsberg gab es im Rahmen der Aktion „Ein Flügel für Heinsberg“ schon vor dem Weihnachtsfest einer Bescherung der besonderen Art im Rondell im Heinsberger Klevchen.

Hier bekamen die Spender der Aktion ihre individuell gravierten Duplikate der Tasten des großen Steinway D-Flügels überreicht, für die sie die Patenschaft übernommen haben. 66 der 88 Tasten des edlen Instruments haben inzwischen Privatleute und Firmen als Paten gefunden.

Das Programm der musikalischen Feierstunde eröffneten Hannah Heinrichs (Cello) und Theo Krings (Klavier) mit Gabriel Faurés „Après un rêve“. Sie schlugen mit dieser klingenden Erinnerung an einen Traum gleich die Brücke zur Realisierung des großen Flügel-Traums für Heinsberg. Anschließend berichtet Schulleiter Theo Krings schmunzelnd von der abenteuerlichen Odyssee, welche die Tasten bis zum gewünschten Ergebnis buchstäblich durch halb Europa geführt hatte. Nach Zwischenstation in Polen übernahm die schlussendliche Gestaltung der deutsche Künstler Joachim Martinez, der im südwest-französischen Perigord lebt und arbeitet. Die Gravuren zeigen auf den Seiten der ebenholz- oder elfenbeinbelegten Tasten das Motto der Aktion „Ein Flügel für Heinsberg“ und auf den Oberseiten den jeweiligen Namen des Spenders.

Die Musikbeiträge der Feier waren bewusst so zusammengestellt, dass sie vom alltäglichen Unterricht bis zum großen Konzert mit professionellen Künstlern möglichst viele der Facetten zeigten, für die der Flügel im Alltag genutzt wird. Der elfjährige Christoph Gerards musizierte die Ecossaisen von Ludwig van Beethoven wunderbar farbig und lieferte den Beweis, dass ein gutes Instrument tatsächlich „unterrichtet“. Carina Kirchner ließ mit poppig-modernen Klängen einen kraftvollen Kontrapunkt folgen, nach dem Max Schramm mit einer filigranen Sonate von Joseph Haydn wieder zurück in die Klassik führte. Dass der große D-Flügel auch für Kammermusik bestens geeignet ist, zeigten Clara Heil (Violine) und Marc Anselm (Klavier) mit einem ungarischen Tanz.

Nach der Überreichung der Tasten setzte der Kölner Musikverleger Christoph Dohr rhetorisch und musikalisch einen sehr persönlichen „Punkt“. Zunächst hob er die Außergewöhnlichkeit der Aktion auch aus seiner Sicht als Verleger hervor, der die Musikschularbeit in ganz Deutschland aufmerksam im Blick hat. Musikalisch folgte der beeindruckend aus- und nachklingende, einsame Ton eines von ihm verlegten Stückes: Punkt! Begeistert von der Aktion und der Resonanz kündigte Dohr außerdem an, jeden weiteren Spender, der noch in 2015 die Patenschaft für eine Taste übernimmt, zusätzlich mit einem prunkvollen, gut 100 Euro teuren Bildband (zu den Flügeln der Familie Streicher) zu belohnen.

Nach den Schülern und dem Gast aus Köln übernahm das Kollegium des Fachbereichs Klavier die weitere musikalische Gestaltung in bestem Teamwork selbst in die Hand. Dorothee Broichhausen und Adriana Sanchez spielten dabei die vierhändige Fassung eines argentinischen Tangos. Vorab unterstrich Frau Sanchez aus der ganz persönlichen Sicht einer aus Argentinien stammenden Musikerin noch einmal die Bedeutung dieses besonderen Instruments für die Kultur und die kulturelle Bildung in einer ländlichen Region. Die nächsten vergleichbaren Instrumente gibt es, öffentlich zugänglich, erst wieder im Aachener Eurogress und in der Musikhochschule. In Heinsberg ist der Steinway allerdings auch schon für Schüler zugänglich und sorgt so mit dafür, dass Hochkultur und Basisarbeit zusammen finden.

Den Abschluss der gleichermaßen kurzweiligen wie stilvollen Feier bildeten mit Frank Ollertz und Biem van Hoften die beiden Jazz-Pianisten der Jugendmusikschule. Auch vierhändig, aber diesmal an zwei Flügeln, inspirierten Sie die Zuhörer mit einigen Jazz-Standards und frei improvisierter Musik, die Frank Ollertz mit „mal sehen, was kommt“ ankündigte.

Noch suchen 22 Tasten ihre Paten. Wer ganz persönlicher Teil dieser Investition in Heinsbergs kulturelles Leben werden möchte, kann sich bei der Jugendmusikschule (02452/9243703) und über die Homepage www.heinsberg-befluegelt.de informieren. Eine permanent aktualisierte Grafik mit den Tastenspendern gibt es unter www.jms-hs.de.

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