Erkelenz - „Drei Mal Leben“: Erste Zuschauer gehen schon vor der Pause

„Drei Mal Leben“: Erste Zuschauer gehen schon vor der Pause

Von: hl
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Erkelenz. Mit der Komödie „Drei Mal Leben“ der französischen Erfolgsautorin Yasmina Reza hat die Kultur GmbH Erkelenz in der Stadthalle die Theatersaison fortgesetzt. Vor fast voll besetztem Haus gab es am Ende zwar sehr viel Beifall, der galt aber wohl mehr der schauspielerischen Leistung der vier Darsteller als dem Stück an sich.

Das dreiteilige Lustspiel in der Inszenierung von Alexander Marusch beginnt damit, dass die Eltern Henri (Stefan Schleue) und Sonja (Katharina Dalichau) vom nervtötenden Geplärre ihres Kindes, das nicht schlafen will, in Streit darüber geraten, ob sie ihrem Sprössling zur Beruhigung Kekse oder einen Apfel geben sollen. Da klingelt es an der Türe und es erscheinen Hubert (Gregor Henze) und Ines Findori (Alina Wolff), die eigentlich für den folgenden Abend eingeladen waren.

Die beiden Paare sprechen ausgiebig dem Alkohol zu und ergehen sich in reichlich Belanglosigkeiten, wobei aber auch der Hauptzweck der Einladung zur Sprache kommt: Der Astrophysiker Henri ist beruflich von Huberts gutem Willen abhängig, erfährt aber von diesem, dass seine Arbeit, bei der es um eine Theorie über Galaxien geht, schon von jemand anderem veröffentlicht wurde. Und Henri tritt seinem Gönner als schleimender, auf den Knien rutschender Kriecher gegenüber.

Striptease von Sonja

Die Handlung des ersten Teils, wenn man überhaupt von einer solchen sprechen kann, dreht sich weiter um allerhand Partygesülze, die meist wirren und überdrehten Ansichten von Ines, Flirts zwischen den Paaren und artet am Ende in einen Striptease von Sonja aus. Dem einen oder anderen war dieses Durcheinander zu viel, und er verließ vor der Pause den Saal.

Während dieser war auf einem eingeblendeten Dia zu lesen, dass in den beiden noch ausstehenden Teilen andere Konstellationen und Strategien behandelt würden, wodurch dann der Titel des Stückes „Drei Mal Leben“ bestätigt werde. Aber viel verändert hatte sich nicht. Insbesondere die Frauen waren nach wie vor ziemlich überspannt, wenn sie sich in Bösartigkeiten verloren.

Es gab auch philosophische Überlegungen. Da ging es zum Beispiel um die Frage, ob der Vielfalt menschlicher Gehirne zu trauen sei oder um die Bedeutung einer einheitlichen Theorie. Es fallen auch so Sätze wie „Mein Mann ist eine Kanaille“ oder „Unsere Ehe geht den Bach runter“. Ausführlich wird auch die Genialität des Schreihalses gelobt, der einen Flughafenbahnhof gebaut hatte mit allem, was dazu gehört. Und Henri ist weniger unterwürfig, dafür aber depressiv.

Die drei Teile der Komödie, also eines Lustspiels, unterschieden sich im Grunde nur durch die verschiedenen Bühnenbilder, die sich zum Schluss in kosmische Dimensionen verlieren. Und es gibt ein Happy End: Henri brüllt geradezu heraus, dass seine Arbeit doch angenommen wurde, weil sein Konkurrent einen anderen Teilbereich der Forschung beschrieben hat, während die vier Akteure überzeugend ihre zum Teil konfusen Persönlichkeitsmerkmale auf die Bretter brachten.

Ob diese Bretter nach Schiller die Welt bedeuteten, darf zumindest in der Erkelenzer Aufführung in Frage gestellt werden. Aber vielleicht hat der Kritiker das Ganze auch nicht verstanden.

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