Heinsberg-Randerath - Die Schalmeitöne der Orgel erinnern an einen Jahrmarkt

Die Schalmeitöne der Orgel erinnern an einen Jahrmarkt

Von: Stefan Reiners
Letzte Aktualisierung:
14340959.jpg
Stefan Iseke, Kreiskantor des Evangelischen Kirchenkreises Jülich, an der Randerather Orgel von 1824. Foto: Reiners

Heinsberg-Randerath. Stefan Iseke ist seit 2004 hauptamtlicher Kirchenmusiker der Evangelischen Gemeinde zu Düren und seit 2006 zudem Kreiskantor des Evangelischen Kirchenkreises Jülich. In Düren steht dem studierten Musiker mit der viermanualigen Steinmeyer-Orgel mit 65 Registern aus dem Jahre 1967 eine der größten Orgeln der rheinischen Landeskirche zur Verfügung - ganz anders in Randerath.

Insofern war es durchaus eine Herausforderung für Stefan Iseke, im Rahmen der Randerather Kirchenkonzerte auf der dort seit 1824 beheimateten und in den Jahren 2004 bis 2006 restaurierten eher (sehr) klein ausfallenden Orgel „Perlen des Barock“ zum Besten zu geben.

Immerhin wurde im Rahmen der Restaurierung laut Kirchmeister Alfred Schaaf seinerzeit festgestellt, dass sowohl die ältesten Orgelpfeifen als auch die sogenannte Windlade wohl aus dem 16. Jahrhundert stammen und damit für Barockmusik bestens geeignet sein dürften.

Das stellte Stefan Iseke dann auch gekonnt unter Beweis. Er präsentierte nach seinen eigenen Worten im Rahmen des Konzertes keine „juwelenbesetzte musikalischen Schätze“ in Form der ganz großen Werke des Barocks. Dazu sei die Orgel schlicht zu klein, es fehle an Manualen und auch Bässen. „Die Orgel in Düren ist fünf mal so groß“, erklärte er seine Musikauswahl. „Aber immerhin kann man hier davon ausgehen, dass die vorgetragenen Stücke so klingen wie in ihrer Entstehungszeit.“

Was er damit meinte, merkte man sehr schnell. Schon im zweiten Stück (Canzona in D-Dur von Martin Radeck aus dem 17. Jh.) erklangen Schalmeitöne, die man sonst nur von historischen Jahrmärkten kennt. „Das liegt an den speziellen Registern (in diesem Falle genannt „Basson“) und deren Bauart, über die die Randerather Orgel noch verfügt“, wusste Stefan Iseke zu erläutern. Und Alfred Schaaf konnte ergänzen, dass seinerzeit die Linnicher Orgelbaufirma Korffmacher den Randerathern aus Altbeständen eine sehr preiswerte Orgel zusammengebaut habe.

„Wir waren hier schon immer Sparfüchse“, scherzte er und blieb gleich beim Thema Geld, um zu erläutern, welchem Zweck die erbetene freiwillige Spende zukommen solle. „Damit sollen Kinderchor und Chor der Evangelisch-lutherischen Gemeinde San Mateo aus Bogotá, Kolumbien, unterstützt werden“, erklärte er und ergänzte, diese könnten am 12. Mai um 20 Uhr in der Christuskirche in Düren auch live erlebt werden.

Bleibt noch zu sagen, dass die Auswahl der von Stefan Iseke vorgetragenen Orgelstücke von Johann Sebastian Bach über Johann Gottfried Walther bis Jakob Praetorius reichte und einen kurzweiligen Nachmittag in geradezu familiärer Atmosphäre garantierte.

Beispielhaft zeigte sich dies an Isekes symphatischer Reaktion auf die kurze Unterbrechung des Konzerts, weil eine Zuschauerin ungünstig geparkt hatte und eine Anwohnerausfahrt blockierte. „Soll ich warten, bis die Dame zurück ist?“, war die ernst gemeinte Frage des sympathischen Musikers. So etwas gibt es wohl nur bei Kirchenkonzerten.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert