Die Verpackungsflut ebbt einfach nicht ab

Von: Katharina Menne
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Grafik: ZVA/Thomas Heinen, Foto: Colourbox
Der Leichtverpackungsmüll im Kreis Heinsberg im Vergleich. Grafik: ZVA/Thomas Heinen, Foto: Colourbox
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Die Sammlung und Verwertung der Leichtverpackungen seit 2002. Grafik: ZVA/Thomas Heinen

Kreis Heinsberg. Wer kann sich noch an eine Welt ohne Plastikverpackungen erinnern? Vermutlich wenige. Heute ist alles in Kunststoff verpackt – selbst Lebensmittel, die es eigentlich nicht nötig hätten. Avocados, Bananen, Gurken oder Paprika haben schließlich eine ganz natürliche Verpackung, nämlich ihre Schale.

Trotzdem bekommen sie oft noch eine zusätzliche, künstliche Umhüllung. Kein Wunder also, dass die Menge des Leichtverpackungsmülls in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist – im Kreis Heinsberg um 5,2 Kilogramm pro Einwohner in den letzten vier Jahren, wie die gerade veröffentlichten Abfallzahlen zeigen.

Das ist ein beachtlicher Anstieg bei so leichten Materialien. Leichtverpackungsmüll ist das, was seit den 90er Jahren im gelben Sack oder in der gelben Tonne gesammelt wird. Dazu zählen Kunststoffe, Aluminium, Weißblech und Verbundverpackungen wie zum Beispiel Tetra Paks. Sie werden eingesammelt, sortiert und bestmöglich recycelt. Anzustreben sei dabei eine werkstoffliche Verwertung, sagt das Bundesumweltministerium. Das bedeutet, dass die Materialien so aufbereitet werden sollen, dass sie wieder zu neuen Verpackungen verarbeitet werden können.

Die bundesweite Verpackungsverordnung sieht sogar Quoten für die werkstoffliche Verwertung aller Verpackungen vor. Diese liegen bei 36 Prozent für Kunststoffverpackungen, bei 60 Prozent für Aluminium- und Verbundverpackungen und bei 70 Prozent für Weißblech- und Papierverpackungen. Diese Quoten würden sogar übertroffen, sagt das Bundesamt. Deshalb werden die Verwertungsvorgaben auch ab 2019 deutlich angehoben, insbesondere für Kunststoffe.

Eine solche werkstoffliche Nutzung steht aber in direkter Konkurrenz zu einer Neuproduktion. Bei niedrigen Erdölpreisen lohnt sich die stoffliche Wiederverwendung von Kunststoffen deshalb allein aus wirtschaftlicher Sicht nicht. In der Realität wird Plastik daher oft nur als Energielieferant genutzt und verbrannt. Doch das für die Herstellung von Kunststoffen benötigte Erdöl ist eine wertvolle, begrenzt verfügbare Ressource.

Der oberste Grundsatz lautet daher: Müll vermeiden. Das scheinen sich vor allem die Gangelter zu Herzen genommen zu haben. Sie werfen im ganzen Kreis am wenigsten weg. Sowohl bei den Verpackungen als auch beim Hausmüll zeigen sie sich umweltbewusst und liegen weit unter dem Kreisdurchschnitt. Der liegt beim Leichtverpackungsmüll bei rund 44 Kilogramm pro Kopf, beim Restmüll bei rund 141 Kilogramm.

Stark angestiegen ist der Leichtverpackungsabfall dagegen in Waldfeucht: Die Einwohner haben dort pro Kopf im vergangenen Jahr acht Kilogramm mehr weggeworfen als noch 2015. Getoppt werden sie nur noch von den Heinsbergern, den Wegbergern, den Übach-Palenbergern und den Wassenbergern. Gründe für den starken Anstieg in Waldfeucht waren nicht in Erfahrung zu bringen.

Die einzige Kommune, die ihren Verpackungsmüll im Vergleich zum Vorjahr reduzieren konnte, ist der Selfkant. Dort fielen im Jahr 2016 fünf Kilogramm pro Einwohner weniger an. In Geilenkirchen konnte ein niedriges Niveau gehalten werden. Auch in Hückelhoven wird wenig Verpackungsmüll produziert.

Das liege vor allem daran, dass in diesen Kommunen der gelbe Sack zum Einsatz kommt, sagt Axel Subklew von der Reclay Group. Das Unternehmen kümmert sich um das Entsorgungsmanagement im Kreis Heinsberg. Da die Säcke durchsichtig sind und leicht reißen, komme es hier zu weniger Fehlwürfen, also zu weniger Verunreinigungen. Die gelbe Tonne verleite viele Bürger dazu, auch Restmüll hineinzuschmeißen, der dann als Sortierrest übrig bleibt.

Doch Mülltrennung ist wichtig, betont Subklew. „Je besser die Materialien voneinander getrennt sind, desto besser können wir sortieren und desto höher ist die Recyclingquote“, sagt er. Dazu gehöre auch, dass der Aluminiumdeckel vom Joghurtbecher komplett abgezogen wird, dass die Zahnbürstenverpackung in Papier und Kunststoff geteilt wird und dass möglichst wenig Verunreinigungen in den gelben Säcken und Tonnen landen. „Windeln, Quietscheentchen und Zahnbürsten haben dort nichts zu suchen“, sagt Subklew. Die Abfuhrunternehmen lassen falsch befüllte Säcke und Tonnen auch mittlerweile ganz bewusst stehen, um darauf aufmerksam zu machen.

Das sogenannte Duale System, das sich um das Recycling von Verpackungen kümmert, wird aktuell von zehn konkurrierenden Firmen deutschlandweit umgesetzt. Es ist im Gegensatz zum Hausmüll nicht gebührenbasiert, sondern finanziert sich über Abgaben, die bereits im Kaufpreis des verpackten Produkts enthalten sind. 11 Euro zahlt jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr dafür – ohne es zu merken.

Ein erster Schritt in Richtung einer Verringerung der Verpackungsflut war es, im April 2016 Abgaben auf Plastiktüten einzuführen. Dadurch wurden allein im vergangenen Jahr 1,9 Milliarden weniger Tüten in Deutschland verbraucht. Doch nach Meinung von Axel Subklew könnten die Anreize noch weiter gehen. „Eine Zahnpastatube benötigt keine zusätzliche Pappschachtel mit Folienbeschichtung“, sagt er.

Und so fortschrittlich Deutschland auch ist, manchmal können auch wir noch von anderen lernen. Im ostafrikanischen Ruanda zum Beispiel gibt es seit acht Jahren ein strenges Plastikverbot.

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