Ein Dach für die Burg? Bürger sind gefragt

Von: Helmut Wichlatz und Stefan Klassen
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Oben mit: So könnte die Erkelenzer Burg einmal aussehen. Möglicherweise hat es bereits in grauer Vorzeit ein Dach gegeben. Fotomontage: Freunde der Burg/Wortmann

Erkelenz. Bekommt der Turm der Erkelenzer Burg ein Dach? Das Mauerwerk hält der Witterung nicht mehr lange stand, wie ein Schadenskataster der Freunde der Burg ergeben hatte. Nun sollen die Bürger entscheiden.

Nach der Kommunalwahl am 25. Mai wird online über das Thema abgestimmt. Eingereicht hatte den entsprechenden Antrag die Bürgerpartei, die in einem Dach oder Turmhelm eine starke Veränderung eines städtischen Wahrzeichens sieht.

Dass ein solches Dach notwendig sei, erläuterte im Bauausschuss des Rates der Geschäftsführer des Erkelenzer Unternehmens Schleiff, Heinz-Peter Dahmen. Das Bauunternehmen hat sich mit der Sanierung von Denkmalbauten einen Namen gemacht, Dahmen ist im Förderverein der Burgfreunde und hat maßgeblich am Schadenskataster mitgearbeitet, demzufolge in den nächsten zehn Jahren rund 300.000 Euro investiert werden müssten, um die Burganlage und Teile der alten Stadtmauer zu erhalten.

Davon entfallen allein rund 91.000 Euro auf das Dach des Turms. Das ist nämlich in Form eines Trogs gebaut, aus dem Regenwasser nur schwer oder gar nicht ablaufen und deshalb ins Mauerwerk eindringen kann. Zusätzlich gibt es über das Jahr verteilt Temperaturschwankungen von bis zu 80 Grad, die dem alten Gemäuer zusetzen.

Seit der großen Sanierung nach dem Zweiten Weltkrieg musste bereits mehrmals nachgebessert werden. Gebracht hat dies bislang wenig. Denn die Temperaturunterschiede sorgen für eine Spannung, der das Mauerwerk dauerhaft nicht standhalten kann. Das führt zu Rissen und dem Eindringen von Feuchtigkeit.

Zwar ist auch eine Sanierung des Turms möglich, die sein aktuelles Aussehen und seine begehbare Oberfläche nicht verändern würde, doch wäre dies nach Expertenmeinung deutlich aufwendiger. Aus bautechnischer Sicht sei die Schutzdachlösung für die Erhaltung der jahrhundertealten Bausubstanz die sinnvollere Option, heißt es.

Nun wollen die Freunde der Burg dem Turm ein Dach verpassen, um ihn vor der Witterung zu schützen, zumal die Investition durch Spenden getragen werden soll. Geplant ist eine Trapezdachlösung mit einem Neigungswinkel von 23 Grad, die auch nicht den Anspruch erhebt, dem wahrscheinlich früher dort einmal vorhandenen Dach zu ähneln. Denn wie es oben auf dem Turm einmal ausgesehen hat, weiß heute keiner mehr.

Sowohl der Fördervereinsvorsitzende Peter Fellmin als auch Dahmen betonten, dass das Dach eine reine Schutzfunktion hätte. Rund 100 Jahre habe man dann dank eines „einfachen und die Mauersubstanz erhaltenden Schutzdaches“ Ruhe mit dem Thema. Laut Ansgar Lurweg, Technischer Beigeordneter, würde eine solche Lösung keine Probleme mit der Denkmalbehörde mit sich bringen: „Die Stadt Erkelenz hat diesen Lösungsvorschlag mit dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege abgestimmt. Dort steht man einer Lösung mit einem modernen Schutzdach aufgeschlossen gegenüber.“

Wären da aber nicht auch diverse Logos und Stempel der Stadt, die den Turm eben ohne sein Dach zeigen. Und genau deshalb hatte die Bürgerpartei einen Antrag eingereicht, in dem eine Bürgerbefragung via Internet über das Dach gefordert wurde. Das war den Ausschussmitgliedern allerdings zu wenig. Mit einer reinen Abfrage „ja oder nein“ sei niemandem geholfen, lautete der allgemeine Tenor.

Heute Abend berät der Rat

Der Ausschussvorsitzende Karl-Heinz Frings, seines Zeichens Fraktionsvorsitzender der Bürgerpartei, bemängelte, dass außer dem einen keine weiteren Vorschläge gemacht worden seien. Darüber hinaus bezweifelte er, dass das Dach ohne Helm nicht dicht zu bekommen sei.

Der Technische Beigeordnete Ansgar Lurweg sprach sich ebenfalls für eine Bürgerbefragung aus, die direkt nach der Wahl im Mai stattfinden soll. Und: Angesichts der Bedeutsamkeit des Projektes für die Stadtsilhouette sei auch ein breiter Konsens in der Politik erforderlich. Mit einer Gegenstimme entschied sich der Bauausschuss für diesen Weg. Heute Abend tagt der Erkelenzer Stadtrat, um weitere Weichen auch zu diesem Thema zu stellen. Die Sitzung ist öffentlich und beginnt um 18 Uhr im Alten Rathaus.

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