Heinsberg - „Ehe für alle“: Schon im Oktober könnten die ersten Paare heiraten

„Ehe für alle“: Schon im Oktober könnten die ersten Paare heiraten

Von: anna
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Stefan Meyer (l.) und Carsten Weinholz freuen sich über das Gesetz, das homosexuellen Paaren eine Ehe ermöglicht. Foto: anna

Heinsberg. Nachdem der Bundestag das Gesetz der „Ehe für alle“ beschlossen hat, muss es noch einen kleinen Weg gehen, bevor die ersten Paare sich auch in den Standesämtern der Region ihr Jawort geben können. Der Bundesrat, bei dem das Gesetz am Freitag auf der Tagesordnung steht, könnte noch Einspruch einlegen.

Damit ist aber nicht zu rechnen, da von hier der Vorschlag für das Gesetz kam. Danach muss der Bundespräsident das Gesetz noch unterschreiben. In Kraft tritt das Gesetz drei Monate nach der Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt. Wenn alles schnell geht, könnten im Oktober die ersten gleichgeschlechtlichen Paare heiraten.

„Ich finde es sehr gut, dass es so gekommen ist“, sagt Stefan Meyer aus Heinsberg-Kempen zur „Ehe für alle“. Der 52-Jährige war seit 2008 „verpartnert“, wie er sagt, ist seit dem vergangenen Jahr geschieden, hat aber inzwischen mit Carsten Weinholz (49) wieder einen neuen Partner gefunden.

„Das war eine richtige Scheidung“, erklärt er zum Ende seiner ersten eingetragenen Lebenspartnerschaft und resümiert, dass sich aus einer festen gleichgeschlechtlichen Verbindung bisher mehr Pflichten als Rechte ergeben hätten. „Ich bin ein gebranntes Kind“, sagt er und denkt derzeit nicht über eine neue Partnerschaft in Form einer echten Ehe nach. „Man kann auch so gut zusammen leben“, sagt er.

Dass eine Partnerschaft zwischen zwei Männern oder zwei Frauen künftig auch „Ehe“ heißen soll, findet er ganz normal. Schon in seiner ersten Lebenspartnerschaft hätten Familie und Freunde dauernd von „Ehe“ gesprochen, erzählt er. „Da mussten wir sie immer korrigieren.“ Eine direkte Verbindung zwischen der neuen gesetzlichen Regelung und der Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Paare in der Gesellschaft sieht er jedoch nicht. Für ihn liegt da der Fokus eher auf der individuellen Lebenssituation. Er hält es da mit dem alten Sprichwort „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.“

„Ich glaube eher, dass sich die Darstellung in den Medien ändern wird“, sagt Meyer. Bisher seien doch homosexuelle Menschen meist nur als Paradiesvögel dargestellt worden und die Gesellschaft habe diese Sicht für sich verallgemeinert. „Aber es kommt doch immer darauf an, wie man sich selbst gibt“, erklärt er. „Wir haben im Dorf mitgemacht und sind auch schnell akzeptiert worden.“ In der Session 2013/14 war Meyer als Stefan II. sogar Karnevalsprinz der KG Kemper Gröne und wurde dabei von seinem damaligen Lebenspartner als Edelmann begleitet.

„Ich habe heute noch Hochachtung davor, wie uns nicht nur die Kempener Bevölkerung damals akzeptiert hat“, betont er. Noch heute werde er vielfach und sehr positiv darauf angesprochen.

„Eigentlich ist es doch nichts anderes, als dass wir eine andere Sexualität haben“, sagt Meyer. „Wenn man mit anderen Menschen lebt, selbst Toleranz übt und den anderen akzeptiert, wie er ist, dann ist da doch gar keine Diskussion mehr.“

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