Dremmer Schützen tranken Bier früher „tonnenweise“

Von: agsb
Letzte Aktualisierung:
10116221.jpg
Eines der ältestens Königssilber der St. Sebastianus Schützenbruderschaft. Foto: agsb

Heinsberg-Dremmen. Kaum vorstellbar ist es, wie es vor 500 Jahren beim und nach einem Vogelschuss in Dremmen zuging und wie lange die Schützenbrüder feierten. Auf jeden Fall war es sehr gesellig. Dies belegt ein Auszug einer Rechnung über „enn tonn Bier“ von Anfang 1500 mit dem Vermerk: „als sy denn voegell geschoessen haven“.

Diese Rechnung an den Landsherren des Herzogtums Jülich wurde vom Amt Heinsberg im damaligen Herzogtum Jülich ausgestellt.

Hexenglaube verbreitet

Der Blick in die Geschichtsbücher der Dremmener Schützen, die in diesem Jahr ihr 500-jähriges Bestehen feiern, sorgt für Schmunzeln. Das Schützenwesen hatte einst eine ganz andere Bedeutung. Heute kämpfen die Schützenbruderschaften um Aufrechterhaltung des Brauchtums und Tradition im Sinne der Ideale mit „Glaube, Sitte und Heimat“. Damals war der Hexenglaube noch weit verbreitet, der Pfarrer stand im Mittelpunkt und in der Kritik und Übeltäter wurden vom Schöffengericht an Ort und Stelle bestraft.

Der Schützenkönig hatte einen ganz besonderen Stellenwert in der Dorfbevölkerung. „Wer das Glück hatte, den Vogel abgeschossen zu haben, dem werden ein Jahr lang die „real und personal lasten“ (Steuern, Abgaben) erlassen. Er kann diese Vergünstigung auch einem anderen aus der Compagnie übertragen“, steht in den Stauten der Bruderschaft aus dem Jahre 1752.

Da bei den Festen sehr viel getrunken wurde, musste der Brudermeister verhindern, dass nach dem Vogelschuss „anders nicht alß recht ehrbahre Verlustigungen“ stattfinden sollen. Bemerkenswert ist auch, dass auf den ältesten, noch erhaltenen Königsplatten nicht nur den Königsnamen eingraviert ist, sondern jeweils auch nach der Name der Ehe- beziehungsweise Hausfrau. Damals war auch noch der Heilige Antonius auf den Plaketten eingraviert, denn die Bruderschaft nannten sich noch St. Antonius-Schützen.

1777 wurde eine Namensänderung in St. Sebastianus Schützenbruderschaft vollzogen mit der Auflage, die Traditionen der Vorgängerin zu übernehmen. So brachen nach dem Patronatswechsel gleich zwei neue Zeiten für die Bruderschaft an. Französische Revolutionstruppen stürmten das Rheinland und die Dremmener Schützenbruderschaft musste um ihre Existenz bangen. Bis 1814 dauerte die französische Herrschaft und die Schützenaktivitäten ruhten.

Dann allerdings erlebte das Schützenwesen einen neuen Aufschwung im Jahr 1815. Die Königsliste wird dann 1816 mit dem Junggesellenkönig Johann H. Mundt, einem Lehrer, fortgesetzt. 1885 wurde der Vogelschuss auf den Christihimmelfahrtstag gelegt und seitdem findet der Vogelschuss am Vatertag statt. Während der beiden Weltkriege waren die Schützen laut den Aufzeichnungen ebenfalls nicht mehr aktiv. 1950 wurde Alex Dohmen erster Schützenkönig nach dem zweiten Weltkrieg.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert