Ein Dach für die Burg: Maßarbeit mit dem 300-Tonnen-Kran

Von: Daniel Gerhards
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Spektakuläres Schauspiel: Ein 300-Tonnen-Kran hebt die neue Dachkonstruktion auf die Erkelenzer Burg. Foto: CUH
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Aus Holz und Zink: Rund 23 Tonnen ist die Dachkonstruktion, die auf die Burg gehoben wird, schwer. Foto: Daniel Gerhards

Erkelenz. Die Sonnenbrille wollte Peter Fellmin nicht absetzen. Zu emotional war für ihn der Moment, als am Freitagvormittag die neue Dachkonstruktion mit einem 300-Tonnen-Spezialkran auf die Erkelenzer Burg gesetzt wurde. Der Vorsitzende des Vereins Freunde der Burg rang mit den Tränen – und verlor den Kampf.

„Das ist ein erhebendes Gefühl. Nach fünf Jahren Arbeit ist das wunderschön. Ich könnte heulen – tue ich ja auch“, sagte Fellmin.

Vier Wochen lang hatte es gedauert, die Dachkonstruktion für das altehrwürdige Gebäude zusammenzubauen. Der 16 mal 16 Meter große, mit Zink gedeckte Holzdachstuhl war am Fuße der Burg zusammengebaut worden. Und am Freitag wurde die 23 Tonnen schwere Konstruktion dann per Kran in die Höhe befördert.

Ein Spektakel

Dieses Schauspiel wollten sich viele Erkelenzer nicht entgehen lassen. Auf dem Parkplatz nahe der Burg standen mehrere hundert Schaulustige, die sich das Spektakel anschauten – und munter filmten und fotografierten.

Trotz aller Akribie bei den Vorarbeiten war für die Handwerker und die Verantwortlichen des Vereins Freunde der Burg der Freitag doch der Tag der Wahrheit. Denn ob das Dach tatsächlich in die auf der Burg angebrachten Halterungen passt, sahen sie erst, als das Dach tatsächlich oben angekommen war. Generalprobe? Unmöglich.

Unwägbarkeiten

Die Unwägbarkeiten, die eine solche Aktion mit sich bringt, haben ihre Ursache schon im verwendeten Material: „Das Holz verformt sich. Beim Anziehen kann sich der Dachstuhl ein bisschen verdrehen, so dass wir oben die Schwierigkeit haben, dass wir ihn nicht in die Halterungen reinbekommen“, sagte Bauleiter Heinz-Peter Dahmen.

Nachdem die Zimmerleute die Dachkonstruktion an den Zugseilen des Krans befestigt hatten, schwebte das Dach einige Meter in der Höhe. Dann wurde es noch in die richtige Position gedreht und in die Höhe gehoben. Langsam ging es in Richtung Burg, wo Zentimeterarbeit beim Einführen in eigens angebrachte Halterungen folgte. „Wir sprechen da wirklich von Zentimetern. Bei einem Bau aus Holz in der Größe sorgt das schon für einen gewissen Schwierigkeitsgrad“, sagte Dahmen.

Schutz vor dem Verfall

Nötig war das Dach geworden, um die Burg vor dem Verfall zu schützen. „15 Jahre weiter und die Burg wäre nicht mehr zu retten gewesen“, sagte Fellmin. Durch das Burgdach sei es möglich das Erkelenzer Wahrzeichen zu erhalten.

Dafür mussten die Freunde der Burg eine Menge Geld an Land ziehen. Insgesamt kostete das Projekt rund 170.000 Euro. Weil es nicht gelang, das Geld zu 100 Prozent aufzubringen, sprang die Stadt Erkelenz ein. Rund 20.000 Euro schoss der Kämmerer letztlich zu.

Dass Mittel der öffentlichen Hand verwendet wurden, löste in der Politik eine Debatte über Sinn und Unsinn der Aktion aus. Sozialdemokraten und Bürgerpartei sprachen sich beispielsweise gegen einen städtischen Zuschuss aus. CDU und Grüne waren dafür.

Nicht nur wegen des Zuschusses zitterte am Freitag auch Bürgermeister Peter Jansen mit, ob denn alles glattgeht. Sein Fazit: „Das ist perfekt gelaufen.“

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