Die Wegberger Molzmühle klappert wieder

Von: Nicola Gottfroh
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Das Mühlrad klappert wieder am Bach. Ein Fragment vom ursprünglichen Mühlrad konnte gerettet, aufgearbeitet und in das neue Mühlrad eingebaut werden: um die alte Achse dreht sich das neue Rad. Fotos (3): Gottfroh Foto: Gottfroh
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Brigitte Hoyer hat ihrer „alten Liebe“ wieder neues Leben eingehaucht. Jahr für Jahr sanierte sie sie mehr. Heute ist sie ein Juwel im Wald.
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Mühlenbesitzerin Brigitte Hoyer ist stolz auf ihr Juwel im Wegberger Wald.

Wegberg. Einst musste man nur dem Klappern des Mühlenrads folgen, um die Molzmühle, die versteckt im Wegberger Wald liegt, zu finden. Fast 550 Jahre lang. Genau so lange, bis die Ära der Mühlen im Zeitalter der technischen Industrialisierung zu Ende ging. Ganz allmählich, aber unaufhaltsam.

Als in Mühlen kein Mehl mehr gemahlen werden musste, wurden bald andere Verwendungen für sie gefunden. Auch für die Molzmühle: als 1930 der Mahlbetrieb wegen fehlender Aufträge eingestellt wird, macht man aus der einstigen unverzichtbaren Kraftmaschine bald eine Gastwirtschaft.

Mehr schlecht als Recht wird die historische Hinterlassenschaft einige Jahre gastronomisch genutzt. „Doch von Jahr zu Jahr verfiel das Gemäuer mehr“, sagt Brigitte Hoyer. Bald ist die Molzmühle mehr Ruine als Mühle. Vielleicht, aber nur vielleicht wäre sie bald nicht mehr zu retten gewesen, doch hatte das Schicksal anderes mit ihr geplant.

Es ist die Liebe, die die Molzmühle vor dem endgültigen Verfall rettet. Denn hätte sich Brigitte Hoyer nicht schon als Fünfjährige beim Angeln mit ihrem Vater am der Mühle vorgelagerten Mühlenteich in das Anwesen verliebt, dann wäre sie nach dem Germanistik-Studium vielleicht Lektorin oder Journalistin geworden. Doch blind vor Liebe macht sie im Jahr 1981 etwas Unvernüftiges: Die Akademikerin übernimmt die Anlage im Wald und wird nicht nur Gastronomin, sondern auch Hotelier, Eventmanagerin und vor allem „Restauratorin“.

Alles, was sie aus der Welt der Gastronomie wissen muss, bringt sie sich selbst bei. „Zwar hatte ich während des Studiums in einem Restaurant gearbeitet und festgestellt, dass ich dort ganz gut zu gebrauchen bin. Eine Ausbildung hatte ich aber nie“, sagt sie. Das Talent muss ihr wohl in die Wiege gelegt worden sein, denn das Geschäft mit den Gourmet-Leckereien läuft sehr schnell sehr gut. Nicht nur Feinschmeckern, sondern auch Prominente wie der Bundesligatrainer Hans Meyer gehören zu den Gästen.

Und das mit Sicherheit auch, aber nicht nur, weil das Essen in der Mühle so gut ist. Es ist auch das romantische Ambiente, das die Gäste schätzen. Immerhin packt Brigitte Hoyer viel Geld an, um das verblasste Juwel wieder zum Glänzen zu bringen. Sie haucht ihrer „alten Liebe“ neues Leben ein. Jahr für Jahr mehr.

Schon bevor Brigitte Hoyer das Hotel-Restaurant 1983 eröffnet, verpasst sie dem Gemäuer einen Bypass – im übertragenen Sinn, versteht sich. Alle elektrischen Leitungen, Rohre und Fenster werden erneuert. Anschließend widmet sich Hoyer der Kosmetik der Mühle. Kein Jahr vergeht, in dem nicht ein neues Projekt angegangen wird. Aus den Hotelzimmern im Jugendherbergen-Stil werden mit den Jahren ansprechende Zimmer.

Dann wird Hoyer von der Mühlenpächterin zur Mühlenbesitzerin. 2010 geht die Molzmühle in ihren Besitz über. Und es wird weiter restauriert, saniert, renoviert. Erst im vergangenen Jahr bringt Brigitte Hoyer den Innenhof auf Vordermann, richtet in dem alten Gemäuer eine Bibliothek und ein Medienzentrum ein und lässt zuletzt ein Blockheizkraftwerk ans Netz gehen. „Man muss immer wieder investieren, um am Puls der Zeit zu sein“, sagt Hoyer. „Ist man an der einen Ecke fertig, muss man an der anderen wieder anfangen.“

Bezahlt hat die Inhaberin der Molzmühle die Arbeiten an der Mühle stets aus eigener Tasche. „Wenn ich die Mühle heute betrachte, empfinde ich eine große Zufriedenheit, die Renovierung und Sanierung ohne Fördermittel geschafft zu haben“, sagt sie. Die fehlende finanzielle Unterstützung ist aber auch der Grund dafür, warum das Herz der Mühle, das Mühlrad, bis weit ins neue Jahrtausend hinein still steht.

Immerhin mussten viele Tausend Euro in ein gänzlich neues Mühlrad investiert werden. Denn zum Sanieren ist schon 1982 am Mühlrad nichts mehr vorhanden. Wind, Wetter und der Zahn der Zeit hatten sich im Mühlrad festgebissen und es schon zu Beginn der 50er Jahre, lange bevor Hoyer die Mühle übernimmt, regelrecht aufgefressen.

Doch nun klappert das Mühlrad an der Molzmühle nach vielen Jahrzehnten der Stille wieder. „Das ist ein historisches Ereignis“, sagt Brigitte Hoyer, während sie Mühlenmeister Gerd Moeller beim einbauen des meterhohen Rads zuschaut. Ein einziges Fragment vom ursprünglichen Mühlrad konnte gerettet, aufwendig aufgearbeitet und in das neue Mühlrad eingebaut werden: um die alte Achse dreht sich das neue Rad. 25.000 Euro hat allein das hölzerne Rad gekostet, weitere 20.000 die Erdarbeiten, die nötig waren. Ein teurer Spaß für ein ungenutztes Mühlrad. Für Brigitte Hoyer ist der Museumscharakter das Entscheidende: „Im Mühlenführer im vergangenen Jahr wurden nur Mühlen mit Rad vorgestellt. Davon ist nur eine von 30 produktiv“, erklärt sie.

Zwar könnte in der Mühle auch heute noch Mehl gemahlen oder Öl gepresst werden, doch dort, wo einst der schwere Mühlstein kreiste und jede Menge Staub aufwirbelte, speisen heute die Gäste. Der Stein bewegt sich nicht mehr, ist in einen Dornröschenschlaf gefallen, aus dem er sicher in dieser Welt nicht mehr aufwachen muss. Doch er erinnert jeden Gast an die längst vergangenen, alten Zeiten. Dass es ihn noch gibt, ist Brigitte Hoyer zu verdanken . . .

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