„E-Tiefengrund“: Musik mit Wechselspannungen

Von: Helmut Wichlatz
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Michael „Mick“ Kempe von e-Tiefengrund spielt ein sehr besonderes „Instrument“. Foto: hewi

Erkelenz-Lövenich. Michael und Silvia Kempe alias e-Tiefengrund sind mit ihrem neuen Album „The Code“ dem DNA-Schlüssel des Lebens auf der Spur. Den Kunstfreunden in der Region sind die beiden Kempes als „Erfinder“ des Internetportals Kunstlabor längst ein Begriff.

Sie führten damals die weit gefächerte und verstreut agierende Kunstszene in der Region zusammen und schufen ein Portal für Austausch und Kontakt. Einige kreative Verbindungen und Projekte kamen so zustande. Unvergessen bleiben auch die Kunstlabor-Events auf der Erkelenzer Burg.

Umso erstaunlicher war die Nachricht, als die beiden Lövenicher im vorigen Jahr ihren Rückzug aus dem Vorstand des kreisweiten Vereins bekanntgaben. „Kunstlabor besteht weiter, das ist gesichert“, hatte Kempe erklärt. „Und wir haben Zeit, uns den eigenen Projekten zu widmen.“

Das Ergebnis sind vier live eingespielte Lieder, die dritte dokumentierte Voltage-Session. Inspiriert wurden die beiden Musiker dabei von nichts Geringerem als dem DNA-Code des Lebens. „Vier chemische Basen, die in ihrer Kombination den Schlüssel des Lebens beinhalten“, schwärmt Kempe. „In der DNA ist alles codiert, was den Menschen ausmacht.“ Und so, wie durch die Selbstorganisation der Moleküle Leben entsteht, ist es auch mit der Musik der beiden. Die elektronischen Klangwelten der Tüftler entstehen durch Wechselspannung.

Durch eine Veränderung der Spannung und Koppelung verschiedener Module entstehen die Töne. Was kompliziert klingt, hat mancher Musikfreund bei Tangerine Dream, Klaus Schule oder dem frühen Kraftwerk gehört. So, wie bei den bekannten Vertretern der sogenannten „Berliner Schule“, spielt der Computer nur als Aufnahmegerät eine Rolle, um die Live-Session für die Nachwelt zu dokumentieren. Die Tracks werden nämlich an einem Stück eingespielt und abgemischt.

„Ein Fehler, und man fängt wieder ganz von vorne an“, erklärt Silvia Kempe. Und dieses „ganz vorne“ wird dann natürlich nicht mehr so wie beim ersten Versuch. Den Sessions gehen einige Tage der Vorbereitung voran. Verbindungen müssen geschaltet, Sequenzen programmiert und sogenannte „Patches“ gelegt werden, bevor es losgehen kann. Deshalb ist es auch so schwierig, die Musik von e-Tiefengrund live aufzuführen.

Eine Einladung eines amerikanischen Radiosenders zu einem Elektronikfestival nach Philadelphia konnten die beiden Musiker schon aus logistischen Gründen nicht annehmen. „Der Transport unserer Ausrüstung hätte jedes Budget gesprengt“, weiß Michael Kempe.

Denn die Szene ist noch klein und dementsprechend lässt sich mit den Musikprojekten nicht „das große Geld“ verdienen. Doch darum geht es den beiden Klangbastlern nicht. „Die Musik bleibt weiter unser Hobby“, sind sie sich einig. Ihr Privatstudio in Lövenich ist trotzdem eine der kreativen Brutstätten der weltweit vernetzten Elektronikszene. Auf das nächste spannungsgeladene Musikprojekt darf man gespannt sein.

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