Waldfeucht-Bocket - Drei Geschwister und der Traum von den Olympischen Spielen

Drei Geschwister und der Traum von den Olympischen Spielen

Von: Carl R. Dawin
Letzte Aktualisierung:

Waldfeucht-Bocket. Das kommt sicherlich nicht alle Tage vor, dass, erstens, alle Kinder einer Familie die gleiche Sportart betreiben und, zweitens, alle zeitgleich an der gleichen Europameisterschaft teilnehmen. Die Beckers in Waldfeucht-Bocket dürfen sich über dieses außergewöhnliche Sportsglück freuen.

Die zwei Söhne und die Tochter der Eheleute Wendy und Francois Beckers haben sich nämlich für die Karate-Europameisterschaft der Junioren (bis 18 Jahre) im dänischen Holstenbrö qualifiziert. Brandon, 15 Jahre jung, sein Bruder Sydney, 13 Jahre, und ihre neunjährige Schwester Charissa kämpfen nun auf Einladung der WIKF (Wado Internationale Karate Federation) vom 23. bis 28. September mit den 700 besten Altersgenossen aus ganz Europa um Edelmetall oder zumindest um beachtenswerte Platzierungen.

„Mit der Einladung zur EM werden die Kinder für ihre Mühen und ihr Können, das sie sich in einer jahrelangen, harten Ausbildung und in zeitaufwendigen Vorbereitungen erworben haben, belohnt“, strahlt Francois Beckers. Seit dreieinhalb Jahren wohnt die niederländische Familie in dem kleinen Waldfeuchter Ortsteil und ist dort gut integriert, doch sportlich ist sie vorwiegend auf niederländischer Seite engagiert.

„Das hat damit zu tun, dass wir in der deutschen Grenzregion einfach nicht die Voraussetzungen finden“, erklärt der Vater. „Die Grundlagen erhielten und erhalten die Kinder im Karate-Verein Fudoshin in Roermond. Die Trainer haben ihnen in vielen abwechslungsreichen Übungsstunden die Kenntnisse vermittelt, die für die Qualifizierung erforderlich sind“, konstatiert Wendy Beckers.

Sport und Lebensgefühl

Nach dem Ganztagsunterricht in grenznahen Schulen sowie an Wochenenden trainieren Brandon, Sydney und Charissa hart für die Europameisterschaft, viele nationale und internationale Wettkämpfe in den Niederlanden, in Deutschland, Belgien, Luxemburg und Frankreich wurden erfolgreich abgeschlossen, diverse Preise wurden dabei eingeheimst.

„Wer auf der Matte punkten will, darf nicht allein auf Technik setzen“, weiß Francois Beckers, der selbst in früheren Jahren den Kampfsport im Verein betrieben hat. „Karate ist nicht nur Sport, sondern ein Lebensgefühl. Respekt, Disziplin und Selbstbeherrschung sind für Karate unabdingbare Voraussetzungen.“ Diese Attribute scheinen den Sprösslingen gegeben zu sein. „Früh aufstehen ist für mich kein Problem“, meint Brandon. Dann steigt er nämlich wochentags auf sein Mountainbike und radelt bei Wind und Wetter, Sommer wie Winter, von Waldfeucht nach Roermond zur Schule – 18 Kilometer eine Strecke. Bruder Sydney macht es genauso – allmorgendlich 14 Kilometer nach Sittard. Nur Nesthäkchen Charissa hat es da besser, sie wird nach Echt zur Schule gebracht.

Dreimal die Woche, jeweils zwei Stunden, wird gerackert, dass der Schweiß fließt. Nicht nur in Roermond, auch in speziellen Trainingseinheiten in Amsterdam und Rotterdam. Doch ohne Fleiß kein Preis, das wissen auch die Drei, die optimistisch mit den übrigen 30 bis 40 Akteuren des niederländischen Karate-Verbandes nach Dänemark fahren. Brandon traut sich und seinen Geschwistern einiges zu: „Ich denke schon, dass wir gute Chancen auf einen Titel haben.“ Auch sein Bruder Sydney kann das große Aufeinandertreffen der europäischen Junioren-Elite kaum erwarten: „Das wird toll.“ Und Angst, betont er, hat er auf keinen Fall vor der großen Konkurrenz.

Eltern als Vorbild

Kein Zweifel: Die Beckers sind eine kampfsportbegeisterte Familie. Das wird dem Betrachter schnell klar, wenn er das Haus betritt. Mehrere Sporttaschen mit den diversen Karate-Utensilien wie Anzügen, Wadenschutz, Brustschutz oder Fausthandschuhen (eine Ausstattung kostet übrigens rund 500 Euro) stehen schon in der Diele griffbereit, um für den großen Auftritt gepackt zu werden. Die Faszination für den Kampfsport wurde dem Nachwuchs offensichtlich mit in die Wiege gelegt: Vater Francois hat selbst Karate betrieben, Mutter Wendy war in jungen Jahren eine gute Kickboxerin.

Ehrgeiziges Ziel

Die Bocketer Karate-Kids haben sich fest vorgenommen, ihr sportliches Engagement mit drei Goldmedaillen zu krönen. Ein ehrgeiziges, aber nicht unrealistisches Ziel. Und sie lassen den Blick gleich in die weitere sportliche Zukunft schweifen – auch die Olympischen Spiele halten die Beckers für eine mögliche Perspektive. Noch ist Karate nicht olympisch, soll es aber schon bald sein. Warum also nicht träumen vom Karate-Olymp?!

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert