Selfkant-Tüddern - Die Natur soll den Safaripark zurückerobern

Die Natur soll den Safaripark zurückerobern

Von: Daniel Gerhards
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Freilaufende Löwen: Die Raubtiere waren die große Attraktion des Safarilands in Tüddern. Foto: Kreisarchiv Heinsberg
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Nach anfänglichem Erfolg war das Konzept irgendwann nicht mehr rentabel. Deshalb schloss die Löwensafari im Jahr 1990 für immer. Foto: Kreisarchiv Heinsberg
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Nun soll das Gelände zum Naherholungsgebiet werden. Foto: Kreisarchiv Heinsberg
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Die Kies-Lkw rollen: Mit dem Erlös finanziert die Gemeinde die Renaturierung des Areals. Fotos (2): Daniel Gerhards Foto: Daniel Gerhards

Selfkant-Tüddern. Es ist eine Geschichte von Aufstieg und Niedergang, von Verfall und – hoffentlich bald – von neuer Blüte. Die Löwensafari in Tüddern ist seit 26 Jahren geschlossen, aber das Gelände des ehemaligen Safariparks beschäftigt die Verantwortlichen der Gemeinde Selfkant noch heute. Demnächst soll auf dem Areal an der Kreisstraße 1 zwischen Tüddern und Süsterseel ein Naherholungsgebiet entstehen.

Damit wäre das Kapitel Löwensafari für Tüddern endgültig abgeschlossen. So richtig ins Rollen kam die Sache mit den Wildtieren im Selfkant im Jahr 1968. Der Süsterseeler Dompteur und Artist Hans Rosenberg gründete den ersten Safaripark Deutschlands im Waldstück zwischen Tüddern und Süsterseel. Aber das machte Rosenberg nicht allein. Seine Partner, der Schausteller Gottlieb Löffelhardt und der Bildhauer Richard Schmidt, sollten später noch für viel größere Furore sorgen.

Schmidt und Löffelhardt waren die Gründer des Phantasialands in Brühl. „In der Hoffnung, dass sich so ein Fremdenstrom bald in den bislang touristisch noch unterentwickelten Landstrich nahe der holländischen Grenze ergießen werde, verpachtete Tüddern den Löwen-Leuten einen Gemeindewald“, schrieb das Nachrichtenmagazin Der Spiegel in der Woche nach der Eröffnung. Löffelhardt und Schmidt investierten nach Angaben des Spiegels rund eine Dreiviertelmillion D-Mark in das Unternehmen. Allein der vier Meter hohe Gehegezaun soll 160 000 Mark gekostet haben.

Und zunächst hielt der Park sein Erfolgsversprechen. „Ich kann mich erinnern, dass die Leute in ihren Autos bis zur Zollstation Gangelt-Süsterseel standen, um in den Park hineinzukommen“, sagt Bürgermeister Herbert Corsten. An diesem Oktobernachmittag, an dem Corsten über Geschichte und Zukunft des Geländes spricht, bildet sich nur noch ein kleiner Stau, wenn einer der mit Kies beladenen Lkw das Gelände verlässt. Aber das sind kaum mehr als zehn Autos, die dort warten müssen.

Der Anfang vom Ende

Den Kies verkauft die Gemeinde in die Niederlande. Das bringt Geld, mit dem die ehemalige Löwensafari renaturiert werden soll. Ende des Jahres sollen die Kiestransporte dann ein Ende haben.

Der Anfang vom Ende des Safariparks sei mit einer Entscheidung des Gemeinderates eingeleitet worden, sagt Corsten. Die Betreiber wollten mehr. Sie dachten groß – wie beim Phantasialand. Sie wollten den Park ausdehnen. Über die K 1 hinweg. Das lehnte der Rat ab. „Aus Gründen, die aus damaliger Sicht nachvollziehbar waren“, sagt Corsten. Löffelhardt und Schmidt machten ihr großes Geschäft in Brühl. Und mit der Tüdderner Löwensafari ging es bergab.

Hätte man damals nicht besser der Vergrößerung zugestimmt? Vielleicht hätte der Besuchermagnet niemals seine Anziehungskraft verloren? „Das wäre eine Chance gewesen. So etwas wie das Phantasialand wäre hier auch realisierbar gewesen“, sagt Corsten.

Aber dazu kam es nie. 1990 schloss die Löwensafari. Danach lag das Gelände brach, es gab dort mal eine Asylbewerberunterkunft und viele Pläne – etwa für ein Sport- und Wellnesshotel –, die alle scheiterten.

Umgesetzt werden soll nun das Projekt naturnahe Erholung. Auf dem 24 Hektar großen Gemeindeareal sollen ein 2,2 Hektar großer See, ein Feuchtbiotop, naturbelassener Wald und Wanderwege entstehen. Wobei die asphaltierten Wege, die einst für die Safarifahrzeuge angelegt worden waren, künftig auch von den Wanderern genutzt werden könnten.

Im Laufe des Jahres 2018 soll das Gelände „für die Natur hergerichtet werden“, sagt Corsten. Das soll so gestaltet werden, dass man auch nah an das Feuchtbiotop heran kann, um die Natur erlebbar zu machen. Eine direkte Verbindung zum Restaurant Waldschänke will die Gemeinde auch noch angelegen, damit Wanderer dort einkehren können.

Etwas anderes als Natur möchte Corsten auf dem Gelände jedenfalls nicht mehr sehen. Auch als Freibad will die Gemeinde den See nicht betreiben. Zu gefährlich. Schließlich solle das Gewässer elf Meter tief werden. Aber vielleicht könnten Angler den See einmal nutzen, sagt Corsten.

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