FuPa Freisteller Logo

Ein buntes Ausrufezeichen für Toleranz mit 1000 Demonstranten

Von: Daniel Gerhards
Letzte Aktualisierung:
11832001.jpg
Ein beeindruckendes Zeichen für Toleranz und Offenheit: Rund 1000 Menschen demonstrierten in Erkelenz gegen einen offensichtlich rechten Aufmarsch. Foto: D. Gerhards
11832003.jpg
Erkelenz im Zeichen zweier Demonstrationen: Am Mittag versammeln sich im Ziegelweiherpark rund 1000 Menschen... Foto: D. Gerhards
11832009.jpg
... um gegen eine offensichtlich rechte Kundgebung zu demonstrieren. Foto: D. Gerhards
11832048.jpg
Im Anschluss reinigen sie die Straßen, über die die rechten Demonstranten gezogen waren. Foto: D. Gerhards
11832008.jpg
Christoph Stolzenberger war von der großen Teilnehmerzahl überwältigt. Foto: D. Gerhards
11832004.jpg
Die Polizei war mit mehreren hundert Kräften im Einsatz. Foto: D. Gerhards

Erkelenz. Christoph Stolzenberger rang um Fassung, als er die vielen Menschen vor der Bühne im Ziegelweiherpark sah. Die Tränen der Rührung zurückzuhalten, fiel ihm sichtlich schwer. Es war ein Ausrufezeichen, das die Teilnehmer der Demonstration für eine bunte und tolerante Gesellschaft am Samstag in Erkelenz setzten.

Rund 1000 Menschen waren dem Aufruf von Stolzenberger und des Bündnisses gegen Rechtsextremismus im Kreis Heinsberg gefolgt. Die Demonstration „Bürger gegen Hass, Gewalt und Rassismus. Für eine offene, tolerante, friedliche und bunte Stadt Erkelenz“ war eine direkte Antwort auf die offensichtlich rechte Kundgebung „Bürger stehen auf Erkelenz“, die nur etwa 100 Meter entfernt an der Erkelenzer Burg stattfand.

Den Aufruf zur bürgerlichen Gegendemonstration hatte ein breites Bündnis unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen aus Politik, Kirche, Kultur, Wirtschaft und Vereinswelt unterstützt. Es zeigte sich, dass der bei Weitem überwiegende Teil der Teilnehmer aus der Mitte der Gesellschaft kam.

Was die genaue Größe der Demonstration angeht, kursierten im Laufe des Tages unterschiedliche Zahlen. Zwischenzeitlich war von mehr als 1000 Teilnehmern die Rede, am Samstagabend nannte die Polizei die Zahl von 900 bürgerlichen Demonstranten. Christoph Stolzenberger vom Bündnis gegen Rechtsextremismus sprach von der größten Demonstration, die es bislang in Erkelenz gegeben habe – mit Ausnahme des Tagebaus Garzweiler. „Wenn das kein starkes Zeichen ist, dann weiß ich es auch nicht“, sagte Stolzenberger. Zur „asylfeindlichen“ Kundgebung kamen laut Polizei 130 Demonstranten.

Angesichts der großen Zahl der Teilnehmer an der bürgerlichen Demonstration war Stolzenberger überwältigt: „Das ist der Wahnsinn. Ich hatte das Pipi in den Augen stehen.“ Mit ihrem Kommen stellten die Teilnehmer unter Beweis, dass Liebe stärker sei als Hass. „Die Willkommenskultur in Erkelenz lebt“, sagte er.

Das Organisationsteam um Stolzenberger habe in den vergangenen zwei Wochen jeden Tag bis tief in die Nacht gearbeitet, um die Demo auf die Beine zu stellen. Den Lohn für ihre Arbeit erhielten sie am Samstag. „Es ist ein unheimlich schönes Gefühl, die vielen Menschen zu sehen. Die Arbeit, der Stress und die schlaflosen Nächte haben sich gelohnt“, sagte Mitorganisator Wilfried Mercks. Er sei stolz auf die Stadt Erkelenz. Nicht nur, weil so viele Menschen kamen, sondern auch, weil sie ein so buntes Bild abgaben.

Für eine dritte Demonstration „Solidarität mit allen Geflüchteten“ versammelten sich rund 70 Teilnehmer aus dem linksautonomen Spektrum. Diese Demo fand laut Polizei aber nicht statt, weil sich die Gruppe der großen bürgerlichen Demonstration anschloss.

Nach der mehr als zweistündigen rechten Kundgebung zogen deren Teilnehmer durch die Erkelenzer Innenstadt zum Bahnhof. Das bürgerliche Lager folgte ihnen mit einem Sicherheitsabstand von rund 200 Metern – und säuberte die Straßen symbolisch mit mitgebrachten Besen. Die linksautonome Gruppe bildete im Demonstrationszug im Ansatz so etwas wie einen schwarzen Block. Auf dem Weg zum Bahnhof blieb es aber friedlich. In der Nähe des Bahnhofs lösten sich beide Demonstration auf.

Laut Polizei verlief der Tag im Ganzen „ohne größere Zwischenfälle“: Die Polizei erteilte 42 Platzverweise. Aus „gefahrenabwehrenden Gründen“ nahm sie eine Person in Gewahrsam. Zwei Personen erhielten eine Anzeige wegen Beleidigung beziehungsweise Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Wie viele Beamte an diesem Tag im Einsatz waren, wollte die Polizei nicht sagen. Pressesprecherin Angela Jansen sprach von mehreren hundert Einsatzkräften. Darunter waren Polizisten aus Einsatzhundertschaften, von einer Reiter- und einer Hundestaffel und Beamte der Kreispolizeibehörde Heinsberg. Damit Einsatzleiter Andreas Bollenbach, Leiter der Abteilung Polizei der Kreispolizeibehörde, die Lage jederzeit im Auge zu haben konnte, kreiste ein Hubschrauber über Erkelenz, der Bilder vom Geschehen am Boden übermittelte.

Was aus der Luft wohl nur zu erahnen war: Im Ziegelweiherpark zeigte sich Erkelenz ab den Mittagsstunden von seiner freundlichen Seite. Es kamen Menschen aller Altersklassen. Auch Familien mit Kindern und Senioren. Vertreter von Parteien, Kirchen und anderen gesellschaftlichen Gruppen hielten Reden. Deren Tenor war: Erkelenz ist bunt, offen und tolerant, für Fremdenhass und Rassismus ist kein Platz.

Keine Grenzen ziehen

Einer der Redner, Pfarrer Günter Wild, sagte, dass man keine Grenzen entlang von Konfessionen oder Nationalitäten ziehen dürfe. „Jeder Mensch hat ein Recht, hier zu sein. Besonders, wenn er aus einer Gegend kommt, in der es Bomben und Krieg gibt“, sagte er.

Bürgermeister Peter Jansen sagte, dass es nötig sei, „klare Kante“ gegen die offensichtlich fremdenfeindliche Demonstration zu zeigen. „Das ist das, was unser Land kaputt macht“, sagte er. Man könne die Asylpolitik kritisieren, aber man dürfe nicht mit Hass und Fremdenfeindlichkeit reagieren, sagte Jansen. Zu den rechtstaatlichen und demokratischen Werten der Gesellschaft gehöre auch das Recht auf Asyl. Die Prinzipien der Verfassung hätten Deutschland in der Welt zu einem angesehenen, beliebten und wirtschaftlich erfolgreichen Land gemacht. Die Willkommenskultur müsse in Erkelenz weiterhin gelebt werden, sagte Jansen.

Das große Polizeiaufgebot diente laut Sprecherin Jansen dazu, die Versammlungsfreiheit beider Gruppen zu schützen und die Sicherheit der Teilnehmer zu garantieren. Offensichtlich waren viele Erkelenzer zufrieden mit der Arbeit der Polizei. „Wir haben aus der Bevölkerung sehr viele positive Rückmeldungen bekommen. Die Leute sagen uns, dass sie sich sicher fühlen, weil viele Polizisten auf der Straße sind“, sagte sie.

Ein größeres Verkehrschaos blieb im Übrigen aus, obwohl die Polizei die Innenstadt für den Fahrzeugverkehr gesperrt hatte. Weil sich die Erkelenzer offensichtlich gut auf die Situation eingestellt hatten, kam es laut Polizei „lediglich zu geringfügigen Verkehrsbehinderungen“.

Am späten Nachmittag, hatte Christoph Stolzenberger seine Fassung wiedergefunden. Es schien, als wolle er sich bei jedem einzelnen Teilnehmer bedanken. Die Demonstration verlief so, wie er es sich gewünscht hatte: groß, bunt, friedlich.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.