Diskussion: Von Missbrauch, Intoleranz und Zölibat

Von: Johannes Bindels
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Autor und Pfarrer Ulrich Filler im vollen Saal des Pfarrheims Myhl: Mit seinem Buch „Deine Kirche ist ja wohl das Letzte“ stieß er eine rege Diskussion an. Foto: J. Bindels

Wassenberg-Myhl. „Es geht mir darum, der Propaganda gegen den Glauben und die Kirche Fakten und Argumente entgegenstellen zu können“, erläuterte Ulrich Filler dem Publikum im prall gefüllten Saal des Pfarrheims in Myhl. Gekommen waren rund 90 Interessierte, die durch Propst Thomas Wieners zur Lesung mit dem Pfarrer Ulrich Filler und Autor des Buches „Deine Kirche ist ja wohl das Letzte“ begrüßt wurden.

„Ich habe meinem Buch diesen Titel gegeben, weil ich schon in der Schul- und Studienzeit genau diesen Vorwurf zu oft gehört habe. Gegen diesen Vorwurf habe ich dann Fakten, Argumente und Standpunkte gesammelt“, beschrieb Filler die Entstehung seines Buches, das in überholter und erweiterter Form als 7. Auflage erschienen ist und zu dem Joachim Kardinal Meisner das Vorwort geschrieben hat.

Viele hätten einen identischen Fundus von Bildern im Kopf, deren Wirkung sich zu einer „moralischen Keule“ gegen die Kirche formen würde. „Unter der Hexenverfolgung stellen wir uns Männer vor mit grimmigen Gesichtern, die arme alte Frauen verfolgen, durch die Inquisition gefoltert und dann verbrannt werden“, machte Filler dann plastisch deutlich, was er unter „suggestiven Bildern“ versteht, die gegen die tatsächlichen Fakten „der heiligen Inquisition“ benutzt würden. Und zur Verdeutlichung: „Überall da, wo die Inquisition gut aufgestellt war, wurde der Hexenglauben eliminiert.“ Das führte wohl eher zur Irritation der Zuhörer, ebenso der Vergleich, dass „die Inquisition früher das war, was heute der Verfassungsschutz ist“, da beide Institutionen die Aufgabe erfüllen würden, „die Ordnung zu schützen“.

In Auszügen las Pfarrer Filler aus seinem Buch vor. Dabei wurde den Zuhörern eine Fülle von Fakten geboten zu Themen wie Mittelalter, Hexenverfolgung, Inquisition und der Fall Galileo Galilei. „Die Vergangenheit muss mit den moralischen Werten der Vergangenheit und nicht mit der uns heute geläufigen Moral gewertet werden, da es sonst eine Schieflage ergibt“, brachte Propst Thomas Wieners die Beispiele in den Rahmen für die nachfolgende Diskussion.

Selbstredend, dass dabei auch die Feststellung aus dem Publikum kam, dass im Buch Antworten auf Fragen gegeben würden, die sich aber in der aktuellen Diskussion gar nicht mehr stellen würden. Vielmehr seien doch Fragen viel drängender, warum die Kirche es nicht schaffe, dem sich ausbreitenden Egoismus, der Gleichgültigkeit und dem Glaubensverlust Einhalt zu bieten. „Warum sind hier keine jüngeren Menschen?“ lies auch Resignation bei den Anwesenden durchblicken.

Die Suche nach Antworten kennzeichnete die Beiträge in der Bandbreite von „Haben wir einen falschen Umgang mit der Schuld?“ (zum Thema Missbrauch in der Kirche) über „Ist die Kirche intolerant gegenüber anderen Religionen durch ihren allein selig machenden Anspruch?“ bis hin zu „Der Zölibat ist nicht mehr zeitgemäß“ (und der katholische Priester deshalb nicht mehr als Autorität und Berater gefragt). Alles Themen, die Pfarrer Filler auch in seinem Buch angeht.

Dem aufmerksamen Beobachter entging nicht, dass ein großes Bedürfnis bestand, sich im Gespräch miteinander auszutauschen. Dies spürten Pfarrer Propst Thomas Wieners, Ulrich Filler und Dr. Gerald Tanye, die nach drei Stunden intensiver Auseinandersetzung mit dem Glauben und der Institution Kirche eine Fortsetzung der Diskussion im „Jahr des Glaubens“ ankündigten.

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