Differenzen im Pastoralteam: Diakon hört auf

Von: Ingo Kalauz
Letzte Aktualisierung:
Symbol Kirche Kruzifix Religion Jesus Foto: Felix Kaestle/dpa
Dunkle Wolken über der Gemeinschaft der Gemeinden Hückelhoven: Diakon Manfred Kappertz zieht sich nach zweieinhalb Jahren zurück. Symbolfoto: Felix Kaestle

Hückelhoven. Es ist ein Kreuz mit der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Hückelhoven: Auf eigenen Wunsch verlässt mit Wirkung vom kommenden Montag jetzt auch schon wieder Diakon Manfred Kappertz das Pastoralteam. Nach den Entpflichtungen von Pfarrer Gottfried Maria Graaff und Pfarrer José Kallupilankal sollte er in der GdG für St. Lambertus und St. Barbara die Seelsorge in die Hand nehmen.

Zweieinhalb Jahre lang hat er dies versucht – jetzt will er nicht mehr. „Ich habe Verantwortung und Leitungsaufgaben in der GdG übernommen. Aber es gab zu viele Differenzen mit dem Team“, sagt Manfred Kappertz. Er wird zum 1. Februar das Amt des Polizeiseelsorgers im Bistum Aachen antreten.

Am 13. März soll Georg Kaufmann als neuer Pfarrer in der GdG Hückelhoven eingeführt werden, er wird in das ehemalige Pfarrhaus in Schaufenberg einziehen. „Vielleicht kann er ja neue Akzente setzen“, sagt Kappertz. Fügt aber gleich hinzu: „Das geht allerdings nur, wenn die Gemeinde mitzieht.“ Und daran, das sagt der hauptberufliche Diakon ganz offen, hat er starke Zweifel.

Manfred Kappertz war seit September 2013 in der GdG Hückelhoven tätig. Mit Regionaldekan Gottfried Maria Graaff wollte er in der Gemeinde einige verkrustete Strukturen aufbrechen und behutsam neue Akzente setzen. Er musste miterleben, wie Graaff an dieser Aufgabe zerbrach – und auch physisch erkrankte. „Uns sind manche Knüppel zwischen die Beine geworfen worden“ - Kappertz blickt mit nicht gerade großem Wohlgefallen auf die zweieinhalb Jahre Arbeit als Ansprechpartner des Bistums Aachen in Hückelhoven zurück.

Neben den zwei Geistlichen verließen in dieser Zeit auch die beiden Gemeindereferenten Achim Kück und Ute Errens („gegen ihren Willen“, was Kappertz betont) die GdG. Und auch Pfarrer Jürgen Frisch nennt er, wenn er von Seelsorgern spricht, die „nicht aus eigenem Antrieb“ die Gemeinschaft der Gemeinden Hückelhoven verlassen mussten. Er spricht von einflussreichen „Meinungsbildnern“ in der Gemeinde: „Was die nicht wollen, machen die nicht. Da können Sie machen, was Sie wollen.“

Und auch von einem ausgeprägtem Unwillen Neuerungen gegenüber berichtet er: „Um ein einfaches Beispiel zu nennen: Wir wollten den einmal wöchentlich stattfindenden Werktagsgottesdienst von morgens auf den Abend verlegen, damit ihn auch berufstätige Gläubige besuchen können. Das ist am Widerstand der Gemeinde gescheitert.“

Dabei sei auch in Hückelhoven ein neues Denken angesichts der schrumpfenden Zahl der Gottesdienstbesucher durchaus angebracht. So jedenfalls interpretiert Knappertz die nüchternen Zahlen: „Im Jahr 1993 haben noch rund 3400 der etwa 20.000 zur GdG zählenden Katholiken regelmäßig den Gottesdienst besucht. 2013 waren es noch 1200. Das heißt im Umkehrschluss, dass wir 18.800 davon nur noch selten sehen.“

Hinzu kommt in der GdG Hückelhoven noch die Ungewissheit um die Zukunft von St. Barbara: Es gilt als sicher, dass es zukünftig nicht mehr möglich sein wird, zwei Kirchen in der früheren Bergarbeiterstadt zu unterhalten. Für St. Barbara ist der Antrag auf Entwidmung bereits gestellt. Dem alten, maroden Pfarrhaus und dem unter Denkmalschutz stehenden Kirchengebäude werden inzwischen vom Bistum keine finanziellen Zuschüsse mehr zugestellt. Das Gotteshaus soll jetzt verkauft werden.

Nein, sagt der Diakon, er wolle zum Abschied nicht „nachtreten“. Er habe vom Beginn seiner Tätigkeit an gesagt, dass er nur „eine begrenzte Zeit“ in Hückelhoven bleiben wolle; diese Zeit sei nun abgelaufen: „Wenn ich zurück schaue, dann sehe ich schöne Wegstrecken, voller Leben, voller Aufbruch. Aber ich sehe auch holprige Wegstrecken, die wir gehen mussten, schmerzhafte Wege voller Abbruch, Wege, die für uns alle sehr schwer waren. Ganz besonders in den letzten Monaten.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert