Die Vorbereitung eines Massenprotests

Von: Daniel Gerhards
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Vor den Protesten: Die Aktivisten aus dem Klimacamp am Lahey-Park bei Erkelenz-Kückhoven rüsten sich für die kommenden Tage. Foto: Gerhards
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Dann wollen sie mit Aktionen des „zivilen Ungehorsams“ gegen den Braunkohletagebau Garzweiler protestieren. Foto: Gerhards
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Die Polizei spricht in diesem Zusammenhang eher von Hausfriedensbruch und Sachbeschädigungen. Foto: Gerhards

Erkelenz. In der Schlange an der Küche des Klimacamps sind am Donnerstagmorgen viele unterschiedliche Sprachen zu hören. Die Aktivisten kommen aus den Niederlanden, Großbritannien, Schweden, eigentlich aus ganz Europa. Und sie haben ein Ziel: Die Braunkohleförderung soll so schnell wie möglich gestoppt werden, um das Weltklima zu retten. Und die Rettung des Planeten Erde soll in unserer Region beginnen.

Donnerstag war für die Aktivisten vom Bündnis „Ende Gelände“ so etwas wie der Tag der Vorbereitung. Heute sollen die „Aktionen des zivilen Ungehorsams“ beginnen. „Wir werden in verschiedenen Gruppen losziehen und verschiedene Teile der Braunkohleinfrastruktur blockieren. Dazu kann der Tagebau zählen, dazu können die Gleise zählen oder auch die Kraftwerke. Das Ziel ist auf jeden Fall, dafür zu sorgen, dass hier keine Braunkohle mehr verstromt wird“, sagt Janna Aljets, Sprecherin von „Ende Gelände“.

Wie das ablaufen könnte, demonstrieren die Aktivisten am Vormittag in einem „öffentlichen Aktionstraining“. Ein Mann, der einen bunten Rock und eine schwarze Melone trägt, sagt den Aktivisten, was sie tun sollen. Es sollen mehrere „Finger“ losgehen. Das sind Gruppen mit mehreren Hundert Demonstranten, die von unterschiedlichen Orten starten und sich irgendwann zu einem großen Demonstrationszug vereinen sollen. Mit dieser Taktik waren im Jahr 2015 mehr als 800 Aktivisten von „Ende Gelände“ in den Tagebau Garzweiler gelangt.

Beim Training geht es gemächlich los. Ein junger Mann in einem verschlissenen Unterhemd hat sein Frühstück dabei. Eine Frau mit Rastazöpfen unterhält sich mit einem Mann in Jeans und Hemd, der genau so gut in einem Büro vor einem Computer sitzen könnte. Der Mann im bunten Rock spricht jetzt über „Bezugsgruppen“ die zusammenbleiben sollen. Die sich abstimmen sollen, wie es weitergeht.

Mittlerweile sitzen die Aktivisten auf einem Feldweg am Rand des Camps. Sie üben eine Sitzblockade. Andere Aktivisten spielen die Polizisten und versuchen, sie wegzutragen. „Die Polizisten wenden Schmerzgriffe an“, sagt der Mann mit der Melone. Hinter dem Ohr sei ein Schmerzpunkt, da drückten sie drauf. Das lasse die Polizisten besser da stehen, als wenn sie mit dem Knüppel auf die Demonstranten losgingen, sagt er.

Zu diesem Zeitpunkt halten sich nach Angaben der Veranstalter rund 2000 Teilnehmer im Klimacamp auf. Bis zum Wochenende sollen es noch weit mehr werden. Vielleicht 4000, wie im vergangenen Jahr beim Protest in der Lausitz, sagt Insa Vries, Sprecherin von „Ende Gelände“.

Bilder entscheiden über Erfolg

Am Donnerstagmorgen sind viele Fernseh-, Radio- und Zeitungsjournalisten im Klimacamp am Lahey-Park. Auch wenn viele Aktivisten den Medien sehr skeptisch gegenüberstehen, spielt der Medienrummel den Aktivisten von „Ende Gelände“ in die Karten. Am Ende werden auch die Bilder über den Erfolg des Protests entscheiden.

Wie friedlich der Protest sein wird, werden die kommenden Tage zeigen. Die Polizei erwartet, dass Demonstranten bereit sein werden, Straftaten zu begehen. Das werden aller Voraussicht nach meist Hausfriedensbrüche und Sachbeschädigungen sein. Die Aktivisten sprechen in diesem Zusammenhang lieber von „zivilem Ungehorsam“ als von Straftaten. „Wir sehen es als nötig an, zivilen Ungehorsam zu nutzen.

Weil der Klimawandel ein so drängendes Problem ist, ist es notwendig, hier auch kleinere Gesetze zu brechen“, sagt Aljets. „Braunkohle ist nun mal die schädlichste Art und Weise, Strom zu erzeugen. Und wir brauchen diesen Strom in Deutschland nicht. Wir exportieren ihn sogar“, sagt sie. RWE hält dagegen, dass Braunkohle derzeit die Brücke in die erneuerbaren Energien sei. Und die Polizei erwartet, dass einzelne Demonstranten auch bereit sein könnten, Gewalt gegen Menschen anzuwenden.

„Unsere Aktionen mögen nicht immer legal sein. Sie sind aber angesichts der massiven Zerstörungen durch RWE legitim, weil wir dafür sorgen, dass wir den Kohleausstieg sofort umsetzen“, sagt Aljets. Das sehen die Polizei und der Tagebaubetreiber RWE-Power naturgemäß ganz anders.

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