Heinsberg - Duale Ausbildung zum Elektroniker: Nicht auf der Leitung stehen

Duale Ausbildung zum Elektroniker: Nicht auf der Leitung stehen

Von: Rainer Herwartz
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Mit einer langen Leitung kann Maximilian Jansen nichts anfangen, denn seine duale Ausbildung zum Elektroniker mit Fochhochschulabschluss in der Tasche erfordert Grips und Durchhaltevermögen. Foto: Rainer Herwartz
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Wo früher fünf Steuerungskästen benötigt wurden, reicht heute einer: Im Betrieb von Johannes Schroeder sind die Anforderungen gestiegen.

Heinsberg. Im Kammerbezirk Aachen sei es ein Novum, sagt Johannes Schroeder. Sein Elektro-Handwerksbetrieb sei der bislang einzige, der jungen Schulabsolventen die Möglichkeit biete, eine Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik und gleichsam an der FH Aachen den Bachelor zu absolvieren. Und Maximilian Jansen ist seinerseits bislang der Einzige, der das Angebot des Heinsberger Unternehmers nun – hoffentlich mit Erfolg – in die Tat umsetzen darf.

„Ich biete die Ausbildung seit Anfang 2014 an“, sagt Schroeder. „Der erste Grund ist, dass wir in unserem Berufsbild mit erhöhten Anforderungen konfrontiert werden. Wir arbeiten nahezu ausschließlich für die öffentliche Hand. Und da sind Bus- und Gebäudeleittechnik Standard. Dafür brauchen wir entsprechend qualifizierte Leute.“ Viele Systeme müssten miteinander verbunden werden, so zum Beispiel Sicherheitstechnik, Heizung, Lichttechnik oder Sonnenschutz. „Früher hatte man fünf verschiedene Steuerungskästen, heute nur noch einen“, sagt Schroeder.

Der zweite Grund

„Der zweite Grund ist, dass wir reduzierte Bewerberzahlen im Handwerk haben und einem zukünftigen Mangel an Fach- und Führungskräften entgegenwirken möchten“, fährt der Heinsberger Unternehmer fort. „Vor rund zehn Jahren zählten wir noch 50 Bewerber im Jahr, heute sind es noch 15.“ Hätten sich damals noch ausschließlich Haupt- und Realschüler bei ihm vorgestellt, so seien es mittlerweile auch Abiturienten, die den Gesellenbrief anstrebten. Fünf von ihnen beschäftigt Schroeder im Augenblick unter seinen insgesamt 20 Auszubildenden.

Sein neuer Azubi, der ab dem nächsten Sommersemester an der Fachhochschule in Jülich die Vorlesungen besuchen wird und damit auch einen neuen Weg beschreitet, rechnet sich so Einiges für eine gute berufliche Zukunft aus. „Ich glaube, dass mich das Ergebnis später nach vorn trägt“, sagt Jansen.

Mehrere Auswahlmöglichkeiten habe er gehabt, erklärt der 18-Jährige aus Eschweiler. Dort hat er an der Bischöflichen Liebfrauenschule sein Abitur gemacht. Über die Webside der Fachhochschule Aachen stieß er auf das Heinsberger Unternehmen, denn alle Kooperationspartner der Fachhochschule waren fein-säuberlich aufgelistet. Ganz bewusst entschied sich der 18-Jährige gegen einen großen Industrie- und für einen bodenständigen Handwerksbetrieb.

„Ich wollte die Hintergründe von alltäglichen Dingen verstehen und erfahren. An der Elektrotechnik hat mich besonders fasziniert, dass hier viele technische Bereiche miteinander verknüpft werden.“ Schon auf dem Gymnasium hätten ihn die Fächer Mathematik und vor allen Physik begeistert. Vielleicht wurde ihm die Neigung zu Naturwissenschaft und Technik schon etwas in die Wiege gelegt. „Mein Vater ist Mechatroniker“, sagt Maximilian Jansen.

Wenn alles klappt, wird er nun nach zweieinhalb Jahren seine Gesellenprüfung als Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik ablegen. Nach weiteren zwei Jahren hat er auch den Bachelor-Abschluss in der Tasche. „Es ist schon starker Tobak, aber die Studienabbrecherquote ist wesentlich geringer als in anderen Studiengängen“, hat sich Jansens Lehrherr erkundigt. Bislang ist der 18-Jährige voller Zuversicht: „Meine Erwartungen wurden erfüllt, auch wenn an der Baustelle nicht immer alles mit Elektronik zu tun hat.“

Im nächsten Jahr könnte der Eschweiler Gesellschaft bekommen. „Wir haben noch nicht entschieden, ob wir jedes Jahr zwei oder drei Bewerber einstellen, aber das Projekt duale Ausbildung soll auf jedenfall fortgeführt werden,“ ist Diplom-Betriebswirt Schroeder guter Dinge.

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