Die Problemlöser: Schulsozialarbeiter

Von: Daniel Gerhards
Letzte Aktualisierung:
10802960.jpg
Sie bieten vielfältige Hilfen an: die Schulsozialarbeiter Silke Esser (Schulzentrum Oberbruch), Esther Janek (Städtische Realschule) und Jürgen Holländer (Pestalozzischule). Silke Esser hat bereits eine Menge Erfahrung, sie macht diesen Job seit 1998. Foto: Daniel Gerhards

Heinsberg. Manchmal merken Lehrer, dass sich bei einem Schüler irgendetwas ändert. Vielleicht stört er den Unterricht, vielleicht sucht er Nähe, vielleicht zieht er sich zurück. Wenn Lehrer so etwas bemerken, dann reden sie mit den Kindern, sagt Albert Zaunbrecher, Leiter der Heinsberger Realschule.

„Es gibt Schüler, bei denen man spürt, dass sie ein Problem im sozialen Umfeld belastet“, sagt er. Da stießen Lehrer schnell an ihre Grenzen. Schüler vertrauen sich dem Lehrer, der ja auch die Noten verteilt, nicht immer gerne an. In solchen Fällen springt Esther Janek nun in die Bresche. Sie ist Schulsozialarbeiterin und arbeitet seit einer Woche an der Städtischen Realschule.

Janek, 22 Jahre, hat gerade erst ihr Studium der sozialen Arbeit an der Katholischen Hochschule Aachen abgeschlossen, jetzt startet sie in Heinsberg ins Berufsleben. Einen weiteren neuen Schulsozialarbeiter gibt es an der Pestalozzi-Grundschule in Oberbruch.

Dort hat Schulsozialarbeiter Jürgen Holländer, 39 Jahre, seine Arbeit vor Kurzem aufgenommen. Holländer hat zuvor viele unterschiedliche Jobs in der Pädagogik gemacht. Außerdem war er zwölf Jahre lang bei der Bundeswehr, dort absolvierte er auch sein Pädagogikstudium.

Dass Schulsozialarbeiter wichtige Arbeit leisten, ist unumstritten. Allerdings wurde in den vergangenen Jahren lange um ihre Finanzierung gerungen. Bis 2014 gab es in Heinsberg zwei Schulsozialarbeiter, die über das Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes finanziert wurden.

Als das Paket auslief, wurden die Stellen gestrichen. Jetzt hat das Land NRW 47 Millionen Euro für die Schulsozialarbeit zur Verfügung gestellt. Aus diesem Topf werden nun 60 Prozent der Kosten für die beiden neuen Heinsberger Schulsozialarbeiter finanziert. 40 Prozent übernehme die Stadt, sagt Peter Maaßen vom Heinsberger Jugendamt. Angestellt sind Janek und Holländer bei der Caritas.

Realschulleiter Zaunbrecher sagt, dass er sich schon lange um einen Schulsozialarbeiter bemüht habe. Man habe sogar angeboten, eine Lehrerstelle abzugeben, wenn man dafür einen Sozialarbeiter bekomme. „Die Schule ist der richtige Ort für Sozialarbeit. Lehrer und Schulsozialarbeiter sehen Schüler aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Beide können ihre Fähigkeiten einbringen, um Probleme zu lösen“, sagt er.

Der Erfolg der Schulsozialarbeit sei zu einem großen Teil damit zu erklären, dass die Hemmschwelle, sich einem Sozialarbeiter anzuvertrauen, für Schüler und Eltern viel niedriger sei als bei einem Lehrer.

Insgesamt gebe es an den Schulen in Heinsberg fünf Schulsozialarbeiter. Einen davon auch am Kreisgymnasium. Das unterstreiche zum einen die Wichtigkeit der Schulsozialarbeit, zeige aber auch, dass es auch bei Jugendlichen, die das Gymnasium besuchen, Probleme gibt, sagt Bernd Kleinjans vom Jugendamt der Stadt. „Der Bedarf wächst, die Schulsozialarbeit wird immer wichtiger, die Kinder und Jugendlichen werden immer schwieriger“, sagt er.

Besonders groß sei der Bedarf für Schulsozialarbeit in Oberbruch. Dort sei der Migrantenanteil hoch, und es gebe viele alleinerziehende Mütter, sagt Maaßen. In einer solchen sozialen Struktur entstehen Probleme. Auch schon an der Grundschule. Jürgen Holländer hat in seinen ersten Wochen an der Pestalozzischule festgestellt, dass überforderte Eltern oft die Wurzel des Problems ihrer Kinder sind.

Er hat zum Beispiel Familien angerufen oder besucht, wenn das Kind mehrfach im Unterricht fehlte. Er macht den Eltern klar, dass sie der Schule Bescheid geben müssen, wenn ihr Kind krank ist. „Man stößt da nicht auf Ablehnung“, sagt er. Die Eltern nehmen seine Ratschläge an.

Denn oft gehe es bei den Problemen der Eltern, die auf die Kinder abfärben, um ganz Alltägliches: zum Beispiel um Ernährung oder Hygiene, sagt Monika Lichtenberg, kommissarische Leiterin der Pestalozzischule.

Silke Esser, 44 Jahre, arbeitet ebenfalls in Oberbruch am dortigen Schulzentrum. Sie erklärt, dass die Aufgaben der Schulsozialarbeiter sehr vielfältig seien. Manchmal geht es ums Reden, manchmal ums Zuhören, mal müssen sie mit den Eltern sprechen, mal besser nur mit dem Jugendlichen. In anderen Fällen müssen sie sich Hilfe von Behörden holen. Wenn es ein Problem im sozialen Umfeld der Kinder gibt, dann wissen sie, wie es zu lösen ist.

Außerdem begleiten sie Klassenfahrten, bilden Streitschlichter aus und bieten AGs an.

Die Arbeit von Esser, Holländer und Janek unterscheidet sich auch im Hinblick auf das Alter der Schüler. An der Realschule oder am Schulzentrum Oberbruch geht es zum Beispiel auch um den Übergang in den Beruf. An einer Grundschule bestimmen andere Fragen den Alltag. Das kann von Zanken auf dem Pausenhof bis zu schwerwiegenden familiären Problemen gehen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert