Ehefrau erwürgt und verbrannt: Sieben Jahre Haft

Von: Kurt Lehmkuhl
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Mönchengladbach/Erkelenz. Zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren wegen Totschlags hat die siebte große Strafkammer am Landgericht Mönchengladbach am Montag einen 68-jährigen Mann aus Erkelenz-Granterath verurteilt.

Dennoch konnte der Rentner am Montag noch das Gefängnis verlassen, in dem er seit seiner Festnahme Anfang Oktober in Untersuchungshaft einsaß. Der Haftbefehl wurde gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt.

Der Rentner hatte am 22. September seine 64-jährige Ehefrau erwürgt und den Leichnam später auf einer Lichtung in einem Waldstück bei Hückelhoven-Altmyhl verbrannt. Vier Tage später meldete er seine Frau als vermisst. Am Tathergang bestanden nie Zweifel, zumal der Angeklagte geständig ist, auch wenn er sich nicht detailliert erinnern kann.

Ausschlaggebend für die Tat war der ständige Streit um Geld für den gemeinsamen Sohn, dessen Unterstützung das Paar selbst in finanzielle Schieflage gebracht hatte. Auch am Tattag hatte der Angeklagte nicht - wie von seiner Frau gefordert - Geld beschafft, um den Sohn zu unterstützen. Deswegen kam es zu dem folgenschweren Streit, bei dem die Frau den Rentner massiv beleidigt und auch körperlich attackiert haben soll. Der Mann hat nach Auffassung des Gerichts billigend in Kauf genommen, dass seine Frau sterben könnte, wenn er ihr den Hals zudrückt. Zwar habe er sie nicht in Tötungsabsicht gewürgt, aber er sei bestrebt gewesen, dass sie „sicher” Ruhe gibt.

Mit dem Strafmaß folgte das Schöffengericht unter Vorsitz von Lothar Beckers dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Allerdings war die Begründung eine andere. Während Staatsanwalt Peter Aldenhoff in seinem Plädoyer von einem Totschlag in einem minderschweren Fall ausging, nahm das Gericht eine verminderte Schuldfähigkeit an. Der Gutachter hatte eine schwere Persönlichkeitsstörung angenommen: Er sei sehr konfliktscheu und in der Ehe von seiner Frau jahrelang „an die Wand” gespielt worden. Auch der Verteidiger des Rentners, Jürgen Laps, hatte um eine „maßvolle Bestrafung” gebeten, da der Angeklagte kein klassisches Motiv und keine Vorteile von der Tat hatte und zudem nach der Tat ein gebrochener Mann sei.

Während die Verteidigung mit diesem Ausgang des Verfahrens zufrieden schien, hatte die Staatsanwaltschaft Bedenken wegen der Aussetzung der Haft, bis ein Platz im offenen Strafvollzug gefunden wird. Die sofortige Beschwerde wurde vom Gericht zurückgewiesen. Das Oberlandesgericht muss jetzt entscheiden, ob das rechtmäßig ist.
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