Ehemaliges Amtsgericht ist Herausforderung für Stadtplaner

Von: Helmut Wichlatz
Letzte Aktualisierung:
13320640.jpg
Grund für Diskussionen: Das neue Amtsgericht (l.) ist bezogen, das alte steht nun ebenso wie das Ex-Gesundheitsamt und die ehemalige Polizeiwache leer. Foto: Stefan Klassen
13320642.jpg
„Unschöne Gasse am Hintereingang“: die Kölner Straße am neuen Amtsgericht. Foto: Stefan Klassen

Erkelenz. Das alte Amtsgericht rückt immer mehr in den Fokus des Interesses. Nach dem Umzug des Gerichts in den Neubau nebenan soll die Fläche genutzt werden, um der Entwicklung in der südlichen Innenstadt neue Impulse zu geben.

Aus diesem Grund war eine Potenzialanalyse in Auftrag gegeben worden, die im Januar vorgestellt und diskutiert worden war. Bei der Folgeveranstaltung in der Volksbank am Konrad-Adenauer-Platz wurden nun drei Planungsvarianten präsentiert, die eine flexible Nutzung des Areals für Einzelhandel, Dienstleistung und Wohnen vorsehen.

Zu Beginn der Veranstaltung erinnerte Bürgermeister Peter Jansen daran, dass „der Prozess südliche Innenstadt“ schon seit rund 15 Jahren im Gange sei. Damals drohte der Bereich zur „Schmuddelecke“ zu verkommen, erklärte er und erinnerte an den jahrelangen Leerstand im Vorgängergebäude der heutigen Volksbank. Die Potenziale des Standortes am Bahnhof gelte es nach eingehender Analyse umzusetzen. In diesen Prozess hätten sich schon viele Bürger mit Ideen und Anregungen eingebracht.

Wohnen und arbeiten

„Wir tasten uns langsam heran“, erklärte der Technische Beigeordnete Ansgar Lurweg. Nach der ersten Veranstaltung in den Räumen der Kreissparkasse im Januar sei man nun an Ort und Stelle. Denn neben der Volksbank und dem neuen Amtsgericht werden durch eine bauliche Inanspruchnahme Fakten geschaffen. Daher sei der Dialog aller involvierten Gruppen wichtig. Gastronomen, Handel, Anwohner, Eigentümer und die Erkelenzer Bürger waren aufgerufen, die Nutzung des Potenzials an diesem rund 7500 Quadratmeter großen Standort zu diskutieren.

Der Standort sei keine „1A-Lage“, könne es aber werden, betonte Lurweg. Dafür müssten Politik und Verwaltung die passenden Rahmenbedingungen schaffen, bevor das Grundstück nebst Gebäudeensemble voraussichtlich im Frühjahr europaweit ausgeschrieben werden kann.

Die Dortmunder Planungsgesellschaft Scheuven + Wachten plus hatte auf Basis der Analyse drei Nutzungsvarianten erstellt, die Städteplaner Stefan Hartlock präsentierte. Zuerst, so führte er aus, habe man die Option eines zumindest teilweisen Erhalts des Gebäudebestands ebenfalls diskutiert, sei jedoch zu der Einsicht gekommen, dass ein vollständiger Rückbau die beste Lösung zur Schaffung eines neuen innerstädtischen Quartiers sei.

Die Varianten, die er vorstellte, sehen die Schaffung von Wohnraum auf bis zu 4700 Quadratmetern vor. Rund 40 Wohnungen könnten dort entstehen. Die Flächen für den Einzelhandel variieren zwischen 2600 und über 6000 Quadratmetern, bei den Dienstleistungen wie Büros und Praxen wird zwischen 1300 und über 5000 Quadratmetern geplant. „Parken ist in diesem Bereich eine Herausforderung“, betonte Hartlock, weshalb von der Tiefgarage bis hin zum zweigeschossigen Parkdeck die möglichen Varianten durchgespielt wurden.

Viel Zuspruch fand eine Variante, die einen öffentlichen Platz beim in Atriumform beinhaltet, der über einen Fußweg an die Kölner Straße angebunden wäre.

In der anschließenden Diskussion wurde die Verkehrssituation in dem Bereich kritisiert. Die Kölner Straße müsse man durch eine „unschöne Gasse am Hintereingang des Amtsgerichtes“ verlassen, kritisierte Jochen Rüskens. Auch die Ratsfrau Beate Schirrmeister-Heinen (Grüne) kritisierte den schwierigen Verkehrsfluss in diesem Bereich. Hartlock erklärte, dass auch eine bauliche Veränderung der Situation möglich sei. Dies hätte aber zur Folge, dass zumindest das Gebäude hinter dem Amtsgericht zurückgebaut werden müsste. Das Gebäude stehe jedoch unter Denkmalschutz, gab der Grünen-Ratsherr Ulrich Wendt zu bedenken.

Parkraum unter der Erde?

Dieter Spalink von der SPD sprach sich dafür aus, auch weiterhin auf weniger Verkehr in der Innenstadt zu setzen und zusätzlich Parkraum unter die Erde zu verlegen.

Darüber, ob von dem dort geplanten Neubau die gewünschte Magnetwirkung auf den Einzelhandel ausgehe, schieden sich die Geister. Anwohner verwiesen auf den schon jetzt existierenden Leerstand auf der Kölner Straße. Frank Rucman vom Gewerbering sprach hingegen von einer „historischen Chance“ für die Stadt. Daher müsse dort ein „qualitativ hochwertiger Pol“ geschaffen werden. Ansgar Lurweg erklärte abschließend, dass der Standort nicht leicht zu entwickeln sei. „Je mehr Vorgaben wir machen, desto schwieriger wird die Vermarktung“, lautete sein Fazit.

Nun ist die Politik gefragt, um die Rahmenbedingungen für eine Ausschreibung und damit die Suche nach einem Investor zu schaffen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert