„Die Therapie“: Reichlich Applaus für solides Schauspiel

Von: Johannes Bindels
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Angekommen in der Realität der Klinik: (v.l.) Wolfram von Stauffenberg als Patrick Halberstaedt, Esther Escher als Anna Spiegel und Ärztin, Thomas Gumpert als erkrankter Psychiater Viktor Larenz und Peter Groeger als Prof. Malzius. Foto: Johannes Bindels

Heinsberg. Mit dem Kriminalstück „Die Therapie“ des bekannten Autors Sebastian Fitzek begann das neue Programmjahr der Kulturgemeinde Heinsberg. Das Berliner Kriminaltheater gastierte in der Begegnungsstätte am Rathaus mit der Aufführung eines vielschichtigen Themas um Wahnvorstellungen, Visionen und die Therapie psychischer Erkrankungen.

Vordergründig erfährt das Publikum, dass die zwölfjährige Tochter Josy (Maxi Rumpf) des Psychiaters Viktor Larenz (Thomas Gumpert) unter mysteriösen Umständen verschwunden ist. Vier Jahre später soll Larenz, der seine Arbeit aufgegeben und sich auf eine einsame Insel zurückgezogen hat, einer Zeitschrift ein Interview geben. Unerwartet taucht Anna Spiegel (Esther Esche) auf der Insel auf und bittet ihn um therapeutische Hilfe.

Sie sei Schriftstellerin und habe Visionen von einem Mädchen, das genau ihrer Hauptfigur Charlotte in ihrem neuen Buch gleiche. Die Begegnungen mit diesem Mädchen, die Orte, die sie gemeinsam aufsuchen und der weitere Verlauf ihres Schicksals haben jedoch ebenso erschreckende Parallelen zu Larenz‘ Tochter Josy.

Hintergründig erfährt das Publikum viel über den Umgang mit den sichtbaren Widersprüchen von Sein und Schein, von Wahn und Realität. Welche der Figuren in diesen dialektisch-vielschichtigen Erscheinungen noch real, welche nur Wahnvorstellungen sind, das bleibt bis zum Schlussakt offen.

Was im Roman mit den stilistischen Mitteln der Rückschau und des Zeitenwechsels eine leichte Übung darstellt, wird für das Bühnenstück zu einer nicht immer leichten und geglückten Lösung. Auf der einen Ebene begegnet der erschöpft wirkende und manchmal die Contenance verlierende Psychiater Larenz der Person Anna Spiegel, die an Schizophrenie (Bewusstseinsspaltung) leidet und in der Entwicklung der Rolle synonym zum Namen auch zum Spiegel seiner Person wird.

Auf einer weiteren Ebene wird die ständige Telefonverbindung zu einem nicht sichtbaren Freund Kai außerhalb der Insel als Mittel der Spannungssteigerung genutzt. Manche der so dargestellten Informationen hinterlassen jedoch eher logische Brüche (Was soll der Hinweis auf das Menstruationsblut?). Leichter verständlich ist das schemenhafte Auftreten von Josy, die als Erinnerungsbild vor dem geistigen Auge des Psychiaters durch die Kulissen tanzt.

So mancher Zuschauer, der auch den Roman gelesen hat, hangelt sich an den Ereignissen im Buch entlang und ist im Verständnis sicherer, was auf der Bühne geschieht, wenn er wortgetreue Wiedergaben erkennt, wie ein Ehepaar im Publikum verrät.

Erste sichere Hinweise zur Auflösung und dazu, auf welcher Ebene – Wahn, Realität, Gegenwart oder Vergangenheit – das Bühnengeschehen sich befindet, erhält das Publikum von dem Hausmeister Patrick Halberstaedt (Wolfram von Stauffenberg), als dieser völlig unverständlich reagiert, weil er mitten in der Nacht von Larenz angerufen und mit angeblichen Handlungen konfrontiert wird, die er nicht gemacht hat.

Es ist wie ein langsames Aufwachen: Larenz kommt wieder in der Realität an. Und diese ist nicht, auf der Insel als selbstbestimmende Person und Psychiater zu sein, sondern als psychisch kranker Mensch in einer Klinik von einem Ärzteteam behandelt zu werden. Dorthin hat ihn das Leid um den Verlust seiner Tochter gebracht, die von der eigenen Mutter, die an dem Münchhausen-Syndrom erkrankt war, umgebracht wurde. Die Erklärung des Psychiaterkollegen Prof. Malzius (Peter Groeger): „Sie sind der erste Psychiater, der sich mit Hilfe seiner Visionen erfolgreich selbst therapiert hat“, ist dagegen mehr als gewagt und durchaus kritisch zu hinterfragen.

Die Kärrnerarbeit hat in diesem fast zweistündigen Stück Thomas Gumpert in der Rolle als Viktor Larenz geleistet. Ständig präsent und gebunden in der dramaturgischen Rahmensetzung, kann er der Rolle Glaubwürdigkeit verleihen. Der Erfolg einer Theateraufführung wird gemeinhin am Beifall des Publikums gemessen. Den konnte das Ensemble für solide Schauspielkunst zum Ende zu Recht entgegennehmen.

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