Dorfentwicklungskonzept soll Perspektiven am Tagebaurand zeigen

Von: Helmut Wichlatz
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Bis vor die Tore Venraths und Kaulhausens werden sich in den kommenden Jahren die Schaufelradbagger heranfressen. Es gilt, sich dementsprechend zu wappnen. Foto: Stefan Klassen
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Peter-Josef Gormanns erläuterte den Bürgern bei der Informationsveranstaltung das Verfahren Foto: Helmut Wichlatz

Erkelenz-Venrath. Die Vorgehensweise ist durch die tagebaubedingte Umsiedlung in Erkelenz bekannt: Die Bürger eines Ortes treffen sich, um unter fachmännischer Anleitung ihren zukünftigen Wohnort zu planen. Zuletzt war dies für die zukünftigen Umsiedler aus Keyenberg, Kuckum, Berverath sowie Unter- und Oberwestrich der Fall.

Sie werden an einen gemeinsamen Umsiedlungsstandort neben Borschemich (neu) ziehen, an dessen Planung sie mehr oder weniger mitgearbeitet haben. Diesmal sieht die Sache aber anders aus. Denn Venrath und Kaulhausen werden nicht umgesiedelt. Sie werden vielmehr am Tagebaurand liegen, wenn der Braunkohletagebau beendet ist.

Existenzielle Probleme

Das Zauberwort heißt „Dorfentwicklungskonzept“, berichtete Peter-Josef Gormanns bei der Vorstellung des Projektes. Er ist Mitglied eines Planungsteams, das sich aus der Dorfgemeinschaft heraus zusammengefunden hatte, um für das Projekt zu werben. Bei der Informationsveranstaltung in der ehemaligen Gaststätte Bruns konnte er erfreut feststellen, dass viele Bürger gekommen waren, „die man gar nicht kennt“, wie er betonte. Also sei das Thema bei den Bewohnern von Venrath und Kaulhausen angekommen.

Das zu erarbeitende Konzept wird aus Landesmitteln des Programms „Ländlicher Raum 2014 – 2020“ finanziert. Den entsprechenden und mittlerweile bewilligten Antrag hatte die Stadt Erkelenz gestellt. Für die spätere Umsetzung der Maßnahmen werde es weitere Fördertöpfe geben, betonte Gormanns. Die beiden Orte seien in das Programm aufgenommen worden, weil zu den allgemeinen Problemen wie Landflucht und demografischer Wandel der Umstand komme, dass die Orte durch ihre Tagebaurandlage zusätzliche existenzielle Probleme bekommen würden.

Dazu kommt, dass Erkelenz mit den drei weiteren Randgemeinden Titz, Jüchen und Mönchengladbach einen „informellen Planungsverband“ gegründet hat, dessen Ziel es ist, die Zukunft der betroffenen Region während und nach dem Tagebau zu gestalten. Pro Förderzeitraum können zwei Orte an dem Projekt teilnehmen. Kückhoven und Holzweiler könnten somit Kandidaten für die nächste Runde des Förderprogramms sein, betonte Peter-Josef Gormanns.

Geplant wird dabei durchaus langfristig mit Blick auf die nächsten rund 40 Jahre. Die Erarbeitung eines Maßnahmenkataloges wird professionell von Uli Wildschütz vom Aachener Büro RaumPlan und dem Universitätsprofessor Rolf Westerheide begleitet. Wildschütz war zu der Veranstaltung gekommen, um für eine Teilnahme an dem Verfahren zu werben.

Der Erfolg hänge von der breiten Mitwirkung der Bevölkerung ab, betonte er bei der Vorstellung des Verfahrens. Gemeinsam mit Westerheide hatte er schon die letzte Umsiedlungsplanung begleitet. „Das Ziel des Projektes ist langfristig, die Lebensqualität in den Orten am Tagebaurand zu steigern und die Nachteile der Randlage auszugleichen“, erklärte er. Im ersten Schritt werde eine Ist-Analyse erstellt, die Stärken und Schwächen der beiden Orte aufweise.

Für die Teilnahme warb auch Benedikt Obst, der Vorsitzende des Heimatvereins Hochneukirch. Sein Verein hatte sich in Hochneukirch für dieses Verfahren stark gemacht und es vorangetrieben, weil „die Politik keine anderen Ideen hatte als neue Parkplätze“. 2013 hatte man dort mit den Workshops mit breiter Bürgerbeteiligung begonnen. Mittlerweile sei das Projekt in der konkreten Umsetzungsphase. Als konkrete Ergebnisse nannte er unter anderem die Umgestaltung des Schmölderparks und des Dorfplatzes. Er nannte einen weiteren Vorteil des Dorfentwicklungskonzepts: „Es schweißt die Bürger zusammen.“

Das wollen Gormanns und seine Mistreiter in Venrath und Kaulhausen auch erreichen. Die Voraussetzungen sind mit einem neuen und jüngeren Vorstand der Dorfgemeinschaft an sich ideal. „Wichtig ist, dass die Zukunftswerkstatt von uns allen mitgetragen wird“, erklärte er. So könne verhindert werden, dass Venrath und Kaulhausen zu „Schlafdörfern in der Sackgasse“ verkommen.

Wenn alles klappt, rechnen die Organisatoren in einem halben Jahr mit den ersten Ergebnissen.

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