Durch Boxen das Selbstvertrauen stärken

Von: Rainer Herwartz
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Aufmerksam zuhören und am Beispiel lernen: Boxtrainer Frank Reifenrath zeigt seinen Schülern nach einem umfangreichen Aufwärmprogramm, wie es gemacht wird. Foto: Herwartz

Heinsberg. Zur Beruhigung besorgter Väter und Mütter sowie all derjenigen, die vielleicht mitmachen möchten, sei gesagt, ständige Schläge gegen den Kopf solle es nicht geben. Ab Januar bietet der TV Eintracht Heinsberg ein Boxtraining an, das wirklich für jedermann geeignet ist. Das Training ist als Breitensport konzipiert und bietet ein perfektes Ganzkörpertraining für Einsteiger und Fortgeschrittene.

„In kaum einer anderen Sportart können Sie in so kurzer Zeit den kompletten Körper und Geist trainieren. Es fördert die Konzentrationsfähigkeit und gleichzeitig die sportmotorischen Fähigkeiten wie Koordination, Kraft, Beweglichkeit, Schnelligkeit und Ausdauer“, sagt Frank Reifenrath. Und der weiß, wovon er spricht. Schließlich blickt der 49 Jahre alte Diplom-Kaufmann auf eine 34-jährige Erfahrung im Kampfsport zurück, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt. „Ich bin durch eine Verletzung zum Taekwondo gekommen. Ich hatte eine Wachstumsstörung im Knie, die sich später ausgewachsen hat.“ Deshalb habe er damals mit dem Fußballspielen aufhören müssen. Beim Taekwondo habe ihn das vorübergehende Handicap allerdings nicht beeinträchtigt. „Hier macht man sich mindestens 30 Minuten warm, ehe es mit der gezielten Belastung losgeht.“

Parallel hatte Reifenrath vor etwa 13 Jahren das Boxen für sich entdeckt. „Und dann bin ich beim Boxen hängengeblieben.“ Mittlerweile trainiert er eine bunte Truppe von begeisterten Boxschülern zwischen 16 und 50 Jahren. „Wir treffen uns in unserer kleinen Boxtruppe seit drei Jahren.“

Das Trainingsgym, in dem die Jungs den Schweiß rinnen lassen, erinnert auf den ersten Blick ein wenig an die Rocky-Filme der 1980er Jahre. Eine Werkstatt auf einem Hinterhof an der Waldfeuchterstraße in Kirchhoven wurde kurzerhand umfunktioniert. Matten stapeln sich an der Wand, ein paar Boxsäcke hängen an der Holzdecke und der Weihnachtsbaum der kleinen Feier, die die Firma, die den Boxern den Raum zur Verfügung stellt, hier kürzlich abgehalten hat, steht noch etwas traurig in der Ecke herum. Die „Boxwerkstatt“ in dieser Form ist ab dem ersten Donnerstag nach den Weihnachtsferien allerdings Geschichte, dann nämlich ziehen die Freizeitsportler in die Sporthalle des Kreisgymnasiums um, wo jeweils donnerstags zwischen 18 und 20 Uhr das Boxtraining stattfinden wird.

„Ich bin durch ein Vorstandsmitglied des TV Eintracht vor etwa zwei Monaten gefragt worden, ob ich mir vorstellen könnte, Boxen als Breitensport für den Verein anzubieten.“ Und Frank Reifenrath konnte.

„Das Training eignet sich als Hauptsportart, aber eben auch als gesunder Ausgleich zu vielen anderen, oft einseitig belastenden sportlichen Aktivitäten“, erklärt der 49-Jährige, der hauptberuflich zusammen mit einem Kollegen die Beraterfirma Eu-con betreibt.

„Boxen eignet sich perfekt zum Stressabbau. Bereits nach kurzer Zeit hat dies sehr positive Auswirkungen in allen Lebensbereichen. Es hilft bei der Vorbereitung auf körperliche Arbeit, aber auch bei der Verhinderung von stressbedingten gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die durch negativen Stress im beruflichen und privaten Bereich oder auch in Prüfungssituationen entstehen.“ Die Teilnehmer benötigten keinerlei Erfahrung, da das Training in den nächsten Monaten dem jeweiligen Trainingsstand der Sportler angepasst werde, erläutert er. Es würden verschiedene Gruppen gebildet, so dass jeder dabei auf seine Kosten komme. „Jeder darf entscheiden, ob er als Ziel wirklich einmal im Ring stehen will, er ein leichtes Sparring erreichen will, oder einfach technisch perfekt am Boxsack und an der Pratze arbeiten möchte.“

Sein Know-how hat Reifenrath unter anderen auch bei den Boxweltmeistern Sven Ottke und Arthur Abraham erworben, ebenso wie bei Meistertrainer Ulli Wegner. „Ich besuche regelmäßig Boxcamps und veranstalte sie auch“, meint der begeisterte Boxlehrer.

Und was reizt seine Schüler an dem Sport? Kalle (50): „Boxen hilft, sich auch im Leben durchzuboxen. Man baut Selbstvertrauen auf, Körperspannung, es hilft, sich zu spüren und baut Aggressionen ab.“ Fachinformatiker Max (28) ist der Meinung: „Es ist ein toller Ausgleich zum Sitzen am PC.“ So ähnlich sieht es auch der 16-jährige Marian, der zudem noch Ju-Jutsu betreibt: „Beim Boxen powert man sich noch mehr aus.“

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