Die sanfte Macht der Klänge gegen die Demenz

Von: ok
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Die Klangschalen habern eine erstaunliche Wirkung und regen auch schwerkranke Bewohner an. Foto: ok Foto: ok

Hückelhoven. Im Raum ist es still. Auf dem Tisch neben dem Pflegebett der Bewohnerin Frau A. stehen vier große, bronzefarbene Klangschalen. Die Studentin der Sozialen Arbeit, Dagmar Naus, beobachtet die Bewohnerin aufmerksam. Im Wechsel schlägt sie den mit Filz umspannten Klöppel auf die unterschiedlich großen Klangschalen an. Kaum hörbar schwingt ein hoher Ton in der Luft, unter den sich ein leises Brummen mischt.

Nach und nach stellt sie die Klangschalen immer näher an das Bett von Frau A. und positioniert eine schließlich auf der Bettdecke an den Füßen. Später findet eine kleine Klangschale ihren Platz neben dem Bauchbereich der Bewohnerin. Dabei achtet Dagmar Naus auf jede Reaktion und verändert die Position der Schalen je nach Mimik und anderen Körperreaktionen der schlafend wirkenden Bewohnerin.

Ein halbes Jahr lang wurden drei Bewohnerinnen aus dem Evangelischen Altenzentrum Hückelhoven im Rahmen eines Studienprojektes „Der Einsatz von Klangschalen bei dementen Bewohnern“ von Dagmar Naus betreut. Es sollte getestet werden, ob Klangarbeit bei Bewohnern, die ihre Bedürfnisse kaum mehr äußern können, eine Verbesserung zeigt. Erste Forschungsergebnisse des Peter Hess Institutes für Klangmassage betonen die entspannende Wirkung der Klangarbeit auf den Körper. Dagmar Naus kann auf Erfahrungen in der Anwendung von Klangschalen zurückgreifen. Die gelernte Heilpraktikerin wendet die Schalen in ihrer Praxis an. Vor mehr als zehn Jahren machte sie eine Fortbildung in der Arbeit mit Klangschalen nach Peter Hess, einem Pionier der Klangmassage.

Erfahrungen zeigen, dass Menschen mit Lachen, Weinen und vielen anderen Gefühlen auf Musik reagieren. Sie erinnern sich zum Beispiel an das Lied, das zur Hochzeit gespielt wurde oder an das Gutenachtlied aus Kindertagen. Darüber hinaus ist Musik ein sozial verbindendes Element.

„Das Belohnungssystem schüttet Glückshormone nur aus, wenn wir Musik hören, die uns gefällt. Interessanterweise schaltet das Lieblingslied einerseits das Belohnungssystem an und gleichzeitig das System, das für Angst verantwortlich ist, ab. Also Glück rauf, Angst runter. Nichts anderes löst diese beiden Effekte gleichzeitig aus“, erklärte dazu der Hirnforscher Professor Dr. Manfred Spitzer auf einem Klangkongress 2011 in Dortmund. Musikalische Angebote sind darum ein wichtiges Element im Altenzentrum. Es wird viel gesungen und getanzt. „Leider werden nicht alle Bewohner auf Grund ihrer körperlichen Befindlichkeit erreicht“, bedauert die Ute Ossa-Kühnel vom Sozialen Dienst im Altenheim. Die Klangschalenarbeit könnte diese Grenze schließen. Der Geschäftsführer des Altenzentrums, Markus Lowis, ist immer für neue Ideen offen Darum ließ er sich für das Projekt mit Klangschalen bei dementen Menschen begeistern.

Eine von den Bewohnerinnen ist Frau A., die besonders stark auf die Klangschalen reagierte. „Ich bin ja von der Wirkung der Klangschalen überzeugt, aber dennoch war es für mich sehr beeindruckend, wie Frau A. sich in so kurzer Zeit verändert hat“, berichtete die Studentin begeistert.

Frau A. wohnt seit acht Jahren im Evangelischen Altenzentrum Hückelhoven und leidet an einer Alzheimer Demenz. Mittlerweile ist sie immobil und es ist schwer, einen Zugang zu ihr zu finden.

Frau A. reagiert wieder, seitdem die Klangschalen einmal in der Woche bei ihr eingesetzt werden. Sie isst besser und zeigt sich in den Zeiten der Pflege wacher Bemerkenswert ist auch, dass sie wieder auf andere Musik reagiert, beispielsweise auf den Musiker der für sie auf dem Akkordeon ihre Lieblingslieder spielt. So wurde ein Zugang gefunden, wo andere Mittel nicht mehr erfolgreich waren.

Auch die Mitarbeiter unterstützten das Projekt und waren positiv überrascht von der Wirkung der Klangschalen bei den drei Bewohnern. „Wir Pflegekräfte waren anfänglich skeptisch. Dann haben wir aber gesehen, wie erfolgreich die Klangarbeit gewirkt hat. Ich betreute Frau A. seit vielen Jahren. Sie hat sich immer mehr aus der Außenwelt zurück gezogen. Seit der Klangarbeit ist sie körperlich entspannter.

Das Anreichen von Nahrung und Flüssigkeit ist deutlich besser möglich. Nicht zuletzt ist sie wieder wacher, nimmt Reize wahr, und summt häufig am Tag Lieder, die man ihr vorsingt oder die sie im Radio hört. Am schönsten ist es für mich, dass das Leben wieder in Frau A. zurückkehrt ist“, so Ute Ossa-Kühnel.

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