Die Waldfeuchter sollen über ihr Hallenbad abstimmen

Von: Daniel Gerhards
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Die Zukunft des Hallenbads ist offen: Eine Unterschriftenaktion soll die Schließung stoppen. Foto: Daniel Gerhards

Waldfeucht. Dass dem Haarener Hallenbad die Schließung droht, hat bei den Nutzern des Schwimmbades für ordentlich Ärger gesorgt. Am Mittwoch übergaben Sofia Tillmanns und drei Mitstreiterinnen eine Unterschriftenliste gegen die Schließung an Bürgermeister Heinz-Josef Schrammen. Die 629 Unterzeichner fordern die Verwaltung und die Politik auf, nach Lösungen zu suchen, mit denen das Hallenbad dauerhaft erhalten bleiben kann.

Sofia Tillmanns kommt jede Woche mit ihrer behinderten Schwester ins Haarener Hallenbad, „für mich gibt es keine Alternative“, das Lehrschwimmbecken sei auch für Behinderte hervorragend geeignet. „Ich habe schon alle Schwimmbäder in der Region durch“, sagt sie. Aber am liebsten komme sie nach Haaren. Andere Argumente der Unterzeichner sind zum Beispiel, Schulschwimmen weiterhin ohne Busfahrt in eine andere Kommune zu ermöglichen und die Arbeitsplätze im Bad und im angrenzenden Bistro zu erhalten.

Heute Abend berät der Schul- und Kulturausschuss der Gemeinde über die mögliche Schließung. Der Vorschlag, den Bürgermeister Schrammen den Kommunalpolitikern vorlegt, sieht vor, das Bad im Jahr 2022 zu schließen. Aber nur unter der Bedingung, dass sich bis zu diesem Zeitpunkt kein anderes Betreiber- oder Finanzierungsmodell findet. Im Klartext heißt das: Schrammen sieht die Bürger in der Pflicht. Es sei denkbar, dass Ehrenamtler Kassendienste und Badeaufsicht übernehmen, um das Defizit des Schwimmbades zu drücken.

Bei der nächsten Kommunalwahl im Jahr 2020 sollen die Waldfeuchter dann darüber abstimmen, ob das Bad im Jahr 2022 geschlossen wird oder ob es erhalten bleibt. An den Erhalt knüpft die Gemeinde aber die Bedingung, dass das Defizit sinkt, zum Beispiel eben durch ehrenamtliches Engagement. Am Tag des Urnengangs würde die Politik beim Ratsbürgerentscheid also ihre Macht abgeben: Die Bürger sollen das letzte Wort haben. Bis es so weit ist, müssen aber tragfähige Konzepte her.

Hintergrund der möglichen Schließung ist, dass die Gemeinde bis 2023 wieder einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen muss. Das schreibt das Haushaltssicherungskonzept vor. Und das geht laut Schrammen nur, wenn die Gemeinde von dem jährlichen Defizit des Hallenbades in Höhe von 400.000 herunterkommt. Wenn sich genügend Ehrenamtler fänden – Schrammen spricht von etwa 100 –, sei es möglich, das Defizit auf 200.000 Euro pro Jahr zu reduzieren. Derzeit muss die Gemeinde jeden Gast mit „mindestens 5 Euro“ bezuschussen.

Dass die mögliche Schließung jetzt schon beraten wird, ist für Schrammen ein Schritt der Transparenz: „Das ist keine Hopplahopp-Entscheidung. Wir wollen den Badebetrieb so lange wie möglich aufrechterhalten“, sagt er. Deshalb kämen schon jetzt alle Fakten auf den Tisch.

Eigentlich läuft es im Haarener Hallenbad alles andere als schlecht. 70.000 Besucher kommen jährlich und der Fehlbetrag sei weitaus geringer als zum Beispiel beim Heinsberger Hallenbad. Aber die kleine Gemeinde Waldfeucht muss das Defizit auf 8800 Einwohner umlegen. In der 40.000-Einwohner-Stadt Heinsberg sei der Kreis der Abgabepflichtigen viel größer.

Auch wenn die Unterschrifteninitiative von Sofia Tillmanns eigentlich das Ziel hatte, dass die Gemeinde den Badebetrieb aufrecht erhält, kann sie sich vorstellen, dass sich genügend Ehrenamtler finden. Das sei zwar nicht die optimale Lösung. Aber: „Das Potenzial ist da“, sagt sie. Man habe bereits mit der Kirchhovener Bürgerinitiative gesprochen, die für den Erhalt des Freibads kämpft. Die Kirchhovener hätten Unterstützung zugesichert.

Tillmanns und ihre Mitstreiter sind aber auch für andere Lösungen offen: Hauptsache das Hallenbad muss nicht schließen.

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