Heinsberg - Dieter Vogt segelt auf den Spuren von Kolumbus

Dieter Vogt segelt auf den Spuren von Kolumbus

Von: Laura Beemelmanns
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Dieter Vogt ist die klassische Südroute, auch Kolumbusroute, gesegelt. 17 Tage war er auf dem Atlantik. Foto: Beemelmanns

Heinsberg. Wenn Dieter Vogts Augen aus seinem Wohnzimmerfenster hinaus auf mattes Grau und Wolken treffen und sich ein Schatten über seinen Blick legt, dann kann man erahnen, dass er sich gedanklich zurück zur unendlichen Weite des Atlantiks träumt. Dass er die Bilder von Sternenhimmeln und Sonnenaufgängen, aber auch extremste Regenschauer und Erlebnisse auf sieben Meter hohen Wellen nie wieder aus seinem Gedächtnis streichen wird.

Wieder zurück im Heinsberger Alltag, zurück in seinem Wohn- und Esszimmer, geht er zur Fensterbank und greift nach einem kleinen, beleuchteten Globus. Mit dem Finger zeichnet er in wenigen Sekunden den Weg nach, für den er und fünf weitere Segler 17 Tage und neun Stunden gebraucht haben. Sie haben sich an die ARC – Atlantic Rallye for Cruisers – herangetraut. „Den Atlantik zu besegeln, ist die größte Herausforderung, die man sich als Segler vorstellen kann“, sagt Dieter Vogt. Das Team hat auf dem Segelboot „ViaConMe“ die Südroute im Atlantik besegelt. Unter Kennern auch „Kolumbusroute“ genannt.

Seit 23 Jahren ist der 47-Jährige im Besitz des Sportbootführerscheins See (SBF See). Ein Freund brachte ihm das Segeln vor rund 25 Jahren näher. Seither war Vogt fasziniert. Fasziniert vom Segeln, fasziniert von den Weiten des Meeres. Bislang war er immer wieder und gerne im Mittelmeer unterwegs. „Wenn man so viele Jahre segelt, dann will man, wenn man es wirklich ernst meint, einmal den Atlantik besegeln.“ Das bedeutet im Fall seines Teams rund 2860 Seemeilen in 17 Tagen, mit sechs wildfremden Seglern auf einer 12 mal 4 Meter großen Segeljacht, mitten im Atlantik – umgeben von nichts als Wasser.

Am 27. November 2012, aufgrund verheerender Winde erst zwei Tage später als ursprünglich geplant, starteten je drei Männer und Frauen aus der Schweiz und Deutschland im Alter zwischen 30 und 56 Jahren mit der „ViaConMe“ von Gran Canaria in Richtung Karibik. Alle mit dem gleichen Ziel: die mehr als 5000 Kilometer über den Atlantik nur mit Hilfe des Windes, ohne Motor, Nonstop und mit zwei sogenannten Genua-Segeln zu bewältigen. „Das sind Segel, mit denen man vor 30 Jahren noch unterwegs war, es ist sehr sicher, weniger schnell – wir haben uns bewusst dafür entschieden“, erklärt Vogt.

Das waren jedoch längst nicht die einzigen Herausforderungen. Man müsse sich in eine ganz andere Lebenssituation hineindenken. Es gebe rationiertes Essen. Jede Frucht, jede einzelne Kartoffel müsse abgebürstet und abgewaschen werden. „Wenn einmal Kakerlaken an Bord sind, wird man sie nicht mehr los“, sagt Vogt. Zudem angelte die Crew jeden Tag, nahm die Fische selbst aus und bereitete sie unter Deck in der Kombüse. Süßwasser wird auf dem Schiff selbst produziert – pro Tag etwa zehn Liter. „Man wäscht sich mit Seewasser und spült kurz mit Süßwasser ab“, weiß Vogt. Mit ein bisschen Waschmittel aus der Tube wird die Wäsche gereinigt.

Und dann gebe es weder ein Telefon noch Internet, kein Geld und keine Kreditkarten. „Das war ein gutes Gefühl“, schwärmt der 47-Jährige, dessen Handy nun wieder ununterbrochen klingelt. Natürlich habe es auch die eine oder andere Dose Bier an Bord gegeben, zu Nikolaus haben sie einen Weckmann gebacken, rote Mützen aufgesetzt und Rotkohl mit Hirschbraten zubereitet.

Es fehlte im Grunde nichts, außer die Familie, sagt Vogt. Mit seinen Gedanken sei er oft zu Hause gewesen. Man habe viel Zeit, um nachzudenken. Dieter Vogt vertrieb sich die freie Zeit zwischen den Wach-Schichten mit Lesen. Aber es habe auch viele spannende Gespräche gegeben. Denn schon bald waren die „Fremden“ keine Fremden mehr. „Man lernte, sich auf den anderen zu verlassen“, wenn er mitten in der Nacht irgendwo fernab von einer Küste auf dem Atlantik schipperte und dringend Schlaf suchte.

Schlafende Wale gelten als große Gefahr, ebenso wie verloren gegangene Container. Die Wale erkenne man nur am pustenden Geräusch ihrer Atmung, einen gesehen habe er jedoch nicht. Dafür viele freundliche Delfine und Unmengen Vögel – mitten auf dem weiten Atlantik. Bei einer seiner Wach-Zeiten wurde Vogt von zwei fliegenden Fischen getroffen, am Arm und am Rücken. Wenn er sich daran erinnert muss er schmunzeln. Das könne schließlich nicht jeder von sich behaupten.

Was er insgesamt an Bord gelernt hat? „Schön war, festzustellen, dass ich das geschafft habe“, sagt er.

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