Dreiste Diebe stehlen Heiligenfiguren aus Kirche

Von: hewi
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Vom Diebstahl verschont: die in der Kirche in Venrath verbliebenen Figuren – zugedeckt mit einer Kunststofffolie. Foto: hewi
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Sanierungsfall mit bislang tagsüber geöffneten Türen: Die Kirche in Venrath wird derzeit mit hohem Aufwand saniert. Daher geben sich die Handwerker die Klinke in die Hand. Foto: Stefan Klassen
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Eine der fünf aus der Venrather Kirche gestohlenen sakralen Figuren: Maria mit Kind.

Erkelenz-Venrath. Rainer Merkens ist fassungslos. Am Dienstagabend musste das Mitglied des Venrather Kirchenvorstandes der Polizei den Diebstahl von fünf Heiligenfiguren aus St. Valentin melden. Kunstdiebstahl in Venrath! Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

Nun stellt sich die Frage, wie das passieren konnte – und vor allem, wann es passiert ist. Die Kirche wird derzeit aufwendig saniert, nachdem Schäden in Dachstuhl, Gewölbe sowie den Wänden im Kirchenschiff festgestellt wurden. Zusammenhänge mit dem Erdbeben, das Anfang der 1990er Jahre auch das Erkelenzer Land durchrüttelte, sind nicht ausgeschlossen. Bis zum Sommer laufen die Arbeiten in und an der Kirche voraussichtlich noch, weshalb das Gotteshaus tagsüber zumeist unverschlossen ist.

Klar ist für Rainer Merkens auf jeden Fall eines: Die zwölf Heiligenfiguren aus dem Barock und der Zeit der Neugotik stellen einen hohen materiellen und vor allem ideellen Wert dar für die Gemeinde, hebt er hervor. Sie waren aufgrund der Bauarbeiten von ihren Podesten genommen und unter Folien gehüllt am Hauptaltar zusammengestellt worden, damit ihnen nichts passiert. Das letzte als gesichert geltende Datum, an dem noch alle zwölf zusammen standen, ist der 12. November.

Bei einem Besuch der Baustelle stellte Merkens nun fest, „dass irgendetwas nicht stimmt“. Doch so oft er auch nachzählte, es wurden nicht mehr als sieben Heiligenfiguren, die da am Hauptaltar unter der Kunststofffolie auf das Ende der Bauarbeiten warten. Nicht mehr dabei sind Johannes Nepomuk, Maria mit dem Kinde, Josef mit der Kirche, Franz von Assisi und Maria Immaculata, „die Unbefleckte“.

Anhand der Fotos, die Merkens im Laufe der Bauarbeiten geschossen hatte, konnte er feststellen, dass einige der Figuren bereits am 10. Januar weg waren. „Wir waren so oft auf der Baustelle, haben mit dem Architekten den Baufortschritt begutachtet“, erinnert sich Merkens. „Aber uns ist nicht aufgefallen, dass die Figuren fehlten.“ Die Figuren stammen von den Künstlern Gebrüder Oor aus Roermond und Fink aus Köln. Die beiden barocken Figuren stammen noch aus der Vorgängerkirche von St. Valentin, mit deren Bau 1866 begonnen wurde. Ihr Wert lasse sich schwer schätzen, betont Merkens. Doch könnten es schnell bis zu 50.000 Euro pro Figur werden.

Die Polizei steht nun vor einem komplexen Fall. Laut Jürgen Heitzer, Sprecher der Kreispolizei, ist vor allem der große Zeitraum, in dem sich der Figurendiebstahl ereignet hat, problematisch. „Wichtige Spuren, die auf den oder die Täter hindeuten könnten, sind möglicherweise längst verwischt.“ Dennoch: Vor einigen Jahren hatte der Spürsinn der Ermittler zur Aufklärung einer Diebstahlserie von Holzkruzifixen im Kreisgebiet geführt...

Nun hofft neben den Beamten natürlich auch Rainer Merkens darauf, dass sich Zeugen erinnern, denn die geschnitzten Figuren haben es in sich. 1,10 Meter groß sind die beiden barocken Figuren, die neugotische etwa 1,60 Meter. „Die schafft ein Mann alleine nicht weg“, ist sich Merkens sicher. „Vielleicht wurden die Täter ja dabei beobachtet, wie sie die Figuren aus der Kirche geschafft haben.“ Dass eine solche Aktion im Rahmen der gleichzeitig stattfindenden Bauarbeiten nicht besonders auffällt, ist verständlich.

Diebstahl aus Kirchen ist keine Seltenheit, weiß Merkens. Denn auch wegen der sich an vielen Orten zutragenden Kirchenauflösungen habe sich ein „grauer Markt“ gebildet, auf dem auch gestohlene Kirchenkunst ihre Abnehmer findet. „Wer weiß, wo er suchen muss, der wird auch fündig“, laute da die Devise.

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